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myers, harris, nicholson, women in (e)motion (1988)
blöder titel – das war offenbar eine veranstaltungsreihe in der bremer schauburg, die den weiblichen anteil an jazz, blues und gospel herausstellen wollte, das trio von amina claudine myers machte 1988 den auftakt. jetzt ist die kombination vom myers und nicholson mit jerome harris nochmal toller als mit thomas palmer, und interessanterweise bringt myers passend zum projekt kompositionen von bessie smith mit, aber: es wird hier nochmal mehr gesungen als auf den anderen trio-alben, deshalb zählt es nicht in der umfrage. der auf dem aktuellen album neu eingespielte „african blues“ hat hier ein gewöhnungsbedürftiges wortloses vokalisieren im angebot, aber es gibt auch eine frenetische version von „jumping in the sugar bowl“, die wirklich durch die decke geht. ein ziemliches wow-konzert, so kam es hörbar auch an, das album somit eher als dokument interessant.

pullen, peacock, williams, new beginnings (1988)
à propos wow und durch die decke gehen, das hier ist wohl das energetischste klaviertrio-album, das ich kenne. fängt tänzerisch und leichtfüßig an, eskaliert mit jedem weiteren stück mehr, bis (auf der cd-ausgabe) das melancholische solostück „silence = death“ kommt und ein statement zur aids-krise als studie über das verklingen setzt.
ausgangspunkt war tatsächlich eine verabredung von peacock und williams, mal wieder miteinander aufzunehmen, pullen kam als nachgedanke dazu. der wiederum suchte nach einer neuen formation nach dem ende des quartetts, george adams ging parallel eigene wege. pullen hat alle kompositionen mitgebracht, ein überzeugendes zeugnis dafür, wie man 1988 für jazzklavier schreiben kann – und diese dann mit musikern eingespielt, die (wie pullen über peacock schreibt), „keine angst vor ihren instrumenten“ haben. so kann man das auch sehen – und sich warm anziehen. für mich pures glück, es holt mich komplett ab, es ist sophisticated, fast wahnwitzig kraftvoll, originell im interplay, überhaupt, die originalität – wer spielte sonst so klavier, bass, schlagzeug? pullens rhythmisch präzise gesetzten cluster und wischeffekte türmen sich hier quasi auf, alles scheint wie ein neuer weg aus alten flaschen. top10 bei mir.
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