I’m Not There (Todd Haynes)

Startseite Foren Kulturgut Für Cineasten: die Filme-Diskussion I’m Not There (Todd Haynes)

Ansicht von 15 Beiträgen - 46 bis 60 (von insgesamt 64)
  • Autor
    Beiträge
  • #6504317  | PERMALINK

    mick67

    Registriert seit: 15.10.2003

    Beiträge: 76,900

    @Sebsemilla
    Schöne und zutreffende Bemerkungen zu Dylan. Den Film habe ich noch nicht gesehen und war mir bislang auch nicht sicher, ob ich es tun werde. Aber ich denke jetzt schon.

    --

    Highlights von Rolling-Stone.de
    Werbung
    #6504319  | PERMALINK

    sebsemilia

    Registriert seit: 09.07.2002

    Beiträge: 2,942

    wenn man dylans musik schätzt sollte man sich den film schon ansehen, nur eben nicht zu viel erwarten. am besten mit ein paar freunden anschauen und danach in die kneipe zum diskutieren gehen. irgenwie ist der film ja auch eher ein essay über dylan, die 60er und 70er jahr, amerika, kunst.

    eine weitere maske wäre für mich übrigends die produktoffensive der letzten jahre. was man nicht alles von/über dylan kaufen kann. und trotzdem wird immer weiter erzählt: dylan ist ein Geheimnis, verschlossen, etc.
    man könnte fast meinen, dylan ist bemüht seinen nachlass zu verwalten und will vorgeben wie er in erinnerung bleiben soll.

    --

    Look out kid You're gonna get hit
    #6504321  | PERMALINK

    mick67

    Registriert seit: 15.10.2003

    Beiträge: 76,900

    sebsemiliawenn man dylans musik schätzt sollte man sich den film schon ansehen, nur eben nicht zu viel erwarten. am besten mit ein paar freunden anschauen und danach in die kneipe zum diskutieren gehen. irgenwie ist der film ja auch eher ein essay über dylan, die 60er und 70er jahr, amerika, kunst.

    Ich habe leider keine Freunde, mit denen ich über Dylan reden könnte. Mit wem kann man das schon? Deshalb bin ich ja hier. ;-)

    sebsemiliaeine weitere maske wäre für mich übrigends die produktoffensive der letzten jahre. was man nicht alles von/über dylan kaufen kann. und trotzdem wird immer weiter erzählt: dylan ist ein Geheimnis, verschlossen, etc.
    man könnte fast meinen, dylan ist bemüht seinen nachlass zu verwalten und will vorgeben wie er in erinnerung bleiben soll.

    Das war mir bisher noch nicht so bewußt, aber Du hast Recht. Den Eindruck kann man bekommen.

    --

    #6504323  | PERMALINK

    ah-um

    Registriert seit: 24.02.2006

    Beiträge: 1,398

    Ich fand den Film nicht so schrecklich, wie nach Sonics Kritik befürchtet, aber auch keineswegs besonders gelungen.
    Die guten bis euphorischen Kritken in der Presse führe ich eher auf die Zuneigung für Dylan selbst zurück. Hinzu kommt, dass die Masken-Sache wohl den derzeit akzeptierten Stand der Dylanologie darstellt. Indem Haynes dies in den Mittelpunkt des Films stellt, rennt er bei den Kennern also offene Türen ein. So sehr, dass sich manche schon wieder genervt abwenden, während Dylan-Novizen sich in der Flut aus Zitaten und Anspielungen etwas verloren fühlen dürften. Tatsächlich ist zB der axtschwingende Pete Seeger keineswegs ein ausgelutschtes Motiv – ich bezweifle, dass es überhaupt schon einmal szenisch dargestellt wurde.
    Der Film ist keineswegs bierernst oder ironiefrei, aber er groovt auch nicht richtig. Einiges wirkt bemüht, plump, pseudo-gebildet, wichtigtuerisch – und trifft damit ironischerweise den Dylan von ca. „Desolation Row“ ziemlich gut. Nur hatte Dylan trotzdem den besseren Flow.

    --

    There is a crack in everything; that's how the light gets in. (Leonard Cohen)
    #6504325  | PERMALINK

    sebsemilia

    Registriert seit: 09.07.2002

    Beiträge: 2,942

    Ah Um
    Die guten bis euphorischen Kritken in der Presse führe ich eher auf die Zuneigung für Dylan selbst zurück. Hinzu kommt, dass die Masken-Sache wohl den derzeit akzeptierten Stand der Dylanologie darstellt. Indem Haynes dies in den Mittelpunkt des Films stellt, rennt er bei den Kennern also offene Türen ein.

    denke ich mir auch, der film fasst das zusammen, was man die letzten jahre überall lesen konnte. daher wären negative kritiken auch verwunderliche.

    @mick67
    stimmt schon, so viele leute, mit denen man sich über dylan unterhalten kann, kennt man ja leider nicht. dann eben film anschauen und eindrücke hier posten. bin gespannt was du davon hälst.

    --

    Look out kid You're gonna get hit
    #6504327  | PERMALINK

    b-b-grunt

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 782

    Ich komm gerade aus dem Film. Eine Spur zu clever und bemüht ist das ganze natürlich schon. Andererseits ist eine große Liebe zum Detail nicht zu übersehen. Zahlreiche Dialoge und die Ausstattung so mancher stummen Rolle sind mit Anspielungen auf Songtexte gespickt. Dazu kommt noch noch Charlotte Gainsbourg, die als Ehefrau Dylans ihren Partner tatsächlich an die Wand spielt. Gut eine Person gewinnt, wenn sie siebenmal eindimensional gespielt wird nicht an Tiefe, aber so schlecht ist der Film auch nicht. Und die Leistung von Cate Blanchette ist wirklich ok- ***1/2

    --

    If you dance, you might understand the words better. David Byrne
    #6504329  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 45,074

    Sonic Juice**
    Die überaus gütige Bewertung resultiert nur aus den drei Minuten unverhofftem Calexico-Auftritt (wirklich schönes Lied!) und der dunklen Ahnung, dass daraus mit einem anderen Regisseur, anderen Schauspielern, einem weitaus skrupelloseren Cutter („Sorry, Mr. Gere, but your scenes didn’t make it…“) – und notwendigerweise wohl auch einem anderen Sujet – ein recht passabler Film hätte werden können. Denn die Idee, einer zerrissene Biographie mit mehreren Schauspielern auf mehreren potentiellen Lebenswegen unchronologisch nachzugehen, muss nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt sein.

    Sonic hat im Prinzip Recht, der Film ist nicht besonders gelungen. Von den einzelnen Episoden sind manche wirklich überflüssig, z. B. die Richard Gere-Episode, die nur zäh vor sich hinschleppt, auch wenn die Idee des mythischen Ortes in middle america gar nicht schlecht ist. Auch die Episode mit Heath Ledger (Dylan als geschiedener Familienvater) ist naja.

    Gelungen fand ich hingegen die Woody Guthrie-Episode, die aus meiner Sicht deshalb mitreißend ist, weil der kleine schwarze Junge eine gute Verkörperung von Dylan und den Lügengeschichten verkörpert, die er nach seiner Ankunft in New York erzählt hat. Gelungen ist die Episode mit Cate Blanchett. Das Wunderbare an dieser Episode ist, dass es sich letztlich um eine Groteske handelt, die die Szenen aus Don’t Look Back umgestaltet (und nicht etwa nur nacherzählt) und mit absurden fiktiven Geschehnissen verbindet.

    Ja, die Axt-Nummer war albern dargestellt, aber die Maschinengewehre und die Reaktionen der Zuschauer waren amüsant. Dass die Schauspieler nur Playback betreiben hat mich nicht gestört und die Musik war natürlich wunderbar.

    Trotzdem leider ein insgesamt zu zerfahrenes Werk. Die Idee ist in der Tat besser als die Ausführung. Der Film fängt stark an, zieht sich aber gegen Ende sehr. 90 Minuten hätten auch gereicht.

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #6504331  | PERMALINK

    j-w
    Moderator
    maximum rhythm & blues

    Registriert seit: 09.07.2002

    Beiträge: 40,481

    Sehe es ähnlich wie nail, wir haben den Film auch gestern zusammen bei einem Mini-Forumstreffen mit aco-braco angeschaut. Was bei dem kleinen schwarzen Jungen „Woody“ sehr stimmig war, war die Mimik beim Erzählen in der Familie oder in dem Güterwagon. Genau diesen Gesichtsausdruck, dieses den Kopf beim Erzählen wegdrehen kennt man von den Filmaufnahmen des frühen Dylan. Richard Gere hat nicht per se genervt, nur dass halt Kris Kristofferson anstelle des Erzählers viel besser den Billy-Part übernommen hätte, so hätte es noch ein Peckinpah-Deja-vu gegeben. Den Ort Riddle hätte man noch geschickter in Szene setzen können und wie oben bereits gesagt: Die Familien(-Trennungs)szenen mit Heath Ledger blieben aussagefrei, auch das Einbauen der Rolling Thunder/Tarantula-Szenen und des Songs Pressing on aus der Gospelphase waren bar jeglichen Inhalts und Zusammenhangs. Wie interessant wäre es gewesen seine spirituelle Erleuchtung auf der 78er Tour in irgendeiner Weise zu thematisieren um dann in diese Phase einzusteigen – so einfach nur das Abhandeln von Stationen, die gedreht wurden und für die Schauspieler eingesetzt wurden ohne, dass ein roter Faden dahin geführt hat. Insgesamt aber trotzdem unterm Strich unterhaltsam, Höhepunkt für mich war die Ballad of a thin man-Montage, die war grandios!

    --

    Staring at a grey sky, try to paint it blue - Teenage Blue
    #6504333  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 45,074

    Natürlich setzt der Film an verschiedenen bekannten Stationen von Dylans Leben an, aber was mir wirklich gut gefallen hat, dass viele Ereignisse im Film einfach auf Lügen und Unwahrheiten basieren, was ihm einen gewissen durchgängigen Unterhaltungswert verleiht. Man könnte gerade die gelungenen Episoden mal im Detail analysieren, um herauszufinden, was woher stammt bzw. was erfunden wurde.

    Die Idee die verschiedenen möglichen Lebenswege Dylans nachzustellen (geschiedener Familienvater, Tod beim Motorradunfall, Pastor, Einsiedler) ist wirklich gut, nur die Ausführung…

    --

    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #6504335  | PERMALINK

    janpp

    Registriert seit: 28.08.2002

    Beiträge: 7,179

    Sonic Juice
    gänzlich spaß-, sex- und leidenschaftsbefreiten Rockmusik-Film

    In Ordnung, der Sex hat vielleicht wirklich ein bisschen gefehlt, aber irgendwie sehen wir doch alle Dylan als sexloses Wesen, oder? (ich hatte nach dem Film sogar erst noch behauptet, Dylan habe keine Kinder, bis mir Jacob einfiel).
    Meine Begleitung und ich waren uns jedenfalls einig, dass der Film einen zwar leicht ratlos entlässt, aber eine verschrobene, wundersame Grundstimmung schafft, die einen noch lange zum Nachdenken anregt. Die Photographie (die Kranfahrt, als Blanchett-Dylan Coco hinterhersteigt!) tut ihr übriges dazu, vor allem die Farbgebung, schön, wie hier das rostige Braun der Gere-Szenen mit den bunten 70sBildern der Ledger-Parts und natürlich den s/w-Bildern der 60s kombiniert wird.
    Natürlich haben einzelne Subplots Schwächen, irgendwie nervte dieser oberschlaue Marcus Carl Franklin und selbst die grandiose Cate Blanchett wirkte manchmal bloß wie eine Parodie, die altkluge Weisheiten von sich gibt
    Überhaupt konnte einem das ganze lässige Gepose mit Kippe im Mundwinkel den Film fast verleiden. Glücklicherweise ist da noch so jemand wie Charlotte Gainsbourg, die einen (im Gegensatz zu den meisten anderen Akteuren) nicht ständig daran erinnert, dass wir es hier mit Schauspielern zu tun haben.

    Jan WölferHöhepunkt für mich war die Ballad of a thin man-Montage, die war grandios!

    Aber hallo! Überhaupt finde ich Stephen Malkmus‘ Version, so nah sie auch am Original ist, wesentlich besser.

