Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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The Bobby Timmons Trio in Person | Live im Village Vanguard am 1. Oktober 1961 mit Ron Carter und Albert Heath bietet Bobby Timmons einiges mehr an Facetten als auf „This Here Is“. „Autumn Leaves“ zum Einstieg mit tollem Groove, ausgiebigen Block-Akkord-Passagen, dann Funk mit „So Tired“, eine wunderbare Solo-Version von „Goodbye“ (mit ein paar Tönen und Wischen von den anderen zwei am Ende) und als Thema zum Abschluss „Dat Dere“ (ausgeblendet, also fürs Album künstlich zum „tag“ gemacht). An der Stelle fügt die CD (ich hab in dem Fall wirklich die 20bit-Ausgabe, kann in diesem Fall aber nichts falsch dran finden) zwei Extras ein, zuerst „They Didn’t Believe“ mit mit tollem Besen-Swing von Tootie Heath, und dann die vollständige Version von „Dat Dere“. Teil zwei der Platte umfasst wieder drei Stücke. Nach dem eigenen „Popsy“ hebt Timmons in einer langen Version von „I Didn’t Know What Time It Was“ ab, von Carter/Heath sehr toll begleitet und mit gutem Bass-Solo. Dann gibt es noch einen Lieblingssong, „Softly, As in a Morning Sunrise“, in der Carter das Thema und dann das erste Solo übernimmt – nicht immer ganz intonationssicher im Thema, dünkt mich, aber das macht bei dem tollen Spiel nicht viel. Die gleiche gekürzte Version von „Dat Dere“ beschliesst dann auch das zweite „Set“.

Timmons wirkt auf mich um Jahre gereift im Vergleich zum Vorgänger vom Januar 1960 – und die Musik profitiert enorm von Ron Carters souveränem Bass, der das alles so beweglich und doch so solide grundiert, dass es eine Freude ist. Heaths Besen-Arbeit hat auch Qualitäten, von denen andere (z.B. der Drummer auf dem Mance-Album, das ich gerade hörte) nur träumen konnten. Jamal haben sie gehört, klar, vermutlich auch etwas Ramsey Lewis … aber Funk-Klischees gibt es hier kaum, stattdessen wird mit Verve und vielen Einfällen Musik gemacht, immer entspannt und locker, aber total auf den Punkt. Auch rasend schnelle oder super eng verzahnte Passagen schütteln die drei mit Lockerheit aus dem Ärmel, alles bleibt immer in Bewegung, die Drums setzen frische Akzente, der Bass schaltet einen Gang hoch und wieder runter, Timmons zitiert, variiert, rifft, fällt von Melodien in Akkorde, albert in der Langversion von „Dat Dere“ ordentlich herum – aber verliert nie den Biss. Seit drei Monaten habe das Trio zusammen gespielt, als es im Vanguard aufgenommen wurde – und Timmons sei stolz darauf, dass überhaupt nichts von den Arrangements notiert sei, schreibt Joe Goldberg in den Liner Notes. Eine tolle Aufnahme und vermutlich mein liebstes Album von Timmons (wobei ich längst nicht alle kenne).

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