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icculus66
Hier hört (hört hört!) es (bisher) mit meinen
Blood Ulmer LPs oder CDs auf (ich habe noch das
mit The Thing).
geht mir ähnlich, wobei ich die blues-alben später nachgeholt habe. wie z.b. das nächste hier:
james blood ulmer, memphis blood – the sun sessions, label m 2001, rec. 10.-12.4.2001, memphis
ulmer (voc, g), vernon reid (g), charles burnham (el vl, mandolin), rick steff (p, org, acc), david barnes (har), mark peterson (b, eb), aubrey dayle (dm)
dahin, wo rock n‘ roll und elvis erfunden wurden, lädt der eine idiosynkratische black rocker (produzent vernon reid) den anderen (blood) ein, um blues standards aufzunehmen. das demo spielen sie joel dorn vor, der das album auf seinem damals neuen label m (wiederveröffentlicht auf hyena) herausbringt. reids ansatz geht von ulmers stimme aus, das interesse wird aber von der reibung mit der gitarrenspielweise entfacht:
There are a lot of great jazz and straight ahead guys. But in terms of the avant garde guys — the guys who play out where the buses don’t run — there are only a few people. Sonny Sharrock was like that, and James “Blood” Ulmer. There are only a few cats, and what they did was so edgy and particular. They were players that did something very, very different. I treasure that. “Blood” is an interesting case, because whenever he opens his mouth on any of his records, the only thing that comes out is the blues. He can’t sing any other way. But his guitar playing is completely from a different place. Each of those records is very special, but that first one when he agreed to go to Memphis and make that record, something truly special happened. You know, when people come together to make a piece of music, everybody has to make that space work. If they can do that, then anything can happen. That’s how I feel about it, when it comes together — in spite of everything else that is going on. If everybody can get together, and get out of the music’s way, then something fantastic can happen.
von hier.
tatsächlich erreicht ulmers gesang hier eine tiefe und frische, die mehr ist als sound, endlich kann er die dreckigen sachen singen, die ihm sein vater nie erlaubt hat. das musikalische arrangement dazu setzt eher auf spontaneität als auf präzision. manches funktioniert sehr reduziert, z.b. das im trio eingespielte 9-minütige „death letter“, in den standards von willie dixon bläht sich der mittlere frequenzraum mitunter stark auf: ulmer & reid kommen sich nicht in die quere, aber burnhams wahwah-violine wird eigentlich durch reids‘ sound abgedeckt, dazu kommen noch honkytonk-klavier, mundharmonika, manchmal orgel, sogar mit einer slide-mandoline noch eine dritte gitarre. trotzdem hat das sway, vor allem im großen höhepunkt kurz vor schluss, chester burnetts „i asked for water (she gave me gasoline)“, wo unter bloods hynotischem gesang eine wall of sound ins kippen gebracht wird, die in einem irren feedback zerbröselt. reid hält sich mit seinen dekonstruktivistischen soli ziemlich zurück (gegen ende macht er ein paar mal auf sich aufmerksam), blood spielt im völlig neuen kontext inspiriert aber wie gewohnt, hält die reibung aus, verbiegt sich nicht. überhaupt ist das ja kein authentischer, sondern ein kontruierter zugang aus new yorker perspektive hier, der vor allem spaß machen soll und neue perspektiven entwickeln will. ulmer bringt seine leute ins spiel, mark peterson macht mit seinen trockene, palm-muting-pizzicati einen coolen job, während der immer leicht vor dem beat spielende dayle zwar schöne ideen hat, aber trotzdem vielleicht nicht die idealbesetzung ist. der rest ist zeitgenössisches augenblinzeln, das manchmal einen ernsten, verträumten blick bekommt.
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