Geri Allen (1957-2017)

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  • #10214731  | PERMALINK

    vorgarten

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    Aus dem Piano-Jazz-Thread ausgelagert … der Tod von Geri Allen auch für uns hier ein Schock – und „severly ill“ scheint auf Amerikanisch eben zu heissen: liegt im Sterben (das wurde auf Org auch so gedeutet). Ich (gypsy tail wind) erlaube mir, dieses gerade von @vorgarten gepostete Zitat von Jason Moran als Motto vor diesen aus so traurigem Anlass entstandenen Thread zu stellen:

    vorgarten
    „So many of us were born from the rib of Geri Allen. Generous in every way, powerful in countless gestures, and master of the instrument.“ (jason moran)

    geri allens management hat gerade auf facebook bekannt gegeben, dass sie sehr schwer erkrankt ist :-(

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    #10214935  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    vorgartengeri allens management hat gerade auf facebook bekannt gegeben, dass sie sehr schwer erkrankt ist

    Dann nehme ich diese traurige Nachricht zum Anlass für ein Wiederhören:

    Bin mit Allen nur da und dort richtig warm geworden, aber das liegt bestimmt vor allem an mir. Diese Hommage an Mary Lou Williams finde ich aber sehr schön (allerdings merke ich gerade, wie lange ich sie nicht mehr angehört habe). Viele ihrer Alben kenne ich gar nicht, von denen, die Ethan Iverson hier abbildet z.B. gerade mal die Soul Note oben rechts … @vorgarten wäre wohl der beste Tippgeber, aber dafür ist hier gerade nicht die passende Zeit.
    https://ethaniverson.com/the-breakthrough-of-geri-allen/
    Der Text vom 12. Juni – Datum findet man nur auf der Homepage von Iverson (Runterscrollen oder Suchen) – macht mir jedenfalls gerade Lust darauf, mehr von Allen zu holen und zu hören.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #10214945  | PERMALINK

    vorgarten

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    ja, das ist ein wirklich schöner text. und er hat ja recht darin, dass die meisten jungen (schwarzen) pianisten eher ihre nachfolger sind als z.b. von kirkland oder roberts oder mehldau. ich weiß nicht genau, wie man „gravely ill“ übersetzen soll, aber die facebook-nachricht hatte wohl den zweck, dass die menschen an sie denken, für sie beten, daumen drücken usw. ihre alben hören ist auch ein weg.

    ich habe ja mit ihr quasi angefangen jazz zu hören, deshalb trifft mich das gerade sehr. die frühen m-base-sachen, vor allem – das sage ich ja immer wieder – das akustische album MOTHERLAND PULSE zeigen sie als völlig frische, originelle und ziemlich autoritäre pianistin, die keineswegs nur begleitet – eigentlich war sie genaus präsent wie coleman, wilson, (mit abstrichen) haynes.

    aber der allerbeste einstieg ist wohl ETUDES mit haden und motian, die springt einen in ihrer entschiedenheit und ihrem witz quasi an, sagt iverson ja auch und @soulpope ist ja, glaube ich, auch fan.

    ihre frühen eigenen sachen haben mich damals ziemlich abgeschreckt, deshalb habe auch ich große lücken, aber das solo-album ist toll, z.b. und die verbindung zu mary lou williams geht wohl wirklich tief, ich habe ihr das immer abgenommen.

    also daumen drücken usw., mehr geri allen hören, es lohnt sich bestimmt. ich muss jetzt zum arkestra.

