Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Thelonious Monk Plays the Music of Duke Ellington | Ich vergesse immer wieder, dass die Platte schon ein Cover hatte, bevor sie (ab 1958) zum Douanier Rousseau kam. Wo ich gerade einen Bassisten hörte, der Oscar Pettiford als sein grosses Vorbild sah, habe ich überlegt, wo ich diesen denn im Trio hören kann – und ich glaube, das geht nur hier. Hatte an sich nicht vor, die zwei ersten Riverside-Alben von Monk auch wieder anzuhören, aber so ändern sich die Pläne ständig. Pettiford hat einen warmen, schlanken, sehr schönen Ton, der überraschend obertonreich klingt – und schon im ersten Stück, „It Don’t Mean a Thing“ (Keepnews legt Monk in den Mund: „Seht her, Leute, ich bin auch nur ein normaler, swingender Jazzpianist!“) spielt der Bassist ein Solo, das halt alles in den Schatten stellt, was Pate auf den Sessions aus derselben Zeit macht (Monks Album ist am 21. und 27. Juli 1955 entstanden – in New York machten auch kleine und junge Label wie Riverside da schon 12″-Platten).

Kenny Clarke nimmt hier auch eher die traditionell zurückhaltende Drummer-Rolle von früher ein – aber das passt ja schon, die sind ja auch alle schon eine Generation älter (Clarke *1914, Monk *1917, Pettiford *1922 und damit nur zwei Jahre älter als Pate, aber er spielte halt ab 14 Bass, davor tanzte und sang er und ab 12 lernte er Klavier zu spielen, 1942 war er schon bei Charlie Barnett, 1943 im Minton’s und bei Coleman Hawkins, 1945 ging er mit diesem nach Kalifornien, bevor er im selben Jahr zu Ellington stiess, wo er bis 1948 blieb).

Highlights gibt es hier natürlich schon – Monks Voicings sind oft wahnsinnig schön, und die Nähe zum ähnlich reichhaltigen Arranger’s Piano von Ellington nicht von der Hand zu weisen. Das lange Solo-Intro zu „I Got It Bad“, das er sich dann im kargsten Stil (aber mit reichen Voicings, toller Kontrast), fast à la Waldron (der hatte sein Zeug ja auch von wo her) einverleibt und buchstäblich zu Monk-Musik macht, grad als man denken könnte, jetzt würde es etwas langweilig – und ein schönes Pettiford-Solo gibt es auch noch. Direkt davor das fast blumige „Sophisticated Lady“ oder das kurze Monk-Intro zu „Mood Indigo“. Clarke bringt in „I Let a Song“ seinen patentierten Besen-Swing – gerade so diskret wie effektiv.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba