Antwort auf: james 'blood' ulmer

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vorgarten

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music revelation ensemble, cross fire, diw 1997, rec. 17./18.12.1996
ulmer (g), calvin „hassen truth“ jones (b), cornell rochester (dm), john zorn (as), pharoah sanders (fl)

nach der coolen selbstbespiegelung dann noch noch mal das konzentrierte brett, abschied von diw, quasi-abschied des music revelation ensembles (die zusammenarbeit mit the thing würde ich als würdigen nachfolger gelten lassen), mit zwei neuen powerplayern, die, so das konzept, hier machen können, was sie wollen: john zorn und pharoah sanders. „brett“ ist nicht ganz richtig, ulmer hat diesmal den akustikbassisten calvin jones engagiert, das hat konsequenzen: einen anderen flow, jazznähe, zurückhaltung, kein unmittelbares feuer, aber mit stetiger flamme. zorn entscheidet sich für facettenreichtum, zu beginn versucht er die ornette-coleman-nummer (sehr interessantes signal an ulmer), dann hat ihm jemand erzählt, dass sanders das komplement ist und er versucht es mit krawallsoli, channelt zwischendurch seinen lehrer oliver lake, ganz am ende entspannt er sich und geht in die tiefe – jedenfalls kommt zorn vorbereitet in diese session, er hat sich was überlegt und scheinbar auch respekt. sanders dagegen ist zunächst so 3/4 involviert, packt trickkisten aus, nasenflöte und klapper-klappen, möglichst schnell durch die decke, die einfachen themen nur andeuten. doch am ende kommt „evidence“, wo es ihn wirklich packt, und dann ist die hölle los. ekstase, er schreit rum, auch nochmal nach dem letzten akkord, die große hymne wird angestimmt, ihn hat’s erwischt. ulmer hält sich insgesamt zurück, greift viele impulse auf, ist sich sicher. die schönen arrangements für bass und schlagzeug (die wieder einmal kein einziges solo spielen) sind voller gesetzter spannungen, triolischer swing gegen binäre bassakzente, unterschiedliche metren, im geheimnisvollen zweiten stück wird jones‘ gestrichener bass zum melodieintrument und lässt lücken, rochester hält alles in bewegung und unter druck. 2003 tritt die band mit sanders auch live auf, doch dazu später mehr.

im jahr darauf gibt es nur einen diskografischen eintrag von ulmer, ry cooders soundtrack für wenders‘ THE END OF VIOLENCE, ich verspreche mir nicht viel davon, aber reiche die eindrücke nach.

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