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Clare Fischer – Surging Ahead | Auch Clare Fischers zweites Album beginnt mit einem Stück von Charlie Parker, „Billie’s Bounce“. Auf diesem und dem Rest der A-Seite ist Fischer mit Albert Stinson (entdeckt von Charles Lloyd, den Hardy in den Liners zum Debut auch zu den neuen Leuten der kalifornischen Jazzszene zählt) und Colin Bailey zu hören, aufgenommen am 13. März 1963, während die B-Seite am 6. Februar mit Ralph Pena und Larry Bunker aufgenommen wurde – und noch ein Stück von den ersten Sessions mit Peacock und Stone enthält, den Closer „Without a Song“. Fürs Mosaic Select „The Pacific Jazz Piano Trios“ wurden noch drei weitere Stücke ausgegraben, eine unbegleitete Version von „The Thrill Is Gone“ vom Februar 1963 sowie „Lennie’s Pennies“ und „All the Things You Are“ vom März – zusammen genug für eine dritte Plattenseite. Und dass auf dem Weg noch ganz direkt Lennie Tristano ins Bild rutscht, passt sehr gut, denn beim freien Stück auf dem Erstling dachte ich auch schon an die freien Experimente, die Tristano bei seiner Capitol-Session in den Vierzigern unternommen hatte, über 12 Jahre früher. Nach dem Opener gibt es „Way Down East“ von Larry Adler – das Stück wurde mit „Strayhorn“, dem Opener der B-Seite, auch als Single herausgebracht und ist eine Art Mood-Romp. „Satin Doll“ – lang und sehr toll – und „This Can’t Be Love“ folgen, dann die zwei Bonustracks, und vielleicht ist diese Session – dank dem tollen, dunklen Bass von Stinson und den hellen und durchaus markanten Drums von Bailey – die beste dieser frühen Fischer-Sessions? Der Schleier ist hier jedenfalls gelüftet, der Vorhang geöffnet, das Licht strömt herein – dass das Interplay nicht mehr so sehr am Vorbild Evans angelehnt ist, scheint dem Pianisten gut zu tun. Seite B ist die etwas früher eingespielte mit der eingespielten Westküstenrhythmusgruppe, etwas weniger gelungen finde ich, auch wenn die Walzer-Hommage „Strayhorn“ von Fischer ein toller Einstieg ist und er im direkt folgenden „Things Ain’t What They Used to Be“ interessante minimale Veränderungen an den Voicings vornimmt und dann ein swingendes Solo spielt. Im „Davenport Blues“ von Bix Beiderbecke wird es nach dem Intro, das von der Stimmung her ein wenig an die Giuffre 3 mit demselben Bassisten erinnert, für die Verhältnisse geradezu funky – und Fischer kriegt das sehr gut hin, auch die Verdichtungen nach dem schönen Bass-Solo mit immer mehr Block-Akkorden, mit Tremolos zum Flirren gebracht.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba