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The Unique Thelonious Monk | Nach Ellington also Standards, nochmal Trio, nochmal zwei Sessions (17. März und 3. April 1957), nochmal ab 1958 ein neues Cover (unten), nochmal Oscar Pettiford, aber ein anderer Drummer, Art Blakey (Pettiford kehrte im Hebst für „Brilliant Corners“ zurück, dann mit Roach und zwei Bläsern – abgesehen. „Liza, All the Clouods’ll Roll Away“ ist der kauzig gewählte Opener. Danach geht es mit „Memories of You“ solo weiter – ein erstes Highlight! Danach rompt und stompt das Trio durch „Honeysuckle Rose“ – mit einem lauteren, aber nicht unbedingt prägnanteren Drummer. Nach dem Klaviersolo ist einen Moment lang unklar, ob der Bass oder die Drums dran sind oder vielleicht Fours gespielt werden – und wie in solchen Fällen üblich, setzt der Schlagzeuger sich durch. Monk rifft dann noch länger, Pettiford walkt, Blakey fällt nach dem kurzen, guten Solo in den Beat zurück – und abgesehen von einem spröden Sax ist hier eigentlich die Monk-Formel von nach 1959 oder so schon etabliert. Und dennoch ist das super, keine Frage. „Darn That Dream“ kriegt dann die Walking-Balladen-Behandlung, Monk schmückt aus, stottert mit der linken Hand dazwischen … Keepnews‘ Absicht, Monk in gängigem Repertoire zugänglich zu machen, mag man nicht goutieren, aber mich dünkt, der Plan ging ziemlich gut auf. Vielleicht ist das (nach der 19545er Heath/Blakey-Session auf Prestige?) die erste Monk-Session, die gewissermassen „klassisch“ ist: Monk hat sein Vokabular fertig erarbeitet, kann es auf allerlei geläufige Stücke anwenden und das Ergebnis ist eigenwillig und sofort erkennbar, was mit der Rhythmik, der Harmonik wie auch der Melodik zu tun hat, die zum Einsatz kommt. Stop and Go, gehämmerte Phrasen, herabfallende Läufe (gerne in Ganztonleitern. Neben den schon genannten Stücken der ersten Plattenhälfte gibt es auf der B-Seite noch „Tea for Two“, „You Are Too Beautiful“ und „Just You, Just Me“ – schrulliger aber total gradliniger Romp, Balladenhighlight, toller Romp als Closer, in dem Monk oft die linke Hand aussetzt, quasi die hornlike Rechte strollen lässt – ein super Effekt natürlich, und Effekte konnte Monk wirklich. Und weil Pettiford dabei ist, sind die Räume, die der Bass (auch später) immer wieder kriegt, eine gute Idee (später nicht immer, da waren sie wie die Schlagzeugsoli zu oft nur Ruhepausen für Rouse und Monk). Hier funktioniert das alles prächtig und ich mag das Album auch ein ganzes Stück lieber als das Ellington-Album. Pettiford spielt z.B. in der Ballade „You Are Too Beautiful“ ein tolles Solo – überhaupt mein Highlight der zweiten Hälfte des Albums. Beide Alben gewinnen, wenn ich sie nicht Rücken an Rücken mit anderen Aufnahmen höre, die ich deutlich mehr schätze (nicht zuletzt das gerade erwähnte „Brilliant Corners“, das zusammen mit „Freedom Suite“ zu meinen liebsten Pettiford- und Roach-Aufnahmen gehört). Im Trio hat Monk kaum noch Aufnahmen gemacht: ein Stück für die „Sound of Jazz“ TV-Show (nicht das Columbia-Album) mit Ahmed Abdul-Malik und Osie Johnson, drei (zwei?) Columbia-Session (1965 wieder „Honeysuckle Rose“ mit Gales/Riley, die Version von „Misterioso (Recorded On Tour)“, der Rest der Session war solo; und 1968 ein Stück, das auf dem Soundtrack von „Straight No Chaser“ landete sowie eine der Sessions für das Album „Underground“ – dieselbe, bei der noch Jon Hendricks dabei war). Ausführliche Trio-Aufnahmen gibt es erst am 15. November 1971 in London wieder, als Monk zum letzten Mal als Leader aufnimmt, mit den alten Kollegen Al McKibbon und Art Blakey, die mit auf der Giants of Jazz-Tour waren.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba