Keith Jarrett

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  • #11576597  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,264

    vorgartenschöner text, friedrich! ich finde das toll, wenn jemand ein album so sehr mag und immer neue worte dafür findet. und ich muss da auch gar nicht überzeugt werden, ich mag es ja auch sehr.
    andere jarrett-trio-alben (mit jack dejohnette) hast du nicht, oder?

    Vielen Dank, @vorgarten!

    Ich habe mich ja vom vorurteilsbeladenen Keith Jarrett-Verächter zu jemandem gewandelt, der ihn immer mehr zu schätzen weiß. Bin auch im fortschreitenden Alter noch bedingt lernfähig.

    Hatte ich schon mal was zu Deer Head Inn geschrieben? Ich weiß nicht, ob ich das noch mal lesen will … Deer Head ist ein schön niederschwelliger Einstieg in Jarretts Musik, finde ich. Könnte man auch als Bar-Jazz verkaufen. Ist es ja auch – aber gleichzeitig auch etwas ganz anderes und viel mehr.

    Ich habe mir vor einer Weile mal auf eine alte Empfehlung von dir (Danke!) die Doppel-CD Tribute beschafft. (Edit: Uralte Ausgabe von ECM in 8000 München 60 ;-) ) Ein paar mal gehört und für sehr gut befunden, aber dafür noch keine solche Leidenschaft wie für Deer Head entwickelt. Kann aber noch kommen. Auf beiden Alben spielt das Trio sowohl Solar als auch It’s Easy To Remember. Auf Deer Head finde ich Easy To Remember wirklich so zauberhaft, dass es sehr schwer zu toppen ist. Aber die Aufnahme auf Tribute ist auch toll.

    --

    "I said a hip-hop, the hippie, the hippie / To the hip, hip-hop and you don't stop the rockin' / To the bang-bang boogie, say up jump the boogie / To the rhythm of the boogie, the beat" (The Sugarhill Gang)
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    #11576607  | PERMALINK

    kurganrs

    Registriert seit: 25.12.2015

    Beiträge: 7,338

    @friedrich: Danke für Deinen Text.  :good:

    #11576675  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 44,099

    Ich habe einen guten Freund, der kann Fernsehserien so gut nacherzählen, dass ich oft den Eindruck habe, dass diese Nacherzählungen besser sind als die Serien selbst. So ähnlich kommt es mir auch mit dem Text zu Dear Head Inn vor. Ich fand das Album immer eher mittelmäßig – und würde sogar soweit gehen, dass alle Standard Trio-Livealben besser sind (also bis My Foolish Heart, die letzten drei Releases kenne ich nicht).
    Aber nach Friedrichs wunderbarem Text muss ich nochmal hören. Danke dafür :)

    zuletzt geändert von nail75

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #11576699  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 62,149

    @nail75: den Nachzügler „Somewhere“ (2009 aufgenommen, sieben Jahre später als das vorhergende des Trios) hörte ich vor ein paar Jahren mal an (als ich für StoneFM eine Sendung zu Leonard Bernstein zusammenstellte) und finde das ein sehr gutes Album.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #11576701  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 44,099

    Danke, muss darum muss ich mich auch mal kümmern.

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #11576761  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 9,866

    friedrich
    Ich habe mir vor einer Weile mal auf eine alte Empfehlung von dir (Danke!) die Doppel-CD Tribute beschafft. (Edit: Uralte Ausgabe von ECM in 8000 München 60 ) Ein paar mal gehört und für sehr gut befunden, aber dafür noch keine solche Leidenschaft wie für Deer Head entwickelt. Kann aber noch kommen. Auf beiden Alben spielt das Trio sowohl Solar als auch It’s Easy To Remember. Auf Deer Head finde ich Easy To Remember wirklich so zauberhaft, dass es sehr schwer zu toppen ist. Aber die Aufnahme auf Tribute ist auch toll.

    da bin ich total bei dir, „easy to remember“ im deer head inn ist schon ziemlich magisch. ich habe mich gefragt, ob CHANGELESS nicht etwas für dich wäre, mit vier völlig freien live-improvisationen des trios (mit dejohnette als drummer), die eine ganz andere kommunikation untereinander hörbar machen und in der organischen entwicklung der stücke näher an den necks als am bill-evans-trio liegen. aber eigentlich ein album ohne vergleichsmöglichkeiten, ein solitär in der jazzgeschichte.