    --

    #10215535  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

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    leider ist das befürchtete eingetreten. r.i.p. geri allen.
    http://www.npr.org/sections/therecord/2017/06/27/534409838/geri-allen-pianist-composer-and-educator-dies-at-60

    „she was a true mystery style pianist in the best sense of the word.“ (matthew shipp)

    --

    #10215543  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

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    vorgartenleider ist das befürchtete eingetreten. r.i.p. geri allen.
    http://www.npr.org/sections/therecord/2017/06/27/534409838/geri-allen-pianist-composer-and-educator-dies-at-60
    „she was a true mystery style pianist in the best sense of the word.“ (matthew shipp)

    Oh nein. Traurig.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals in den 90ern und eine Neuheit aus der Romandie - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #10215557  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    vorgartenleider ist das befürchtete eingetreten. r.i.p. geri allen. http://www.npr.org/sections/therecord/2017/06/27/534409838/geri-allen-pianist-composer-and-educator-dies-at-60 „she was a true mystery style pianist in the best sense of the word.“ (matthew shipp)

    Sehr traurig …. R.I.P ….

    --

      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #10215597  | PERMALINK

    vorgarten

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    vijay iyer (via fb):

    I am totally blindsided and devastated by the death of Geri Allen. She was one of my greatest musical heroes; I’ve been obsessed with and influenced directly by her music for 30 years, like many other pianists in my generation and younger (particularly Craig Taborn, Jason Moran, Ethan Iverson, Courtney Bryan, and I daresay Orrin Evans & Kris Davis).

    In the late 80s I was in awe of her originality. She brought a spare, elemental quality to her playing, conjuring elements of Ellington, Monk, Andrew Hill, and Herbie Nichols, and subsequently didn’t choose to channel the prevailing mainstream sound, which was more reminiscent of either Herbie Hancock or McCoy Tyner. (I totally copped as much of her sonic identity as I could.)

    Her improvisations in that period were full of space, thought, and listening, as well as a certain liberatory quality; her groove was deep, her contrapuntal independence often shocking; her lines and voicings were fresh and unique, and she could really throw down. Back then I loved the trio with Haden & Motian– and I still do — but what really got me were Ralph Peterson Jrs „Triangular“ & „Volition“ or her own „Twylight“ with Tani Tabbal & Jaribu Shahid or her first record, „The Printmakers,“ with Andrew Cyrille & Anthony Cox

    Best of all was her majestic early solo album, Home Grown– a complete classic. I remember when Jason Moranwanted to borrow my copy and I said I didn’t let out of my house. Finally I relented and loaned it to him for just one hour! He ran home, ripped it onto his drive, and brought it back to me.

    In the 90s some people heard her work as heading more mainstream, but i just heard it as a trajectory of continued study and focus; she never lost her old ways, as was abundantly clear in her revelatory late 90s stint with Ornette Coleman (see the two Sound Museum albums). She studied and assimilated the musical languages of Hank Jones, Mary Lou Williams, McCoy Tyner, Bud Powell, Cecil Taylor, Alice Coltrane, and so many more.

    In recent years Geri had taken a more direct role in my life, as a kind and generous colleague and caring friend. I was repeatedly touched to find that she had sought to include me on events, symposia, concerts, and conversations. We had a couple of chances to work together – once at the Stone in trio with Graham Haynes and another time in telematic multi-site performance with Jason. She would even drive me home every now and then from wherever we ran into each other, and she gave me her old red Rogers drum set, which I still have.

    Geri was a powerful innovator in modern music and a visionary pianist. She was also a scholar and historian of African American music, a community organizer, an institution builder, a feminist, a deeply committed and big-hearted educator, and a quietly determined leader. As a musician she was a conduit for spiritual truths and healing energies.

    This is a tremendous loss for all of us, and we will strive to uphold & honor her legacy.

    Much love to all.

    --

    #10215629  | PERMALINK

    vorgarten

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    mit solchen sachen kam sie damals aus der m-base-phase raus. rhythmische verkomplizierungen, aber darunter wird schon wieder herbie nichols spürbar, und der trance-aspekt wird immer ernstgenommen. die wendung ins manchmal arg breite, großgestige, aus denen die sperrigen läufe raus- und reinfließen (sehr deutliche inspiration für jason moran), ist auch schon da. aber sie löst es halt nicht auf, sondern türmt es immer weiter auf, bis es keinen platz mehr hat.

