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Eine musikalische Begegnung mit dem Modfather
07.11.2025
Der Berliner Musiker und Lido-Konzertveranstalter Frank Popp hat zusammen mit Paul Weller, dem Godfather of Britpop und einer Ikone der Mod-Subkultur, eine gemeinsame Single produziert. „Right Before My Eyes“ heißt sie.
Es war 2 Uhr in der Nacht, und Frank Popp war plötzlich hellwach. Eine Nachricht auf dem Handy: „Ich gehe morgen ins Studio und nehme es auf.“ Absender: Paul Weller. „Ich höre seine Musik, seit ich 13 oder 14 war“, sagt Frank Popp. Er sitzt im Backstage des Lido in Kreuzberg. Frank Popp arbeitet dort als Konzertveranstalter. Seit vielen Jahren macht er aber auch selbst Musik.
In Düsseldorf hat der gelernte Grafikdesigner das Frank Popp Ensemble gegründet, eine Formation, deren einziges festes Mitglied er selbst ist. 2009 kam Frank Popp nach Berlin, hat hier gut zehn Jahre gelebt, bevor er für drei Jahre nach Mallorca ging. „Dort habe ich zwei Alben gemacht. Man ist dort nicht so abgelenkt wie in Berlin“, erklärt er.
Vergangenes Jahr im Januar hat Frank Popp begonnen, sein neues Album zu planen. „Ich habe eine Handvoll Sängerinnen und Sänger angeschrieben, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde“, erzählt er. Auf der Liste stand auch Paul Weller. Der britische Musiker wurde Ende der 70er-Jahre mit seiner Band The Jam bekannt.
Paul Weller – er gilt unter Fans und Musikkritikern als „Godfather of Britpop“ und einer der wichtigsten Vertreter der Mod-Bewegung (von „Modernist“ abgeleitet). Weller war mit The Jam einer der einflussreichsten musikalischen Protagonisten in der zweiten Welle dieser Subkultur, die sich von den britischen Inseln auch auf den Kontinent ausweitete. Er wurde so auch zum „Modfather“.
Mit diesem Paul Weller einen Beitrag zu seinem neuen Album zu produzieren, war für Frank Popp ein Traum. Aber einer, der womöglich Wirklichkeit werden würde. Denn Popp kennt einen DJ aus Schottland. Und der hat die E-Mail-Adresse von Paul Weller. Der DJ fragte Weller, ob er die Adresse an Popp weitergeben dürfe. Die Antwort: Ja, er kann mir gern etwas schicken. Das war eine überraschende Antwort, denn bisher hat der Brite noch nie mit einem deutschen Musiker zusammengearbeitet.
Aber Frank Popp ist auch kein Unbekannter. 2001 wählte die Filmproduktionsfirma Warner Brothers Popps Titel „High Voltage“ für den Soundtrack zum Film „Operation Swordfish“ mit John Travolta, Halle Berry und Hugh Jackman aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte Frank Popp bereits den Hit „Hip Teens Don’t Wear Blue Jeans“ gelandet. „Hip Teens“ wurde Teil einer Coca-Cola-Werbekampagne, schaffte es auch in die deutschen Top 20 und war Teil des ein Jahr später veröffentlichten Debütalbums „Ride On!“.
Frank Popp hat also einen neuen Song an Paul Weller geschickt. Der Plan: Weller spielt den Song im Studio ein. „Zwei Demos: eins langsam, eins schnell“ habe er an den „Godfather of Britpop“ gemailt, erzählt Popp. Die Rückmeldung von der Insel kam recht schnell. Im Februar war klar: Es gibt ein gemeinsames Projekt. Paul Weller hatte sich für die langsamere Version entschieden. Außerdem wollte er den Text von Frank Popp durch einen eigenen ersetzen – und auch das Gitarrensolo anders spielen. Für Frank Popp war das in Ordnung. Paul Weller war an Bord. „Es hat dann aber bis Oktober nicht geklappt“, sagt er. Bis Oktober vergangenen Jahres musste das Material fürs neue Album fertig sein. Paul Weller hatte offenbar andere Prioritäten. Dennoch hat er das Projekt mit dem Musiker aus Deutschland nicht vergessen. Weil Frank Popp zurzeit an keinem neuen Album arbeitet, das gemeinsame Projekt aber seinerseits nicht auf die lange Bank schieben will, haben sich die beiden Musiker entschieden, eine Single zu produzieren. Sie wird am 21. November bei Unique Records/Schubert Music Europe im Vertrieb von Believe veröffentlicht.