    --

    #11576769  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 20,444

    friedrichHatte ich schon mal was zu Deer Head Inn geschrieben?

    Toller persönlicher Text zu diesem außergewöhnlichen Album, das ich seit deiner lobenden Erwähnung auf Seite 2 nochmal mehr schätzen gelernt habe.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #11577621  | PERMALINK

    irrlicht
    Nihil

    Registriert seit: 08.07.2007

    Beiträge: 30,779

    vorgarten […] aber eigentlich ein album ohne vergleichsmöglichkeiten, ein solitär in der jazzgeschichte.

    Glaub‘ auch. Könnte sogar mein liebstes Jazz-Album sein (was bei meinem kleinen Fundus nicht viel heißt), in jedem Fall weit vor den Studioaufnahmen im Trio. Die Eleganz ist ziemlich einmalig.

    „Deer Head Inn“ wird noch gekauft, Danke für den superschönen Text.

    --

    Hold on Magnolia to that great highway moon
    #11577625  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

    Beiträge: 20,444

    @irrlicht: Vielleicht noch das dazu von deinem Geburtstagsgeld? ;-)

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #11577637  | PERMALINK

    irrlicht
    Nihil

    Registriert seit: 08.07.2007

    Beiträge: 30,779

    Das hat @nail75 meine ich auch schonmal empfohlen. Hab ich im Blick, aber gerade sind erstmal ein paar Neuerscheinungen vorrangig. Danke :good:

    --

    Hold on Magnolia to that great highway moon
    #11578477  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,264

    Danke, danke für die sehr freundlichen Reaktionen!

    Deer Head wurde in den letzten Wochen hier im Forum gelegentlich mal erwähnt, ohne dass genauer darauf eingegangen wurde. Da bekam ich Lust, was schönes darüber zu schreiben, was ich dann aber nur nach und nach und bruchstückhaft tat, so dass der Text eine Weile auf meiner Festplatte schlummerte. @gypsy-tail-wind hat Deer Head vor ein paar Tagen dann aber im „Ich höre gerade .. „-Thread mit ein paar Worten erwähnt. Aus völlig anderen Zusammenhängen flogen mir dann die Begriffe „zauberhaft“ und „Heim- und Freundschaftsspiel“ zu und dann fügte sich das gut zusammen. Hoffe dennoch, dass ich das Album nicht schöner beschrieben habe, als es sich in anderen Ohren anhört.

    Gypsy hatte die kurzen aber schönen liner notes von Keith Jarrett erwähnt, ich selbst habe einiges davon nacherzählt. Das atmosphärische Coverfoto und die improviserte Typografie, diese kleine Geschichte zu KJs Auftritt im Deer Head, das Gefühl beim Deer Head mal durchs Schlüsselloch lauschen zu können und natürlich die Lässigkeit der performance mit diesen zwei magischen Momenten – das alles zusammen ergibt für mich eine sehr schöne Platte. Andere Trio-Aufnahmen mögen perfekter sein, aber Deer Head berührt mich mit seinem Charme.

    Danke auch für die weitern KJ-Tipps! Hab’s mir notiert, werde aber in näherer Zukunft kaum dazu kommen, denn hier wartet noch einige andere Musik (elektronisches, karibisches, sonstiges …), die auch gehört werden will.

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    #11601079  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,264

    Ein paar Gedanken zu:

    Keith Jarrett / Gary Peacock / Jack DeJohnette – Changeless (Aufnahme 1987, veröffentlicht 1989)

    Ein Zen-Symbol auf dem cover, Titel wie „Endless“ oder „Ecstasy“, und in den liner notes philosophiert Keith Jarrett ausgiebig kulturpessimistisch über die Oberflächlichkeit einer verdorbenen Gesellschaft und dem unter dieser Oberfläche verborgenen, wahrem und unveränderlichen („changeless“) Kern der Dinge, den es freizulegen gilt: „Intuition“ statt „Denken“, „Fühlen“ statt „Wissen“, „Natur“ statt „Technik“ – um es stark verkürzt zu sagen. Grübel, grübel …

