Re: David Bowie

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friedrich

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GipettoEs geht nun doch noch weiter: Geordert sind Ziggy Stardust und Scary Monsters. Als Favoriten haben sich mittlerweile ganz klar Station To Station und Low herauskristallisiert.

Gute Wahl!

Station To Station und Low sind klasse. Ziggy gehört sowieso in jeden Haushalt.

GipettoIggy Pop hat entsprechend der Biographie von Trynka spätestens nach Abschluss der Arbeiten an Lust For Life und während der zugehörigen Tour ein ernsteres Kokainproblem entwickelt, nachdem er zuvor seine Heroinsucht mit seiner Ansiedlung in Berlin endgültig besiegt hatte.

Über Bowie wird diesbezüglich wenig geschrieben. Aber es kommt schon durch, dass er der ein oder anderen Nase nicht komplett abgeneigt war. So dicke, wie Pop und Bowie zu der Zeit waren, halte ich das auch für nicht ganz unwahrscheinlich…

Bowie und Iggy: Ein duo infernale! Deren gemeinsamer Berliner Output wird von mir ja kultisch verehrt.

Ich habe gestern mal ganz kurz Rüthers Helden durchgeblättert und glaube, dass er nicht besonders ausführlich auf Bowies Kokainproblem eingeht. Das Wort Kokain wird laut Register im Buch ganze 5 mal erwähnt. Rüther sieht Bowies Kokainsucht als Grund dafür, das Bowie nach Berlin ging. Um das Zeug loszuwerden, was ihm ja auch gelungen ist.

Mir geht es dabei aber auch nicht um einen Elendsvoyeurismus. Mich interessiert vielmehr, welcher Zusammenhang bei Bowie zwischen Drogen und Kreativität bestand. Wie schafft es Bowie über mehrere Jahre als leuchtender Stern auf der Bühne und in der Öffentlichkeit zu stehen? Mit einem enormen Arbeitspensum, ständig in Bewegung, nirgendwo zuhause. Like A Rolling Stone, hätte ich fast gesagt. Jubelt man da jemanden zu, der dieses Bild nur durch Drogen aufrechterhalten kann und der sich selbst damit zerstört? Jubelt man da dem Effekt von Drogen zu?

Bei Iggy war es wohl in den frühen 70ern noch schlimmer. Wenn man Videos von dem auf der Bühne sieht: Dass der vorher so manches eingenommen hat, ist offensichtlich. Auf Lust For Life gibt es ja fast offene Bezüge zu Drogen: „I saw my baby / she was turning blue / I knew that soon her young life was through“ und dann geht es auf Tonight auf den letzten Trip. Das haben die Hörer der späteren Version von Bowie wohl überhört …

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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)