Antwort auf: Bob Dylan

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jackofh

Registriert seit: 27.06.2011

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Mit der Unterhose hatte ich kein Problem. Wohl aber mit dem, was Mangold u.a. in dieser Szene macht. Ich hätte mir lieber eine saftige Sexszene aus der Nacht davor angeschaut, als diesen pädagogisierenden Dialog zwischen Baez und Dylan in panties, der alles expressis verbis erklärt. Wie viel interessanter wäre es gewesen, die Beziehung der beiden über ihre Körper auszudrücken! Sinnlichkeit findet in dem Film jedoch leider nur auf der Tonspur, also durch Dylans Lieder, statt. Ok, und z.T. auch in den Inszenierungen der Live-Performances. Das reicht für mich jedoch nicht für einen guten Film. Da höre ich mich doch lieber durch Dylans Werk oder gucke z.B. Pennebakers Doku.

Denn das Grundproblem der ganzen Regie von Mangold ist für mich, dass er probiert, so „authentisch“ wie möglich alles nachzustellen. Heraus kommen dabei aber nur Klischees. Allein das Greenwich Village, das er zeigt … in nahezu jeder Freiluftszene spielt irgendein Musiker auf der Straße. Der Geist der Zeit, schon klar … Und dann ist das alles so betont pittoresk gefilmt und gleichzeitig vollkommen leblos: Ein Film, in dem man permanent Schauspielern dabei zusieht, wie sie durch Kulissen eines Freilichtmuseums stampfen. Die behauptete Nähe zum Sujet (über Papamichaels Kamera und das Licht könnte man auch noch sprechen) wird so (für mich!) zu keinem Zeitpunkt eingelöst. Wie gesagt, das ist meine subjektive Wahrnehmung der filmischen Qualitäten von „A Complete Unknown“. Ich bin aber wahrscheinlich auch das falsche Publikum für so ein Biopic – daher bitte als Einzelmeinung verstehen.

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