    Aber lasse ich mich einfach mal auf diese 4 Stücke ein, die während 4 verschiedener Auftritte entstanden sind – ohne Komposition und ohne Probe. Ausgangspunkt sind jeweils kleine, sich wiederholende Figuren auf dem Klavier und/oder Bass + drums, die jedoch meist so klar und prägnant klingen, als hätte Keith Jarrett davon ein paar in der Schublade liegen und würde sie hier einfach hervorziehen. Oder ist das wirklich wie aus dem Nichts improvisiert? Egal, denn von da an gerät etwas in Bewegung und der weitere Verlauf ist unvorhersehbar. Diese kleinen Motive verwandeln sich, wogen auf und ab, plätschern, sprudeln, brausen auf und schäumen, zerfließen auch mal um dann wieder eine Form zu finden. Meist ist das Klavier im Vordergrund, dann schieben sich Bass oder drums mal etwas mehr nach vorne, es gibt aber keine eigentlichen Soli, es bleibt immer eine gemeinsame Bewegung. Und selbst wenn das ursprüngliche Motiv nicht immer zu hören ist, so bleibt es doch immer als Ursprung spürbar.

    Das erste Stück Dancing ist stärker rhythmisch akzentuiert, es pulsiert und es wird sogar ein beat suggeriert (obwohl ausgerechnet hier der drummer sehr zurückhaltend ist), Endless hingegen wirkt verträumt und entspannt, Lifeline etwas kühler und klarer. Beim abschließenden Ecstasy spielt sich das Trio aus einem anfangs kaum wahrnehmbaren gemeinsamen Vibrieren von Klavier, Bass und drums langsam in einen tosenden Rausch. Da brandet richtig was auf: Dröhnende cluster auf dem Klavier und Jack DeJohnette haut auf die Pauken und lässt die Becken zischen. Großes Drama!

    Nicht zu erkennen, woher da jeweils der Impuls kommt, die Richtung zu ändern, die Spannung auf oder abzubauen. Man gewinnt den Eindruck, einem sich selbst organisierenden Prozess zuzuhören, der zwanglos einem geheimnisvollen inneren Antrieb folgt. Irgendwie so als würde man dem Lauf eines Baches folgen, sich im Wind wiegenden Bäumen zusehen oder einem Vogelschwarm. Klingt etwas kitschig und pathetisch? Vielleicht . . . Man muss sich schon auf diese Musik einlassen, dann geht sie erstaunlich leicht ins Ohr und entfaltet eine sehr schöne meditative, manchmal hypnotische Wirkung. Dabei kann man sogar mal ein wenig wegdösen. Und wenn man sich wieder fasst denkt man: Das war schön! Aber dann ist es auch schon vorbei – gone, up in the air …

    Vielen Dank @vorgarten!

    --

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    #11601097  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 9,866

    sehr schön, @friedrich! ich finde ja zusätzlich noch toll, wie das zusammengebaut ist, der nahtlose übergang von 3 zu 4 z.b., überhaupt die produktion dieses albums. die einzelnen stücke kamen ja aus programmen mit standards (mit changes!), aus denen sich dann diese exkursionen ergaben, vielleicht aus material heraus, das noch in der luft lag. CHANGELESS wirkt aber so, als wäre die musik genauso gemeint gewesen. alles ist am richtigen platz.

    --

    #11601131  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    Biomasse

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 62,149

    vorgarten
    sehr schön, @friedrich! ich finde ja zusätzlich noch toll, wie das zusammengebaut ist, der nahtlose übergang von 3 zu 4 z.b., überhaupt die produktion dieses albums. die einzelnen stücke kamen ja aus programmen mit standards (mit changes!), aus denen sich dann diese exkursionen ergaben, vielleicht aus material heraus, das noch in der luft lag. CHANGELESS wirkt aber so, als wäre die musik genauso gemeint gewesen. alles ist am richtigen platz.

    Das wäre wohl eine Entzauberung, aber: ich hätte schon Lust, das mal im Kontext zu hören. Wie entstanden diese Stücke? Nahtlos aus Standards hinaus (wie im späten Konzert aus Luzern dokumentiert) oder als eigenständige Stücke zwischen Standards, wie betten sie sich in die gesamten Konzerte ein usw.? Könnte man ja gut nebeneinander stehen lassen, das Album selbst und das ausführliche Dokument.

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    #11601153  | PERMALINK

    atom
    Moderator

    Registriert seit: 10.09.2003

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    Wunderbarer Text, @friedrich! Als fertiges Produkt ist Changeless perfekt, dennoch geht es mir da wie @gypsy-tail-wind. Ich wäre sehr an einer Entstehungsgeschichte und Werkschau dieses Materials interessiert. Also eine Art Komplett-Box der Oktober-Tour 1987.

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