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Phineas Newborn Jr. – A World of Piano | Die Anklage lautete auf Virtuosität, „but what is he really saying? How about the emotional communication?“ (Leonard Feather in den Liner Notes). Newborn zog Anfang 1961 nach Los Angeles und nahm dort bald bei den Aufnahmen zu „Together Again!“ von Teddy Edwards und Howard McGhee sowie „Maggie’s Back in Town“ teil – und da zeigt sich eine neue Reife, die auch hier zu hören ist, auf seinem ersten Album, nachdem er exklusiv von Contemporary verpflichtet worden ist. Paul Chambers und Philly Joe Jones begleiten Newborn auf der ersten Hälfte, Sam Jones und Louis Hayes auf der zweiten – die ehemalige Miles Davis-Rhythmusgruppe und die aktuelle, langjährige von Cannonball Adderley und damit zwei eingespielte Teams. Die Virtuosität ist immer noch da, klar – Feather schreibt dazu: „bearing in mind that Bernard Peiffer is French and Oscar Peterson Canadian, it would not be extravagant to claim that Phineas has no equal among American jazz pianists, from any standpoint, technical or esthetic. He is a moving, swinging, pianistically perfect gas.“
Newborn spielt irre zweihändige Passagen, arbeitet Ravels „Sonatine“ in „Lush Life“ ein, präsentiert im rasenden Opener „Cheryl“ (Charlie Parker) das Thema unisono mit dem rasenden Bass von Chambers – Blues, Tempo, Block-Akkorde und quecksilbrige Läufe … alles im Opener schon da. Jones kriegt seinen Spot im Closer der ersten Hälfte, „Daahoud“ von Clifford Brown, das Newborn schon 1956 aufgenommen hatte. Teil 2 entstand einen Monat später, Adderley ware gerade in der Stadt und seine Rhythmusgruppe konnte ausgeliehen werden. „Oleo“ von Sonny Rollins ist wieder ein rasantes Stück, „Juicy Lucy“ von Horace Silver ein entspannter Romp mit dem Bass in Zwei – bis zu dem Moment, als Jones/Hayes mit einer Vierer-Begleitung zur linken Hand von Newborn stossen. „For Carl“ ist Leroy Vinnegars Hommage an Carl Perkins – ein Pianist, den auch Newborn schätzte, wie Feather schreibt. Ein Walzer mit tollem Groove, der so geerdet bleibt, dass Newborns kaum fassbare Höhenflüge sehr gut rüberkommen, finde ich. „Cabu“ von Roland Alexander ist der Closer – Shelly Manne und sein Quintett hatten es im Westen eingeführt, auf Vol. 4 der Blackhawk-Alben – mittelschnelles Tempo mit tightem Groove und gutem Bass-Solo und ein würdiger Closer für ein Album, das mir ohne mich sehr zu berühren doch ziemlich gut gefällt.
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