Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Clare Fischer – First Time Out | Meinen Post zum ersten Clare Fischer Album hat das Forum leider gerade verschluckt und ich hatte ihn nicht kopiert. Hatte das Stück für Stück beschrieben und mehr … Jedenfalls finde ich das schon super, aber auch etwas verhalten, es wirkt zwischen den Evans- und Bley-Anleihen manchmal fast etwas gedämpft. Dass die drei echt super sind (beim Drummer bin ich mir nicht ganz sicher), wie Hardy in den Liner Notes schreibt, glaub ich sofort, das Album klingt nie forciert, aber auch nicht wirklich lässig. Gary Peacock ist super, hat mehr Gewicht und Wucht als LaFaro, kann aber ähnlich beweglich sein. Den 3/4-Opener von Ed Shaughnessy, „Nigerian Walk“, finde ich neben dem Opener der B-Seite, „Free Too Long“, ein Highlight. In letzterem gab es keine Absprachen zu Tonart oder Changes und den drei gelingt es, fliessend Tempi und mehr zu wechseln, Gene Stone spielt eher Puls als Beat, Fischer steigt in unterschiedlichen Tempi wieder ein, Peacock ist super stabil und dennoch immer in Bewegung … das ist schon sehr toll und dass Hardy da eine neue Generation von Jazzmusikern heraufbeschwört, die – wenn sie das spielen, was sie wirklich wollen – nicht gut mit den anderen zusammenpassen würden, kann ich schon nachvollziehen. Jetzt hab ich natürlich drei Viertel vergessen, aber so ist das halt, wenn ich einfach ausgeloggt werde (ja, der Haken war gesetzt, klar doch, sonst wird man ja täglich ausgeloggt). Aufgenommen wurde das Album an zwei Tagen zwischen den Daten, an denen die zwei vorhin schon gehörten entstanden sind.

Barry Harris Trio – Chasin‘ the Bird | Runde drei von Barry Harris auf Riverside, Mai 1962 in den Plaza Sound Studios mit Bob Cranshaw und Clifford Jarvis und einer Hommage an Charlie Parker zum Aufklang mit dem kontrapunktischen Titelstück. Dann ein Latin-Romp über „The Breeze and I“, Harris‘ „Around the Corner“ mit sehr viel Bud Powell im Mix … und während der Bass im Direktvergleich sehr konventionell wirkt (aber die richtigen Töne spielt beim Walken), sind die Drums frisch und knackig und kommentieren ständig – etwas, was bei Fischer vielleicht wegen all der Evans-Anleihen (das Album fällt insgesamt irgendwo zwischen „Portait“ und „Explorations“, was seine Wärme und Farbigkeit angeht – und eine Elegie für Scotty gibt es auch, mit Orgelpunktbass und klagend-singendem Klavier). Für die Solo-Passagen am Anfang und Ende der Ballade „Just As Though You Were Here“ verweist Ira Gitler zu recht auf Art Tatum als Inspirationsquelle – den Harris natürlich auch via Tatum, hier aber zusätzlich ganz direkt, im Rücken habe. Mit dem rasanten „Indiana“ endet Seite 1. „Stay Right with It“ von Harris, der Opener der B-Seite und erinnert wieder stark an die Powell-Aufnahmen von ca. 1955/56. Danach ist Monks „‚Round Midnight“ zu hören und Harris klingt auch hier mehr nach Powell denn nach dem Komponisten, streut aber ein paar dieser absteigenden Läufe ein, wie Monk sie so gerne spielte (Ganztöne, glaub ich?), während Jarvis seine Beherrschung des Spiels mit Besen unter Beweis stellen kann – inklusive Latin-Passagen. „Bish, Bash, Bosh“ ist das dritte und letzte Stück von Harris im Programm, mit einem moderneren Groove als die zwei davor und tollen Drums – aber Ira Gitler merkt in den Liner Notes, dass Harris eine Passage aus Powells Coda zu „Yesterdays“ enthalte. Als Closer gibt es „The Way You Look Tonight“, mit Powell-Läufen zwischen den Phrasen, mittelschnellem Tempo, tollen Drums schon im Thema und ein paar Runden Fours später. Das Album ist weniger besonders als das von Fischer (will das auch nicht sein) … zupackender, und wirkt irgendwie trotz deutlich konventionellerem Material eben doch fast etwas frischer.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba