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Stimmt, das hatte ich schon wieder vergessen, dass das Iversons Timmons-Empfehlung ist. Den Prestige-Twofer habe ich auch, und – gerade unauffindbar – noch den aus der Jazzplus-Serie von Universal (glaub dort sind zwei Riverside-Alben, auch Trios, drauf). Timmons ist wie zu „This Here Is…“ geschrieben bei mir quasi von Beginn an präsent gewesen („The ‚In‘ Crowd“ ist das andere Piano-Trio-Album, an das ich mich eben so lange erinnere, aber Timmons sagte mir früher deutlich mehr zu, heute auch noch, aber etwas weniger deutlich). Einen b/d-Gig stelle ich mir eher schwierig vor – obwohl die zwei das bestimmt gut gekonnt haben …
Bei mir gestern Insomnia, drum:

Kenny Drew Trio with Paul Chambers, Philly Joe Jones | Zweimal, und das hat jetzt definitiv geklickt. Und zwar so, dass ich nicht begreife, was ich noch vor einem Monat für ein Problem damit hatte. Krass. Ein sehr, sehr tolles Album! Ich kann jetzt auch nachvollziehen, was @atom neulich schrieb, dass das wie aus einer andere Zeit im Jahr seiner Aufnahme (1956) vorbeischaue oder so ähnlich, denn einiges, was Drew hier anstellt, wirkt wirklich schon sehr modern und ungewöhnlich – zum Beispiel, wie er das Thema von „Come Rain or Come Shine“ (das spielten all die anderen ja dann erst so ab 1959/60 oder?) spielt, mit welchen ungewöhnlichen Voicings er die Melodie unterfüttert. Chambers ist hier hervorragend, selbst im gelegentlichen Arco-Solo ohne Fehl und Tadel, und Jones ist eh einer der lässigsten Drummer der Jazzgeschichte, ich mag ihn eigentlich immer gerne.

The Herbie Brock Trio – Brock’s Tops | Wie Johnny Coates ein Pianist, der Savoy empfohlen wurde. Im Herbst 1955 nahm das Label schon ein Solo-Album mit Brock auf, live im Onyx Club in Miami, Florida. Im Frühling 1956 folgte dann ebendort das Trio-Album mit seiner regulären Crew, Brooks Caperton (b) und Rick Hanson (d) – es gibt da noch ein paar weitere Trio- und Solo-Alben und auch was mit Sängerinnen, ich kenne noch „Herbie’s Room“ auf Criteria und noch eines, das auf Discogs und bei jazzdisco.org fehlt – das erste auch mit Caperton/Hanson, das zweite mit Caperton/Bill Ladley).
Herbie Brock stammte aus Rochester, NY und trat zuerst in den 40ern mit Buddy Satan im Klavierduo auf. Die Presse nannte ihn damals Lord Brock. In den 50ern liess er sich in Miami nieder, seine Session (at „Herbie’s Room“, einem kleinen Club in Miami, der so hiess, weil Brock an mehreren Wochentagen dort auftrat) war die erste Aufnahme, die Emerman aufnahm. Neben dem Trio hier (Brooks Caperton-b, Bill Ladley-d) leitete er ein Trio in Fort Lauderdale (Red Holley-b, Stan Musick-d); spielte später 20 Jahre lang als Hauspianist im David Williams Hotel. Lebt „heute“ im ländlichen Norden im Inland von Florida. (Und hat zwei Alben für Savoy aufgenommen, bevor das für Criteria entstanden ist).
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The Herbie Brock Trio – Herbie’s Room | Los geht es hier mit Musikschnipseln aus der Jukebox – und dann beginnt das Trio zu spielen. Und das ist sehr tolle Musik. Es gibt „Doxy“ von Sonny Rollins“, je ein Original von Lou Stein („Jim and Andy“, der Opener) und Lennie Niehaus („Johnny Jaguar“), das Album dauert grosszügige 45 Minuten. Die Musik ist grosse Klasse, zum Beispiel die Version von „My Funny Valentine“:
Und zu Brock gibt es in den Liner Notes von damals, geschrieben von Val Marchen, auch noch ein paar Zeilen: attended the State School for the Blind in Batavia, NY, where he won medals in competition for track.“ (was heisst das?) Hauptfächer waren Klavier und Orgel, aber beim Abschluss spielte er Tenorsax. Nach seiner Rückkehr nach Rochester, spielte er lokale Gigs am Klavier und am Sax, 1944 versuchte er eine Tour durchs Land „as a jazz duo“ zu machen (mit Satan, nehme ich an?), aber das Duo löste sich „due to bad bookings“ auf.
Creepy Criteria-Detail: überall steht, mit wem die Herren Musici verheiratet waren. Zu Brock hier: „Since then he has married a Rochester gal, moved to Miami, Florida, and has resided here since 1952.“ Zu Ladley in denselben Liner Notes: „… originally from Pittsburgh, he is married to a beautiful model whose name is Grace.“ Interessanter aber, dass er auch mit Johnny Smith gespielt und auf Aufnahmen mit Jackie & Roy zu hören ist.
Brooks Caperton, der Bassist, stammt aus Cleveland (verheiratet, drei Kinder – keine Namen hier und keine Sätze, die Fünfzigerjahre-Kopfkino auslösen), hat in Oxford, OH, das Miami College besucht und dort in der Band gespielt, danach spielte er mit diversen Big Bands, darunter jener von Ray Anthony. Nach dem Umzug nach Miami spielte er mit Joe Mooney, bevor er zum Trio von Brocks stiess.
aus dem Criteria-Faden:
https://forum.rollingstone.de/foren/topic/criteria-gold-coast-jazz-jazz-in-florida-ca-1957/
Gefällt mir auch heute noch sehr gut. Zweihändiges Piano, abseits der Stilschubladen, altmodisch und irgendwie doch am Puls der Zeit. Im verlinkten Faden gibt’s noch etwas mehr zu Brock, auch das Cover der Interplay-CD, die im Netz fast keine Spuren hinterlassen hat bisher … die müsste ich mal bei Discogs nachführen, wenn sie mir wieder die Finger kommt (hervorgesucht hatte ich Brock gar nicht, die Savoy-CD kam mir letztes Wochenende zufällig in die Finger, als ich Denny Zeitlin hervorgesucht hab).
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