Antwort auf: Ich höre gerade … Jazz!

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vorgarten

Registriert seit: 07.10.2007

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synthiefläche, pitchbending, kitsch. dann plötzlich ein vertracktes elektronisches bass-ostinato, dann ein rauchiges tenorsax, das vom ersten moment an genau im rythmus sitzt. jedesmal will ich wieder nach 5 sekunden die stopptaste drücken und 5 sekunden später bin ich bereits gefangen. dann erklärt professor shepp, dass es jetzt persönlich wird, es gehe um den kampf und die revolution undsoweiter, aber eigentlich gehe es jetzt um ihn als jungen mann und noch eigentlicher um seine großmutter. und dann tuckert der synthie los und dann krächzt da ein sopransax drüber und dann kommt ein rap/soulgesang über wave-pop-loops. und jetzt merkt man auch, dass shepp eigentlich nie nur sein ding durchzieht, sondern tatsächlich kommuniziert. und dann kommen die fetten akkorde, die sphären und zeichentrick-raumschiffe und in all dieses fiepende getöse haucht und schreit herr shepp sein zutiefst persönliches gedicht über das ländliche florida und bananenpudding, über lumumba und den vietcong. das ist vielleicht das coolste stück jazz in den 80ern. und irgendwie bleibt das so, was auch immer van’t hof da aus seinen maschinen herausholt, shepp hört den rythmus und setzt sich drauf. es war wahrscheinlich gar nicht so verkehrt, dass er nie nur zuhause rum saß, sondern immer unterwegs war und dort auf merkwürdige menschen traf, die ihm seltsame angebote machten. sowas wie das hier kann man sich vorher nicht ausdenken.

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