Das Piano-Trio im Jazz

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  • #12598355  | PERMALINK

    atom
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    Ich bleibe bei Marc Copland und komme zu seiner schönsten Einspieleung im Trio, allerdings nicht unter seinem Namen:

    GARY PEACOCK TRIO – Now This (ECM, 2015)
    Mit Now This beweist Gary Peacock eindrücklich, dass er mit fast 80 Jahren aus dem Schatten des Jarrett Trios herausgetreten ist – ohne dieses verleugnen zu müssen. An der Seite von Marc Copland und Joey Baron spielt er lyrisch, klar konturiert und mit einer Selbstverständlichkeit, die nichts mehr beweisen muss. Die langjährige Vertrautheit zwischen Peacock und Copland ist in jedem Ton hörbar. Coplands transparentes, impressionistisch gefärbtes Klavierspiel und Peacocks melodischer Basston ergänzen sich, als wären die harmonischen Räume längst ausgelotet. Baron agiert mit feinem Gespür für Dynamik und lässt dem Trio genau den Raum, den es braucht. Das Zusammenspiel wirkt nie angestrengt, eher organisch gewachsen. Now This verzichtet bewusst auf Effekte oder dramatische Zuspitzungen. Die Stärke liegt in der Reduktion.

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    #12598523  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    Paul Bley Trio „Compassion“ (SteepleChase) 1998 …. die ungewisse Frage nach dem morgen beantwortet der Pianist mit Jay Anderson (b) + Jeff Hirshfield (dr) in klärender Sicht auf gestern …. äusserst hörenswerter Track einer interessanten Piano Trio Produktion inklusive einiger Schwankungsbreite (gemessen an den ziemlich bemerkenswerten Möglichkeiten der beteiligten Musiker) ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12598563  | PERMALINK

    atom
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    ANAT FORT TRIO – And If (ECM, 2010)
    Das zweite ECM-Album der israelischen Pianistin Anat Fort – und deutlich stärker als der Vorgänger A Long Story. Hier spielt sie mit ihrer regulären Triobesetzung Gary Wang (Bass) und Roland Schneider (Drums), ohne die prominenten Gäste vom Debüt, und findet dadurch zu einer persönlicheren Ausdrucksweise.
    Forts Kompositionen bewegen sich zwischen Modern Jazz, zeitgenössischer Klassik und Satie’schem Minimalismus – impressionistisch, lyrisch, nie verschwommen. Wang und Schneider begleiten zurückhaltend, ohne passiv zu werden. Das Album erschließt sich nicht sofort, braucht Zeit und Aufmerksamkeit, entfaltet aber mit jedem Durchgang neue Facetten.
    Ein später Nachzügler danke der Umfrage.

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    #12598567  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Oh, das brauch ich wohl auch noch, kenne bisher nur „A Long Story“.

    Von Marc Copland kenne ich auch noch viel zu wenig – und live hörte ich ihn neulich solo (2024?), davor mal mit Trio und Ralph Alessi und vor fast 30 Jahren zum ersten Mal im Duo mit John Abercrombie. Im Trio also leider auch noch nie…

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12598617  | PERMALINK

    atom
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    AARON PARKS/BEN STREET/BILLY HART – Find the Way (ECM, 2017)
    Aaron Parks‘ zweites ECM-Album nach seinem Solo-Debüt Arborescence (2013) – diesmal im Trio mit Ben Street (Bass) und Billy Hart (Drums). Parks spielt melodisch und weiträumig, mit hellem, singendem Ton. Seine neun Eigenkompositionen arbeiten mit unterschiedlichen Taktarten und offenen Formen, die Raum für Improvisation lassen. Street zieht melodische Basslinien, die oft gegen Parks‘ Fluss arbeiten statt ihn zu stützen. Hart setzt seine Akzente an unerwarteten Stellen und lenkt die Energie immer wieder in neue Richtungen. Das Zusammenspiel klingt kammermusikalisch, die Stimmung ist cinematisch, der Puls schwebt eher als dass er treibt.
    Die Lyrik ist präsent, aber nicht kitschig – Parks nutzt sie als strukturierendes Element, nicht als Selbstzweck. Ein Trio, das amerikanische Romantik mit europäischer Klarheit verbindet. Das Trio spielt seit 2012 zusammen und ist bis heute aktiv. 2025 erschien mit By All Means (Blue Note) ein Album, diesmal als Quartett mit Tenorsaxophonist Ben Solomon erweitert.

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    #12598635  | PERMALINK

    lotterlotta
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    atom ANAT FORT TRIO – And If (ECM, 2010) Das zweite ECM-Album der israelischen Pianistin Anat Fort – und deutlich stärker als der Vorgänger A Long Story. Hier spielt sie mit ihrer regulären Triobesetzung Gary Wang (Bass) und Roland Schneider (Drums), ohne die prominenten Gäste vom Debüt, und findet dadurch zu einer persönlicheren Ausdrucksweise. Forts Kompositionen bewegen sich zwischen Modern Jazz, zeitgenössischer Klassik und Satie’schem Minimalismus – impressionistisch, lyrisch, nie verschwommen. Wang und Schneider begleiten zurückhaltend, ohne passiv zu werden. Das Album erschließt sich nicht sofort, braucht Zeit und Aufmerksamkeit, entfaltet aber mit jedem Durchgang neue Facetten. Ein später Nachzügler danke der Umfrage.

    ….ein sehr schönes album, mir von daher unverständlich, dass es für sie bei ecm nicht weiter ging….bei mir in der großen masse der ****1/2, kratzt an den top 100, die ich wohl nie erstellen werde…. ;-) im rahmen der umfrage leicht zugewonnen, es gab von ihrem trio noch ein album mit gianluigi trovesi, „birdwatching“ aus 2016….

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #12598833  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    Lynne Arriale „Think Of One“ (TCB Records) 2000 …. eine ziemlich erhörenswerte Pianistin mit „scharfsinnigem“ Blick auf das Thelonious Monk Songbook …. hier mit Jay Anderson (b) und Steve Davis (dr) @ Montreux Jazzfestival am 4ten Juli 1999 ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12599089  | PERMALINK

    soulpope
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    Marc Copland Trio „Vignette“/“Albert“ (Pirouet) 2007 …. beispielgebend für ein Piano Trio, bei welchem der Pianist zu starke Partner gewählt hat …. die beiden „wonderboys“  Gary Peacock (b) und Paul Motian (dr) dominieren (ungewollt) das Geschehen nach Belieben, Marc Copland ist de facto Begleiter …. ergo verbleibt partiell interessante Musik …. die Qual(ität) der Wahl aka ein vergebener Elfmeter ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12599259  | PERMALINK

    lotterlotta
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    hier hat der pianist in 1980 mit seinen begleitern nichts falsch gemacht, friesen hab ich nur randständig in der sammlung, 1x im duo mit waldron und dann noch mal mit leszek mozdzer in einem download. von ihm gibt es ja in den 9oern so einiges mit alle möglichen leuten, z.b. mit zeitlin, terry, glen moore ……halt nur nicht so viel auf vinyl….bei drew war im trio nur bedingt konstanz, auf steeplechase war dann allerdings henning orsted pedersen zumindest am bass eine feste größe, von daher bin ich hier mit friesen schon ein wenig verwundert…aber gut, dass ist eine sehr erfrischende aufnahme, wenn man sie mit drew in den 50ern und 60ern vergleicht…das anfixen im thread fiel bei mir mal wieder auf fruchtbaren boden….

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #12599291  | PERMALINK

    atom
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    MARC COPLAND TRIO – Haunted Heart & Other Ballads (hatOLOGY, 2001)
    Das stärkste Album des Trios mit Drew Gress (Bass) und Jochen Rückert (Drums), aufgenommen im April 2001 in New York. Copland konzentriert sich ausschließlich auf Balladen. Drei Versionen bzw. Metamorphosen von My Favorite Things rahmen das Album ein, dazwischen Coltranes Crescent, Greensleeves und weitere Standards. Copland zieht die Tempi extrem langsam und arbeitet mit impressionistischer Harmonik. Gress und Rückert reagieren präzise auf jeden Wechsel, ohne sich vorzudrängen. Copland schreibt in den Linernotes, dass Balladen schwieriger zu spielen sind als schnelle Stücke – langsam offenbart alles. Haunted Heart ist der Beweis und hat sehr gute Chancen noch in meine Top Faves zu rutschen.

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    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #12599439  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    https://youtu.be/7ZY-1Zhf_P4?si=A8CReI3N-EtH_kna

    Shelly Manne Trio (with Lee Konitz) „Softly as a Morning Sunrise“/“Body and Soul“ (Galaxy Records) 1979 …. ggstdl. der Mitschnitt eines Konzertes vom 11ten November 1977 @ Saint Quentin en Yvelines, dessen beide Intro Tracks vom feinen Trio Mike Wofford (p) + Chuck Domanico (b) + Shelly Manne (dr) bestritten wurden …. diese befinden sich auf der Galaxy LP „French Concert“…. die kompletten Tracks mit Lee Konitz sind nur via oben eingestelltem Link erhörbar …. es gilt : „West Coast is Best Coast“ ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12599497  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Hank Jones / Dave Holland / Billy Higgins – The Oracle | Ein All-Star-Trio, aufgenommen in New York im März und April 1989 (Skyline Studio, James Farber). Meine CD kommt zwar aus Frankreich, aber Liner Notes sind nur japanische dabei, Line-Up und Trackliste sind zweisprachig, die Produktions-Credits nur Englisch und dort ist auch zu lesen, dass das Trio erstmals 1988 im Rahmen der Philip Morris Superband Tour zusammengespielt habe. Es hat etwas gedauert, aber die paar Durchgänge die letzten Tage bringen wohl gerade einen kleinen Durchbruch: das Album wächst mit jedem Hörgang. Das ist ziemlich stille Musik, Jones spielt fast so wenig wie sein Kollege John Lewis, Dave Holland kriegt zwar viel Raum für seinen wunderbar aufgenommenen Bass und seine federnden Linien, aber auch er forciert nichts. Und das tut Billy Higgins erst recht nicht, der seine Meisterschaft an den Besen unter Beweis stellt. Vielleicht hat es gerade deshalb länger gedauert – aber in der scheinbaren Zurückhaltung liegt gerade der Zauber der Albums, das eben doch ein ständig aktiv interagierendes Trio präsentiert. Es gibt ein paar Standards („Beautiful Love“, „Yesterdays“), ein paar Originals („Interface“ von Jones, das Titelstück, „Blues for CM“ – Mingus nehme ich an – und der CD-Bonustrack von Holland), dazu je ein Stück von Strayhorn („Blood Count“, ein Highlight), Ray Drummond (der Walzer „Maya’s Dance“) und Jimmy Heath (der Closer „Trane Connections“).

    Scheint ursprünglich ein Philip Morris Promo-Ding gewesen zu sein, mit dem Titel „Interface“, anderem Cover (minus „Jacob’s Ladder“ von Holland, fehlt auch auf der frz. LP, aus Platzgründen halt) und hübsch als Box (Cover nicht von David Stone Martin sondern von einem Colin Williams, wohl Brite, jedenfalls ist diese erste Ausgabe – die es auch auf CD gab, aber ohne den zusätzlichen Track – in England erschienen):

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12599601  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Frank Strazzeri Trio – Little Giant | Noch im selben Jahr, Ende November 1989, war Strazzeri wieder im Studio in Barcelona. Nachdem er bei je einem Album von Charlie Mariano und Sal Nistico mitgewirkt hatte, verbrachte er mit seiner Frau den letzten Tag vor dem Rückflug im Hotel, als Pujol anrief und meinte, er habe für den Abend nochmal ein Studio gebucht und – erneut – Horacio Fumero und Peer Wyboris angefragt. Strazzeri überlegte mit seiner Frau ein paar Stücke, dann ab ins Studio (der Flug ging am nächsten Morgen um 8) und ohne Proben oder viele Absprachen ein Album eingespielt, das praktisch nur aus first takes besteht. Das schöne am Jazz ist ja auch, dass sowas besser werden kann als ein konzipiertes, geprobtes, von langer Hand vorbereitetes Album. Und klar, das schreibe ich, weil diese zweite Runde deutlich besser als „I Remember You“ vom Januar (ob dort aber ausser dem Cover und der Grundidee was geplant war, weiss ich auch nicht). Fumero ist auf der neuen Session super, es gibt ein paar Stücke, in denen er einen fixen Part spielt bzw. zwischen einem Riff und Walking-Linien wechselt – etwa in Ellingtons „I’m Gonna Go Fishin'“ an zweiter Stelle und gleich drauf wieder in „Grooveyard“ von Carl Perkins. Diese Arrangement-Touches, die auch die Drums betreffen (und vermutlich halt jeweils direkt vor der Aufname der Stücke abesprochen wurden, ganz ohne geht sowas ja schon nicht), führen dazu, dass das Trio oft sehr tight klingt und zu einer echte Einheit wird. Dass Gigi Gryces „Minority“ den Einstieg macht, ist auch toll – also schon in den ersten Minuten super Repertoire. Die Bebop-Nummer „Conception“ von Shearing, Brubecks „In You Own Sweet Way“, „Una mas“ von Dorham, der alte Klassiker „There Is No Greater Love“ und der Closer „U.M.M.G.“ von Strayhorn sind allesamt bekannter, dazwischen gibt es aber auch noch „Don’cha Go ‚Way Mad“ (Mundy-Stillman), „She Was Too Good to Me“ (Rodgers-Hart) und „I Don’t Want to Cry Anymore“ (Schertzinger – hat Billie Holiday eingespielt, aber so richtig bekannt ist der Song nicht, oder? „[S]He was Too Good to Me“ schaffte immerhin z.B. bei Thad Jones den Wechsel in den instrumentalen Jazz). Das einzige, was weniger rund ist, ist dass Wyboris im Mix zu weit hinten platziert ist (Treble hochdrehen nützt etwas, man kriegt dann wenigstens etwas mehr von den Becken mit). Was den dreien auch immer wieder gelingt, ist Funk völlig ohne Klischees – nur aus Gesten, der Phrasierung oder ein paar gut platzierten Basstönen heraus – Strazzeri schrammt da und dort am Vokabular von Wynton Kelly vorbei (was ich bei „I Remember You“ nicht hörte), aber das bleibt fast völlig klischeefrei und umso effektiver. Fein!

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    #12599613  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-wind Frank Strazzeri Trio – Little Giant | Noch im selben Jahr, Ende November 1989, war Strazzeri wieder im Studio in Barcelona. Nachdem er bei je einem Album von Charlie Mariano und Sal Nistico mitgewirkt hatte, verbrachte er mit seiner Frau den letzten Tag vor dem Rückflug im Hotel, als Pujol anrief und meinte, er habe für den Abend nochmal ein Studio gebucht und – erneut – Horacio Fumero und Peer Wyboris angefragt … Das schöne am Jazz ist ja auch, dass sowas besser werden kann als ein konzipiertes, geprobtes, von langer Hand vorbereitetes Album …. Fumero ist auf der neuen Session super …. Was den dreien auch immer wieder gelingt, ist Funk völlig ohne Klischees – nur aus Gesten, der Phrasierung oder ein paar gut platzierten Basstönen heraus ….

    Zustimmung …. wie bereits gesagt, Horacio Fumero und Peer Wyboris konnten schon auch ganz anders grooven …. nämlich so wie hier ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12599629  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Paul Bley Trio – Bebop | Ich schliesse damit nochmal rasch die Achtziger ab, bevor ich mit ein paar Neueingängen der letzten Tage nochmal in die Siebziger zurückkehre. Bei der Session am 22. Dezember 1989 spielt Bob Cranshaw ausnahmsweise wieder mal Kontrabass, Keith Copeland ist der Drummer. Die CD dauert etwas über eine Stunde – auf der LP fehlten „Don’t Blake Me“ und „The Theme“ (auf der CD sind die Infos falsch, das kurze Titelstück „Bebop“ ist natürlich auf der LP, obwohl es statt „Don’t Blame Me“ als „not issued on LP“ vermerkt ist). Das ist quasi back to the roots, aber im Klanggewand – in üblem Klanggewand irgendwo zwischen extrem flacher digitaler Produktion (die Drums klingen manchmal fast wie eine Drum-Machine und sonst wie ein eine etwas dumpfes, unpassend gestimmtes Rock-Kit, der Bass so flach, dass der Kontrabass keinen so grossen Unterschied macht) und Siebziger-Nachwehen. Bley spielt das Bebop-Kernrepertoire, zusätzlich zu den schon genannten Stücken kommen „Now’s the Time“, „My Little Suede Shoes“, „Ornithology“, „A Night in Tunisia“, „Ladybird“, „Steeplechase“, „Barbados“, „52nd Street Theme“ sowie eine wunderschöne Version von „Tenderly“ mit langem Solo-Intro von Bley. Bley betrachtet das alles allerdings aus seiner eigenen Warte, reduziert, mit viel Luft und Raum, seine Improvisationen sind oft eher Aneinanderreihung von Kürzeln, die aber eher wie Haikus als wie Telegramme wirken, ein überaus poetischer Touch schwebt über all dem. Copeland weiss damit mehr anzufangen als Cranshaw, der nicht sehr inspiriert wirkt – um dann in „The Theme“ plötzlich ein tolles Solo rauszuhauen. Unterm Strich ist mir das etwas zu aufgeräumt, aber es gibt in jedem Stück schöne Momente – vor allem von Bley, der die Vorlagen oft ein klein wenig abwandelt und sich so auf sehr unaufgeregte Art aneignet. Trotz des Sounds und des Bassisten unterm Strich ein feines Album.

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