Antwort auf: Ich höre gerade … Jazz!

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friedrich

Registriert seit: 28.06.2008

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@vorgarten

shepp, blasé & yasmina „revisited“, 1969
(…) was ich an surrealismus in der lila eule vermisst habe, ist hier mit händen zu greifen, burrell hämmert 10 minuten den gleichen akkord, dazu kommen mundharmonikas ins spiel, favors und philly joe jones klingen hier wie ein gastspiel des sun ra arkestras, und shepps solo auf „sophisticated lady“passt unbedingt auf den schmusesaxofon-sampler, den friedrich bestimmt längst in produktion hat. so viel hipness aus störrischem eigensinn.
(…)

„Kuscheljazz“ wäre auch ein schöner Titel. ;-)

Tatsächlich ist eine entsprechende Playlist in Arbeit, wobei ich den Fokus nicht so sehr auf Schmusigkeit lege, sondern auf die individuelle Sinnlichkeit des Klanges von Musikern wie Coleman Hawkins, Benny Carter, Lester Young, Johnny Hodges, Ben Webster und Don Byas oder Harry Edison und Charlie Shavers – wobei der ein oder andere davon durchaus auch mal packend und ruppig werden konnte. Ich hatte ja schon laut darüber nachgedacht, dass es prä-Bop offenbar eine Ästhetik gab, in der Sentimentalität hoch im Kurs stand. Danach kam die zwar etwas aus der Mode, aber verschwand auch niemals ganz. Wie offenbar bei Archie Shepps Solo auf Sophisticated Lady.

Apropos Duke Ellington und Sentimentalität. In der Radiosendung „Was sind eigentlich sentimentale Gitarren, Andrew Pekler?“ denkt eben dieser Elektroniktüftler – und Elektronik vebindet man ja auch nicht zuvorderst damit – laut über Sentimentalität in der Musik nach, spielt als eines seiner Lieblingsstücke In A Sentimental Mood von Ellington & Coltrane („Wunderschön!“) und betont – so meine ich mich zu erinnern – dass das Wort „sentimental“ im Amerikanischen nicht den Beiklang des Kitsches hat.

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“There are legends of people born with the gift of making music so true it can pierce the veil between life and death. Conjuring spirits from the past and the future. This gift can bring healing—but it can also attract demons.”                                                                                                                                          (From the movie Sinners by Ryan Coogler)