    Haynes verweigert sich aber dem narrativen Prinzip, und, viel schlimmer: die Szenen, die er aneinanderreiht (insbesondere die noch nicht so abgegriffenen und fiktiven), sind leider weitgehend pointenlos.

    Die Tatsache, dass es keinen roten Faden gibt, stört nicht, denn darum geht es ja gar nicht. Mir schien es, dass Haynes daran gelegen war, die vielen Möglichkeiten, Dylans Leben und seine Songs zu interpretieren, aufzuzeigen. Dass die selten Pointen haben und auch nicht alle Sinn ergeben, versteht sich von selbst, ein schlüssiges Gesamtbild auch nicht, aber immerhin ein Stück anregende Unterhaltung, „thought-provoking“. „Abgegriffen“ war für mich als Dylan-Laien nichts, außer vielleicht der „Judas“-Szene, die sich doch so gar nicht zugetragen hat, oder wie war das?

    --

    RAUSCHEN Akustische Irritationen aus Folk, Jazz & beyond. Jeden 2. und 4. Dienstag, 19 Uhr. Auf Tide 96.0. http://www.mixcloud.com/Rauschen/[/URL]
    #6504337  | PERMALINK

    jan_jan
    Chosen Undead

    Registriert seit: 10.07.2002

    Beiträge: 5,890

    JanPP“Abgegriffen“ war für mich als Dylan-Laien nichts, außer vielleicht der „Judas“-Szene, die sich doch so gar nicht zugetragen hat, oder wie war das?

    You’re a liar.

    --

    Arise now, ye Tarnished/Ye dead, who yet live/ The call of long-lost grace speaks to us all  
    #6504339  | PERMALINK

    janpp

    Registriert seit: 28.08.2002

    Beiträge: 7,179

    Jan_JanYou’re a liar.

    Lässig.
    Also kein Flaschenregen und massenhaftes Gebuhe.

    --

    RAUSCHEN Akustische Irritationen aus Folk, Jazz & beyond. Jeden 2. und 4. Dienstag, 19 Uhr. Auf Tide 96.0. http://www.mixcloud.com/Rauschen/[/URL]
    #6504341  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,983

    JanPP“Abgegriffen“ war für mich als Dylan-Laien nichts, außer vielleicht der „Judas“-Szene, die sich doch so gar nicht zugetragen hat, oder wie war das?

    Schau Dir doch mal bei nächster Gelegenheit „Don’t Look Back“ und „No Direction Home“ an; der Abgleich der Doku-Szenen mit „I’m Not There“ ist auf jeden Fall lohnend – ob man das Produkt von Haynes nun schätzt oder nicht. Und vielleicht kannst Du dann ja eher nachvollziehen, was ich mit „pointiert“ meine, die dokumnentarischen Szenen sind nämlich meines Erachtens durch Schnitt, Montage und Blick für den richtigen Augenblick weitaus pointierter und ästhetisch befriedigender als vieles bei Haynes, informativer ohnehin.

    --

    I like to move it, move it Ya like to (move it)
    #6504343  | PERMALINK

    sebsemilia

    Registriert seit: 09.07.2002

    Beiträge: 2,942

    natürlich geht nichts über „Don’t Look Back“, begeistert und verstört mich bei jemdem ansehen aufs neue.

    --

    Look out kid You're gonna get hit
    #6504345  | PERMALINK

    icculus66

    Registriert seit: 09.01.2007

    Beiträge: 2,378

    Kann es sein, dass wir (>>> ihr) den Anfang nicht richtig mitbekommen habt? Bevor der Kleine kommt, schlägt Billy (Richard Gere) die Augen auf. Danach geht es (was Billy betrifft) weiter in Riddle. Liegt wahrscheinlich an der Desolation Row? Oder? Endet wie es angefangen hat. Im Zug. Kann es sein, dass der gesamte Plot in Billys Kopf stattfindet?

    Oder nur in meinem?

    --

    Free Jazz doesn't seem to care about getting paid, it sounds like truth. (Henry Rollins, Jan. 2013)
Ansicht von 15 Beiträgen - 46 bis 60 (von insgesamt 64)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.