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gypsy-tail-wind<Ist es ein ketzerischer Gedanke zu sagen, dass dessen Prime Time nach einem ganz ähnlichen Prinzip funktionierte? Interplay oder irgendwie aktiv gesuchtes und on-the-spot geformtes Zusammenspiel höre ich dort wenig (und vielleicht ist das gerade ein Problem für meine jazzgewohnten Ohren)? Das „Gewebe“ oder die Textur der Musik ergibt sich erst durch das übereinanderlegen der autarken einzelnen Parts, irgendwie?
ja, wobei prime time meines erachtens noch einen schritt weiter geht, da auch die gitarristen keine akkorde mehr spielen, sondern weitere solospuren legen – im besten fall entsteht daraus ein interessantes netz, das auch merkwürdig swingt und groovt, aber dafür braucht es eben auch jemanden wie denardo oder shannon jackson – billy higgins finde ich im quartett mit ulmer eigentlich das größte problem (also nicht ihn, sondern seinen jazz-swing, in einem funk-setting funntkioniert das alles viel besser).
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Wie muss ich mir das mit der Gitarrenstimmung vorstellen? Alle Saiten auf en Ton gestimmt heisst natürlich, dass die Standardgriffe für Changes nicht mehr funktionieren – aber die Finger sind ja lang genug, um dennoch Akkorde zu spielen. Und das tut Ulmer ja auch hier … hat er auf der Grundlage dieser „alle Saiten auf E-Stimmung“ quasi ein neues akkordisches Spiel entwickelt?
genau so verstehe ich es. auf REVEALING ist das aber noch die klassische stimmung, glaube ich, selbst auf TALES OF CAPTAIN BLACK (black, blood, blue, blues, ich komme da ständig durcheinander) betrifft das angeblich nur einen track.
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Jedenfalls ist „Revealing“ für mich definitiv eine Entdeckung – und eine, die ich erst sehr spät machte (gekauft habe ich das CD-Reissue im Spätsommer 2017, aber wenn mich nicht alles täuscht bald darauf auch zum ersten Mal angehört). Wenn ich etwas kritteln müsste, wäre es vielleicht der Bass-Sound. Cecil McBees Kontrabass klingt so arg komprimiert, dass er verzerrt, und stellenweise wie eine elektrische Bassgitarre tönt (z.B. in „Raw Groove“ beim Einstieg ist Solo und dann am Ende wieder, vor allem im ersten Moment, wenn Ulmer an der Gitarre übernimmt). Andererseits ist der Klang dann aber auch wieder super passend für das eh reduzierte, irgendwie enge (nicht: geschlossene, eher: kompakte) Setting. Da sitzt einfach alles, und das hat wohl viel mit Doug Hammonds Spiel zu tun, der zwar oft recht unspektakulär swingt und shuffelt, aber das eben auf eine sehr eigene Art tut, mit kleinen Verschrobenheiten, eingestreuten Trommelschlägen und ebenfalls einem kompakten, wenig resonanten Sound. Auf George Adams wirkt sich das so aus, dass er so gradlinig und mit so wenig (also eigentlich gar keinen) Show-Effekten spielt wie sonst kaum je. Keine Prahlerei mit seinem gigantischen Ton, kein weites Vibrato, keine hyperschnellen Läufe (die mit dem offenen Ton und dem Vibrato oft ja fast schwindelerregend wirken). Ist das Punk Jazz?
finde ich nicht, george adams kann einfach sehr viel mit ulmers akkorden anfangen, scheint mir, er spielt ja eigentlich recht melodiös, dabei völlig klischeefrei, das bekommt eine melancholische tiefe, die man ansonsten bei ihm nie hört. mcbees bass ist einfach zu niedrig gepegelt und verzerrt deshalb, glaube ich, zumindest wenn er im mittelpunkt steht. sehr schön, was du zu hammond schreibst, der kann irgendwie nicht anders als permanent zu swingen (live auch sehr beeindruckend, das klingt wahnsinnig gut, soeht aber sehr simpel aus). leider sehr unbekannt, immer noch, obwohl er ja m-base miterfunden hat
sehr schön auch deine vorstellung der aufnahmen von juma sultan, scheint mir überhaupt eine verdienstvolle entdeckung zu sein. man kann das ja alles streamen, das mache ich demnächst mal.
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