David Bowie

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  • #675427  | PERMALINK

    gipetto
    Funk 'n' Punk

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    Friedrich[…] Es gibt doch auch eine Iggy Pop-Biografie: Kann man daraus was erfahren?

    Iggy Pop hat entsprechend der Biographie von Trynka spätestens nach Abschluss der Arbeiten an Lust For Life und während der zugehörigen Tour ein ernsteres Kokainproblem entwickelt, nachdem er zuvor seine Heroinsucht mit seiner Ansiedlung in Berlin endgültig besiegt hatte.

    Über Bowie wird diesbezüglich wenig geschrieben. Aber es kommt schon durch, dass er der ein oder anderen Nase nicht komplett abgeneigt war. So dicke, wie Pop und Bowie zu der Zeit waren, halte ich das auch für nicht ganz unwahrscheinlich…

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    "Really good music isn't just to be heard, you know. It's almost like a hallucination." (Iggy Pop)
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    #675429  | PERMALINK

    friedrich

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    GipettoEs geht nun doch noch weiter: Geordert sind Ziggy Stardust und Scary Monsters. Als Favoriten haben sich mittlerweile ganz klar Station To Station und Low herauskristallisiert.

    Gute Wahl!

    Station To Station und Low sind klasse. Ziggy gehört sowieso in jeden Haushalt.

    GipettoIggy Pop hat entsprechend der Biographie von Trynka spätestens nach Abschluss der Arbeiten an Lust For Life und während der zugehörigen Tour ein ernsteres Kokainproblem entwickelt, nachdem er zuvor seine Heroinsucht mit seiner Ansiedlung in Berlin endgültig besiegt hatte.

    Über Bowie wird diesbezüglich wenig geschrieben. Aber es kommt schon durch, dass er der ein oder anderen Nase nicht komplett abgeneigt war. So dicke, wie Pop und Bowie zu der Zeit waren, halte ich das auch für nicht ganz unwahrscheinlich…

    Bowie und Iggy: Ein duo infernale! Deren gemeinsamer Berliner Output wird von mir ja kultisch verehrt.

    Ich habe gestern mal ganz kurz Rüthers Helden durchgeblättert und glaube, dass er nicht besonders ausführlich auf Bowies Kokainproblem eingeht. Das Wort Kokain wird laut Register im Buch ganze 5 mal erwähnt. Rüther sieht Bowies Kokainsucht als Grund dafür, das Bowie nach Berlin ging. Um das Zeug loszuwerden, was ihm ja auch gelungen ist.

    Mir geht es dabei aber auch nicht um einen Elendsvoyeurismus. Mich interessiert vielmehr, welcher Zusammenhang bei Bowie zwischen Drogen und Kreativität bestand. Wie schafft es Bowie über mehrere Jahre als leuchtender Stern auf der Bühne und in der Öffentlichkeit zu stehen? Mit einem enormen Arbeitspensum, ständig in Bewegung, nirgendwo zuhause. Like A Rolling Stone, hätte ich fast gesagt. Jubelt man da jemanden zu, der dieses Bild nur durch Drogen aufrechterhalten kann und der sich selbst damit zerstört? Jubelt man da dem Effekt von Drogen zu?

    Bei Iggy war es wohl in den frühen 70ern noch schlimmer. Wenn man Videos von dem auf der Bühne sieht: Dass der vorher so manches eingenommen hat, ist offensichtlich. Auf Lust For Life gibt es ja fast offene Bezüge zu Drogen: „I saw my baby / she was turning blue / I knew that soon her young life was through“ und dann geht es auf Tonight auf den letzten Trip. Das haben die Hörer der späteren Version von Bowie wohl überhört …

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    „Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)
    #675431  | PERMALINK

    stormy-monday
    White Freak Flag

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    Beiträge: 21,495

    Die Fragen, die Du im vorletzten Abschnitt aufwirfst, könnte man auch anderen Künstlern stellen. Richards, Eagles, Crosby, Houston, um nur ein paar zu nennen. Lässt sich vermutlich nicht befriedigend beantworten.

    --

    Well, he puts his cigar out in your face just for kicks                                        Contre la guerre    
    #675433  | PERMALINK

    friedrich

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    Beiträge: 5,160

    Stormy MondayDie Fragen, die Du im vorletzten Abschnitt aufwirfst, könnte man auch anderen Künstlern stellen. Richards, Eagles, Crosby, Houston, um nur ein paar zu nennen. Lässt sich vermutlich nicht befriedigend beantworten.

    Ja, das stimmt wohl. Vermutlich lässt sich die Frage mit „ja“ beantworten. Barrett, Hendrix, Morrison, Joplin, Sly Stone, Miles, Elvis, Ferry, Cobain … Popmusik ist eine Veranstaltung von Drogenabhängigen.

    Catch-22Da kann ich nur mutmaßen, aber ein Mann mit seinen finanziellen Mittel und sonstigen Möglichkeiten, Verbindungen wird sich wahrscheinlich Hilfe geholt haben. Abstinent vom Kokain bedeutet ja auch nicht gleich clean zu sein, der Umstieg auf Alkohol und Medikamente (z.B. Captagon) liegt da meiner Meinung nach näher. „Ashes to Ashes“ war dann sein trauriger Abgesang, der Abschied fiel im hörbar schwer, wobei auch der Schrecken mitklingt: But the little green wheels are following me. Oh no, not again …

    Das ist gut formuliert. Ich hatte nie besonders auf den Text von Ashes To Ashes geachtet. Vielleicht kann man Scary Monsters tatsächlich als Abgesang hören. Einem Freund gegenüber meinte ich halb scherzhaft: „Nachdem Bowie die Drogen abgesetzt hatte, hat er nicht mehr so gute Musik gemacht.“ … Bitter!

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    „Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)
    #675435  | PERMALINK

    Anonym
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    FriedrichEinem Freund gegenüber meinte ich halb scherzhaft: „Nachdem Bowie die Drogen abgesetzt hatte, hat er nicht mehr so gute Musik gemacht.“ … Bitter!

    dies zu hinterfragen spricht für dich, du darfst Let’s Dance trotzdem mies finden.:-)

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    #675437  | PERMALINK

    friedrich

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    Catch-22dies zu hinterfragen spricht für dich, du darfst Let’s Dance trotzdem mies finden.:-)

    Das habe ich hier ja auch schon bis zum Überdruss behauptet. Bowie bis 1980 ist berauschend, Bowie nach 1980 ist ernüchternd.

    Popstars nehmen Drogen, wir kaufen ihre Platten. Das ist für uns auch billiger und gesünder.

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    „Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)
    #675439  | PERMALINK

    stormy-monday
    White Freak Flag

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    Beiträge: 21,495

    Risikoärmer. Wobei, ein Spliff zu Grateful Dead oder etwas Qualitätssäure zu Pink Floyd in meinen frühen Tagen hat ganz neue Erkenntnisse gebracht, von einem erweiterten Hörerlebnis ganz zu schweigen. ;-)

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    Well, he puts his cigar out in your face just for kicks                                        Contre la guerre    
    #675441  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

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    Stormy MondayRisikoärmer. Wobei, ein Spliff zu Grateful Dead oder etwas Qualitätssäure zu Pink Floyd in meinen frühen Tagen hat ganz neue Erkenntnisse gebracht, von einem erweiterten Hörerlebnis ganz zu schweigen. ;-)

    Haha! Schön gesagt!

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    „Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)
    #675443  | PERMALINK

    Anonym
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    Nur vom Unmöglichen her können wir unsere Möglichkeiten verstehen

    sagte ein bekannter Denker.

    Nur, wie wie verändert man die eigene Perspektive, läßt Prägung, Erziehung, Konventionen hinter sich?
    zB: Rip it up and start again
    Bowie hat sich der cut-up technique bedient, die den herkömmlichen Sinn und Kontext aufhebt, und er war extremer Konsument von harten Drogen, hat so die eigenen Grenzen verschoben und erweitert, evt. Ängste und Unsicherheiten betäubt.

    Die andere Seite ist das Leid, der Versuch von Selbstmedikation, was aber damit endet, dass Leid mit Leid bekämpft wird. Hoher Leidensdruck kann zum Start und Ende einer Drogenkarriere führen.