Der gemeinsame Song „Right Before My Eyes“ vereint die einzigartige Stimme, die Poesie und ein Gitarrensolo von Paul Weller mit der – wie die Produktionsfirma es formuliert – „üppigen Produktion und dem eingängigen Songwriting – ganz so, wie man es von Frank Popp kennt“.
Das von Frank Popp gegründete Frank Popp Ensemble begann zunächst als Ein-Mann-Projekt, das sich musikalisch an den Klängen des Northern Soul und am Funk der späten 60er-Jahre orientierte. Dabei arbeitete das Ensemble vor allem im Old-School-Hip-Hop-Stil, verwendete Vintage-Samples, strukturierte diese neu und kombinierte sie mit Beats und einigen minimalistischen Instrumentalparts. Auch von Paul Wellers Musik ließ sich Frank Popp von Anfang an inspirieren. Er ist bereits seit den 80ern ein großer Fan des Briten. Als Teenager wurde er auf Songs von The Jam aufmerksam: „That’s Entertainment“, „Town Called Malice“, „Going Underground“. Etwas wild wurde zu Style Council’s „Shout To The Top“ in Hildens Kleinstadtdisco JWD getanzt oder mit „My Ever Changing Moods“ versucht, die Mädchenwelt zu beeindrucken, erinnert sich Frank Popp.
Etwas erwachsener sei er dann mit Wellers Solo-Stuff wie „Wild Wood“, der „Wishing On A Star“-Coverversion oder dem Welthit „You Do Something To Me“ geworden, erzählt Popp. „You Do Something To Me“ habe „als Inspiration zu diesem Kollaborationswerk“ in seinem Hirn rumgegeistert, sagt er. „Fans der alten Weller-Alben werden hier auf ihre Kosten kommen“, verspricht er. Doch der Song habe auch das Potenzial, „neue Hörer dazuzugewinnen“. Wie erfolgreich der Song auch immer werden wird: „Es ist mir eine unglaubliche Ehre, mit dieser Ikone der Musikgeschichte, mit dem Modfather, zusammenarbeiten zu dürfen“, sagt Frank Popp.
Paul Weller, der in Großbritannien die wichtigsten Auszeichnungen der dortigen Musikbranche bekommen hat, ist auf der Insel nicht nur als großartiger Musiker bekannt, sondern auch als einer, der dem Establishment deutlich seine Meinung sagt. Bereits in den 80er-Jahren tat er sich als Pazifist und als Kritiker einer in Großbritannien damals fast schon heiligen Tradition hervor: der Fuchsjagd. Einige nennen ihn einen Sozialisten. Mit seinem Text, den er zu Frank Popps Musik neu geschrieben hat, bleibt sich Paul Weller in dieser Hinsicht treu.
Es fühle sich an, als würde der Himmel einstürzen, als wäre alles, was er je gelernt hat, sinnlos und bedeutungslos, singt Weller. „Es geht um die vielen Kriege, Ukraine, Gaza, aber auch andere, hat er mir erklärt. Es geht darum, dass die ganze Welt einfach zuschaut“, sagt Frank Popp. „I just watched it all burn, and the world grew more silent, and the world grew more cold, we can all see it, and it’s spinning out of control – right before my eyes“, singt Weller: „Ich sah nur zu, wie alles in Flammen aufging, und die Welt wurde stiller, und die Welt wurde kälter, wir alle können es sehen, und es gerät außer Kontrolle – direkt vor meinen Augen.“
Es sei so traurig und eine Verschwendung, den Himmel in die Hölle zu verwandeln. Er habe versucht, ihnen zuzuhören, aber sie hatten keine Geschichte zu erzählen, formuliert Paul Weller sein Leiden an dieser Welt. „Turning heaven into hell – right before my eyes.“
Martin Rolshausen
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