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Paul Bley Trio – Bebop | Ich schliesse damit nochmal rasch die Achtziger ab, bevor ich mit ein paar Neueingängen der letzten Tage nochmal in die Siebziger zurückkehre. Bei der Session am 22. Dezember 1989 spielt Bob Cranshaw ausnahmsweise wieder mal Kontrabass, Keith Copeland ist der Drummer. Die CD dauert etwas über eine Stunde – auf der LP fehlten „Don’t Blake Me“ und „The Theme“ (auf der CD sind die Infos falsch, das kurze Titelstück „Bebop“ ist natürlich auf der LP, obwohl es statt „Don’t Blame Me“ als „not issued on LP“ vermerkt ist). Das ist quasi back to the roots, aber im Klanggewand – in üblem Klanggewand irgendwo zwischen extrem flacher digitaler Produktion (die Drums klingen manchmal fast wie eine Drum-Machine und sonst wie ein eine etwas dumpfes, unpassend gestimmtes Rock-Kit, der Bass so flach, dass der Kontrabass keinen so grossen Unterschied macht) und Siebziger-Nachwehen. Bley spielt das Bebop-Kernrepertoire, zusätzlich zu den schon genannten Stücken kommen „Now’s the Time“, „My Little Suede Shoes“, „Ornithology“, „A Night in Tunisia“, „Ladybird“, „Steeplechase“, „Barbados“, „52nd Street Theme“ sowie eine wunderschöne Version von „Tenderly“ mit langem Solo-Intro von Bley. Bley betrachtet das alles allerdings aus seiner eigenen Warte, reduziert, mit viel Luft und Raum, seine Improvisationen sind oft eher Aneinanderreihung von Kürzeln, die aber eher wie Haikus als wie Telegramme wirken, ein überaus poetischer Touch schwebt über all dem. Copeland weiss damit mehr anzufangen als Cranshaw, der nicht sehr inspiriert wirkt – um dann in „The Theme“ plötzlich ein tolles Solo rauszuhauen. Unterm Strich ist mir das etwas zu aufgeräumt, aber es gibt in jedem Stück schöne Momente – vor allem von Bley, der die Vorlagen oft ein klein wenig abwandelt und sich so auf sehr unaufgeregte Art aneignet. Trotz des Sounds und des Bassisten unterm Strich ein feines Album.
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