    --

    #10215637  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Danke fürs Teilen!

    Ich finde übrigens das Statement von Iverson über den Einfluss von Allen evident einleuchtend, und allein der Gedankengang hilft mir wohl schon, sie quasi umgekehrt herum besser zu verstehen! Denn viele der Leute, die er da nennt, habe ich in den letzten Jahren, als ich mich mit Allen überhaupt nicht mehr befasst habe.

    Die Kenny Kirkland-Ecke verstehe ich hingegen nicht bzw. kenne die betreffenden Leute nicht wirklich – Mehldau natürlich, aber der hat ja noch andere „Quellen“, weitere Einflüsse verarbeitet, die ihn aus dieser einen Linie wieder herausnehmen.

    Gebe gerade eine verspätete Bestellung auf – die aber von Iversons Text getriggert wurde, den ich natürlich erst gestern las …

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    #10215639  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy-tail-wind
    Ich finde übrigens das Statement von Iverson über den Einfluss von Allen evident einleuchtend, und allein der Gedankengang hilft mir wohl schon, sie quasi umgekehrt herum besser zu verstehen!

    geht mir genauso und ich habe darüber auch erst durch diesen text nachgedacht. sehr süß iyers geschichte über moran, dem er das erste soloalbum (das ich auch noch nie gesehen habe) nur für eine stunde zum rippen ausleiht…

    ich bin auch ein bisschen lost, was einen überblick angeht. sehr schön fand ich ja noch ihre zusammenarbeit mit andy bey, und mit betty carter sowieso (gab es ja auch mal im duo, in moers, wo eine klavierspielende freundin damals vor dem fernseher ausflippte: „wo ist denn da die eins?“). ich gehe mal iyers hinweis auf das trio-album mit shahid und tabbal nach und habe gerade die neueste aufnahme mit david murray und terri lyne carrington auf mp3 besorgt. meine empfehlung, wie gesagt, das zweite soloalbum, davon hatte ich ja auch mal ein stück auf einem bft, was sehr gut ankam:

    --

    #10215665  | PERMALINK

    vorgarten

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    ihr beitrag zu colemans debütalbum. man hört hier sehr schön, wie sie sich in eine tradition der sperrigen pianisten stellt (solo ab 1:45), es fließt über ecken und kannten und groovt gleichzeitig höllisch.

    und meine allererste liebesaffäre mit ihr war dieses dreckige, cheesige synth-solo (ab 3:05) hier:

    --

    #10215683  | PERMALINK

    vorgarten

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    sehr schönes album, aus relativer sicherheit heraus. hat schon biss (und tatsächlich „power“), aber beweisen müssen die sich ja alle nichts mehr. sehr schön, wie allens linke hand den bass ersetzt.

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    #10215745  | PERMALINK

    vorgarten

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    gerade beim schreiben ihres nachrufs gehört (ich konnte es nicht ertragen, dass so wenig in den deutschen medien erschien, da bin ich proaktiv geworden). ein wirklich tolles ding. da nimmt sich die frühe m-base-phase eher wie ein nebenkapitel aus, das hier klingt, als sein es gestern aufgenommen worden.

    --

    #10215755  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    SPON? Bitte dann um den Link!

    Gehört zu denen, die ich bestellt habe … das anscheinend so famose Solo-Album auf Minor Music scheint nicht aufzutreiben zu sein.

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    #10215757  | PERMALINK

    vorgarten

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    gypsy-tail-windSPON? Bitte dann um den Link!

    ich hoffe, innerhalb der nächsten stunde. bitte nicht viel erwarten, war mit superheißer nadel gestrickt und dabei ziemlich viel geklaut ;)

    p.s. ich würde morgen mal einen thread eröffnen, bevor ich hier alles zuspamme. ok?

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