Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Claude Williamson – ‚Round Midnight | Im Osten das Stan Getz Quartet, im Westen das Bud Shank Quartet … Claude Williamson spielte auch in anderen Bands und seine erste 10″-Platte machte er 1954 für Capitol in der Reihe „Kenton Presents“, in der Stan Kenton ein paar seiner liebsten Sidemen vorstellen konnte – ich habe die LP vor vielen Jahren mal ausgeliehen gehabt und erinnere mich noch, dass ich es bedauert habe, dass Mosaic sie und die nachfolgende nicht fürs „Kenton Presents“-Set mitberücksichtigt hatte – dort sind nur Sessions von Bläsern drin: Bob Cooper, Bill Holman, Frank Rosolino). Das nächste Album im 12″-Format erschien wieder bei Capitol und hiess „Keys West“ (1955). 1954 waren Curtis Counce und Stan Levey dabei, 1955 Max Bennet/Levey und Buddy Clark/Larry Bunker. Fresh Sound hat alle Stücke der Sessions (es gibt von 1954 noch ein paar weitere, die wohl auf 12″-Reissues der Platte erschienen sind, die es übrigens auch als 2 x 7″ gab) auf einer CD kombiniert, die ich wohl mal noch suchen muss.

1956 folgten noch zwei Alben, jetzt für Bethlehem Records. Das erste, „Claude Williamson“ (aka „Have Piano … Can’t Travel“), finde ich gerade nicht. Es wurde im Januar 1956  mit Don Prell und Chuck Flores aufgenommen, den Kollegen aus dem Shank Quartet. Im Dezember folgte „‚Round Midnight“, das mein Einstieg war und das jetzt läuft. Hier hat Williams eine etwas beweglichere Rhythmusgruppe hinter sich, Red Mitchell und Mel Lewis (der erste auch Leader bei Bethlehem, der zweite ein Ex-Kentonite, wie Williamson). Das hat für meine Ohren eine andere Kohärenz als so manches aus der Zeit (jedenfalls im Vergleich mit Scott oder Williams), die Begleiter werden immer wieder aktiv in die Arrangements eingebunden, Lewis setzt auch im Uptempo an Besen Akzente (toll in „Tea for Two“) und treibt die Band voran – der Rollenwechsel vom Bass zu den Drums ist im Gang (den kehrte Bill Evans dann ja irgendwie wieder um), auch wenn Mitchell da, wo es gefragt ist, mit Punch den Tieftöner geben kann (hier z.B. in „Stompin‘ at the Savoy“). Die Stücke sind kurz und abgesehen von Horace Silvers „Hippy“ und vielleicht Loessers „I’ll Know“ alle sehr bekannt: „Stella by Starlight“, „Just One of Those Things“, „Love Is Here to Stay“, „The Song Is You“, „Somebody Loves Me“, „Polka Dots and Moonbeams“ … und da ist auch „Surrey with the Fringe on Top“, das Joe Muranyi in den originalen Liner Notes neben dem Loesser-Stück als die andere unerwartete Wahl beschreibt – Blossom Dearies Version gab es damals ja noch nicht und auch die Einspielung von Sonny Rollins entstand erst im September 1957 und Miles Davis‘ Version erschien erst 1961. Die Vorlage für sie alle war wohl die von Ahmad Jamal von (1952 noch im Cole-Trio-Format, damals als Single, auf LP wieder auch erst 1959 auf „The Piano Scene“, aber klar, 1952 waren Singles das relevante Format).

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