    --

    #675445  | PERMALINK

    friedrich

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    Catch-22

    Nur vom Unmöglichen her können wir unsere Möglichkeiten verstehen

    sagte ein bekannter Denker.

    Nur, wie wie verändert man die eigene Perspektive, läßt Prägung, Erziehung, Konventionen hinter sich?
    zB: Rip it up and start again
    Bowie hat sich der cut-up technique bedient, die den herkömmlichen Sinn und Kontext aufhebt, und er war extremer Konsument von harten Drogen, hat so die eigenen Grenzen verschoben und erweitert, evt. Ängste und Unsicherheiten betäubt.

    Die andere Seite ist das Leid, der Versuch von Selbstmedikation, was aber damit endet, dass Leid mit Leid bekämpft wird. Hoher Leidensdruck kann zum Start und Ende einer Drogenkarriere führen.

    Super gesagt!

    Die Person David Bowie und sein Werk – insbesondere die Wendungen und Brüche darin – mit diesem Wissen zu betrachten, lässt ihn und es dann aber auch in ganz anderem Licht erscheinen.

    Wer ist der bekannte Denker?

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    „Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)
    #675447  | PERMALINK

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    Friedrich

    Wer ist der bekannte Denker?

    Adorno

    in einer Doku, ich glaube Cracked Actor, spricht Bowie über seine Sicht der Dinge: werde der du bist, oder der du sein möchtest. Er nennt dazu auch einen Namen, einen Mann der ihn dahingehend inspiriert hat, aber den erinnere ich nicht mehr.

    --

    #675449  | PERMALINK

    Anonym
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    Burroughs sagte sinngemäß: Heroin ist ein Schmerzmittel für die Seele, und Dutton Peabody: No courage left. Well, courage can be purchased at yon tavern.

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    #675451  | PERMALINK

    friedrich

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    Catch-22Burroughs sagte sinngemäß: Heroin ist ein Schmerzmittel für die Seele, und Dutton Peabody: No courage left. Well, courage can be purchased at yon tavern.

    Gut, das ist keine große Neuigkeit, aber das …

    Catch-22
    in einer Doku, ich glaube Cracked Actor, spricht Bowie über seine Sicht der Dinge: werde der du bist, oder der du sein möchtest.(…)

    … ist schon interessanter. Man kann dann Bowies Leben und Werk der – grob abgegrenzt – 70er Jahre als eine durch Drogen angetriebene Versuchsanordnung, der eigenen Identität zu entkommen und wechselnde andere, teils erfundene Identitäten anzunehmen, begreifen. Wir sehen und hören Rauschzustände und Parallelwelten, die aber zusammenbrechen, sobald ihnen der Treibstoff entzogen wird.

    --

    „Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)
    #675453  | PERMALINK

    Anonym
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    FriedrichWir sehen und hören Rauschzustände und Parallelwelten, die aber zusammenbrechen, sobald ihnen der Treibstoff entzogen wird.

    unter solch einem Konsum leidet früher oder später auch die Kreativität , dazu Raubbau am Körper, extreme Belastung für die Psyche. Ich denke, der Mann mußte sich entscheiden. Da er auch nach Scary Monsters kreativ war, sehe ich künstlerisch keinen Zusammenbruch.

    1981 wurde Straight edge publik, damit lag er eigentlich wieder im Trend, aber das ist nun arg konstruiert.;-)

    --

    #675455  | PERMALINK

    sonic-juice
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    In Berlin haben Bowie und Iggy die Bembel wohl auch noch ganz ordentlich kreisen lassen.

    “Iggy once confided to Rolling Stone that in a typical week, he and David spent two days intoxicated, two days recovering and three days sober.“

    Man sollte bei der qualitativen Einordnung von Bowies Ouevre aber auch einkalkulieren, dass er zu „Let’s Dance“-Zeiten immerhin schon 36 Jahre alt war – ein Alter, in dem die meisten Popstars ihr kreatives Momentum schon lange verloren haben, ob mit oder ohne Drogen. Dass ihm da bis Mitte der 80er noch eine Handvoll großartiger, zeitgemäßer (wenn nicht sogar Mainstream-prägender) Singles gelungen sind, ist schon irre genug.

    --

    I like to move it, move it Ya like to (move it)
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