Antwort auf: Ich höre gerade … Jazz!

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gypsy-tail-wind
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Einiges, was aus dem Piano-Trio-Kontext bzw. genau genommen aus der Mosaic-Box „The Columbia Jazz Piano Moods Sessions“ (7 CD, 2000) die Tage lief und läuft. Die Sessions, di im p/g/b-Trio-Format oder im Quartett (p/g/b/d) entstanden sind.

Zuerst die ersten Aufnahmen von Ahmad Jamal, je vier Stücke vom 15. Oktober 1951 und vom 5. Mai 1952 mit Ray Craword und Eddie Calhoun – nur sechs davon (nicht „Rica Pulpa“ und „Perfidia“) landeten später auf „The Piano Scene of Ahmad Jamal“, sind aber auf der erweiterten CD-Version, die unter dem Titel „The Legendary OKeh & Epic Recordings“ läuft zu finden, wo dafür von den LP-Ttracks einer weggelassen wurde, „Slaughter on 10th Avenue“).

Das Album von Jess Stacy aus der Reihe „Piano Moods“ wurde in Hollywood am 5. und 10. Juli 1950 mit George Van Eps, Morty Corb und Nick Fatool aufgenommen. Earl Hines-Schüler mit Hang zum lyrischen – von Bix Beiderbecke geprägt, spielte in den Dreissigern mit der wichtigen Big Band von Benny Goodman, wo er auch seine Jazz-Chops entwickeln und präsentieren konnte. Berühmt sein Solo in „Sing, Sing, Sing“ vom legendären Konzert in der Carnegie Hall 1938. Hier spielt er hervorragend, zu den Highlights zählen sicher „Cherry“ (Don Redman) und „Keepin‘ Out of Mischief Now“ (Fats Waller/Andy Razaf). Es gibt auch eine schöne Version von Beiderbeckes „In a Mist“, die relativ schnell daherkommt und der man anhöre (Dick Katz in den Liner Notes der Mosaic-Box), „how he [Stacy] has lived with this piece.“ Dazu kommt u.a. eine sehr, sehr schöne Version von „Lover Man“, ein Stück, das sonst eher mit Beboppern verbunden wird, das Billie Holiday aber 1944 eingespielt hatte. Van Eps spielt akustische Gitarre und ist als Solist nie gross in Erscheinung getreten. Er spielt hier eher mal eine Überleitung als ein eigentliches Solo – aber er weiss das zu nutzen.

Buddy Weed war kein richtiger Jazzer und zeigt das auf seinen acht Tracks auch: es gibt Anklänge an klassische Musk, fast in jedem Stück Tonarten- oder Taktwechsel … Weed fand sein Auskommen in Studios und blieb da meist anonym. So ist sein Album in der Reihe eine hübsche Überraschung. Sein Technik ist makellos und sein Siel schon ziemlich beeindruckend, auch wenn es in die Cocktail-Piano-Richtung geht oder wie die Club-Pianisten das damals selbst nannten: „butterfly piano“, ein „flashy, non-syncopated style“ (Katz). Doch ehe man auf den Gedanken kommt, dass der Session etwas Jazz doch ganz gut tun könnte, spielt Weeds „Yesterdays“ und „Song of the Islands“ in klassischen Jazz-Versionen –  und lässt den Musiker durchscheinen, der „underneath all the classical-society style meanderings“ immer da war.

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