Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

#12565065  | PERMALINK

gypsy-tail-wind
Moderator
Biomasse

Registriert seit: 25.01.2010

Beiträge: 70,649

Gestern hab ich auch nochmal Bobby Scott gehört … der ist ja schon irgendwie ein Phänomen. Spielte Klavier und Vibraphon, sang, beherrschte auch Akkordeon, Klarinette, Cello und Kontrabass, nahm für alle denkbaren Label auf, hatte ab 1962 immer wieder Hits in den Charts, gewann einen Grammy für „A Taste of Honey“ (Best Instrumental Composition). Hatten wir es von ihm hier eigentlich mal? Sessions 2 und 3 auf der CD „Early Sessions“ vom Bobby Scott Trio (Fresh Sound, 2012) präsentieren ihn 1955 (15. März bzw. 19. September) mit Al Levitt am Schlagzeug und Jim Corbett bzw. Knobby Totah am Kontrabass. Levitt ist ja immer wieder anzutreffen in der Zeit, wobei 1955 war das dann auch etwa vorbei, da ging es dann mit Lee Konitz los (die tollen Storyville-Sessions, wenig später war er dann in Paris bei den Aufnahmen von Sidney Bechet mit Martial Solal dabei – was zu Scott passt: Levitt traf in den frühen Vierzigern Mike Stoller, die zwei Freunde hörten ein paar Jahre lang gemeinsam Musik, bis Stoller 19449 nach L.A. ging und dort Jerome Leiber traf). Nach den vier kurzen Stücken von der Savoy-10″-LP gibt es ganze elf von „Scott Free“ (ABC-Paramount) – und hier spielt Scott dann auch Vibraphon, sonst wär das durchaus ein Kandidat für die erweiterte Liste – auch heir ein guter Mix von Originals („Two Toes“, „Summer Night“, „Squaw Rock“, „Potatoe Zalud“, „Milt Shake“) und Standards („What’s New, „Between the Devil and the Deep Blue Sea“, „Over the Rainbow“, „These Foolish Things“). Jack Tracey schreibt in den Liner Notes nur knapp zu den ersten drei Stücken („Two Toes“, „What’s New“ und „Between …“) und meint, gut zusammenfassend, wie sie die Formel des Albums vorgeben: „fleet, evocative piano work and the ringing, moody vibes by Scott, occasional solos and always-firm rhythmic backing by Totah and Levitt, and tunes that are notable for the stimulating areas they provide to blow in.“

Ergänzend zur Trio-CD (die mit dem oben erwähnten 10″-Album auf Bethlehem, „Great Scott“ öffnet), hat Fresh Sound 2007 schon die CD „The Compositions of Bobby Scott“ herausgebracht. Da finden sich die zwei Volumen (10″-Alben) desselben Namens, die Ende 1954 und Anfang 1955 für Bethlehem mit ein paar Bläsern entstanden (u.a. Eddie Bert und Al McKusick auf dem ersten, Conte Candoli, Frank Rosolino, Charlie Mariano, Bill Holman und Jimmy Giuffre auf dem zweiten, au beiden tolle Rhythmusgespanne: Milt Hinton/Osie Johnson in New York und Max Bennett/Stan Levey in L.A.), sowie eine weitere 12″-Platte aus dem ABC-Paramount-Katalog (kein Label, das je an der Spitze der Jazz-Entwicklung sein wollte, jemand wie Scott passte da sehr gut rein), „Bobby Scott and 2 Horns“ (mit dem Untertitel „West Coast Jazz Compositions, Vol. 1“) – sa ist das Line-Up weniger illuster mit John Murtaugh (ts) und Marty Flax (bari), dazu Whitey Mitchell und Howie Mann (das ist dann vom Oktober 1956 und natürlich wieder aus New York). Lobenswerte Compilations, finde ich – wie es scheint gibt’s das meiste davon echt nicht offiziell auf CD, nicht mal in Japan.

--

"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba