Startseite › Foren › Über Bands, Solokünstler und Genres › Eine Frage des Stils › Blue Note – das Jazzforum › Das Piano-Trio im Jazz › Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz
gypsy-tail-windDas ist schon interessant, welche Wege die älteren Leute da so gehen … Lawson war ja relativ jung (also erst so 22, als er bei Lateef war), aber wegen Deiner Bemerkung zur Traurigkeit beim Hanna-Album (das ich nicht hervorgeholt habe, weil es relativ kürzlich lief – ich mochte es da recht gern): ich kann das total nachvollziehen … und mal kippt es in die Richtung, dass etwas traurig wirkt, mal in die andere – und meine Erfahrung ist auch, dass es bei manchem Album oder Pianisten in beide Richtungen kippen kann, je nach meiner Laune/Stimmung.
Das mit den Lackschichten, was Rosenthal zu den Detroit-Pianisten schreibt, fand ich aber auch eine interessante Beobachtung, denn es gibt ja Leute, die tatsächlich später besser waren als in den retrospektiv wichtigsten Jahren (z.B. Randy Weston, aber der ist bei Trio halt nicht so ein Thema – gerade weil die frühen Sachen nicht so toll sind … aber ich denke gerade, ich hätte sie doch auch hervorkramen sollen …). Hanna würde ich sogar auch zu denen zählen, aber so richtig warm werde ich da auch erst punktuell.
ich kann das nur sehr oberflächlich beurteilen, aber mir scheint, dass die zweite hälfte der 70er eine besonders harte zeit für klassische jazzensembles waren. die leute kamen aus szenen, wo sie in ihrer jungend der heißeste scheiß waren, dann gab es die ganzen öffnungen (stilistisch, was sounds angeht, apparate-technisch), wo scheinbar alle ihren individualistischen weg finden mussten, dann waren die erfolgreichen plötzlich in rockjazz-gefilden unterwegs (hancock, corea, zawinul), die ja dann auch sehr schnell in formeln erstarrt sind. plötzlich ist man nische, hat nur noch fans in japan etc. bis sich das ganze wieder etwas auflöst und man anders über traditionen nachdenken konnte – so wie geri allen, die man in einen loft, an einen korgsynthesizer, zum filmset von KANSAS CITY und zu hommagen für nichols oder mary lou williams einladen konnte, ohne dass das für sie ein verrat an ihrem individualismus gewesen wäre. als ich in japan war, liefen überall jazzklaviertrios, in allen restaurants, bars, hotels, sogar in raucherkabinen. ich habe das dann immer shazamt, und das waren meistens venus-aufnahmen von berühmten veteranen. da kann man ab 1980 sicherlich wieder entdeckungen machen. aber klassischer klavierjazz zwischen 1975-80 scheint mir kein gutes selbstbewusstseins-reservoir für musiker gewesen zu sein – das wirkte nach außen bestimmt wie ein formales beharren ohne publikum.
--