BAP – Zwesche Salzjebäck un Bier (1984)

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  • #4024595  | PERMALINK

    minos

    Registriert seit: 02.06.2008

    Beiträge: 10,526

    j.w.Geht mir ganz anders. Auf „kritisch“ (for whatever that means) gebe ich überhaupt nichts, entweder ist ein Text gut (gleich in welcher Absicht verfasst) oder halt nicht (…)

    Naja – kritisch und gut müssen sich nicht unbedingt ausschließen :-) Wobei ich die (literarische) Güte von Texten zu beurteilen mich meist nicht wage. „Sendeschluss“ ist nach meinem Verständnis auch ein (Gesellschafts-)kritischer Text und ich finde ihn – als Laie – auch gelungen. Kritische Texte sind für mich nicht grade Frontalangriffe auf Regierung, Wirtschaft, Gott und die Welt etc. Auch gibt es nach meinem Geschmack (inhaltlich) schlechte kritische Texte. Z.B. wenn topaktuelle politische Themen aufgegriffen und/ oder aufgeblasen werden. Das finde ich platt oder effekthascherisch. Mich beschleicht dann immer das Gefühl, derjenige wolle Defizite in seiner Musik kompensieren. Von kritischen Texten der eher schlechteren Sorte kann ich zwar BAP auch nicht vollkommen freisprechen (z.B. „Denn mer sin widder wer“), aber trotzdem zählte BAP nie zu den Gruppen, denen Kritiker nachsagten, sie würden sich die Anregungen für ihre Lieder aus der neusten Ausgabe des Spiegels holen. ;-)

    BAP (bzw. Niedecken & Komplizen) hat oft wenig bekannte, da teils lokale, Probleme thematisiert oder auch Themen, die nicht so aktuell sind (1982 war Ausländerfeindlichkeit nicht unbedingt eines der aktuellen Topthemen). Teils packen sie Themen auch etwas ironisch an, was bei mir auch ganz gut ankommt.

    Dass ich „kritisch“ erwähnte, liegt wohl auch daran, dass sie in den frühen 80ern rasch aufgestigen sind. Das war eine Zeit, in der vieles in Frage gestellt wurde, Anti-AKW und Friedensbewegung (beim Ostermarsch 1983 sah ich BAP das erste Mal live :-)) auf dem Höhepunt waren, die Grünen bedeutender und salonfähig wurden usw. Ich war in jener Zeit in Unter- bzw. Mittelstufe und in der Schule, der Jugendgruppe und auch, wenn man sich mit Freundden traf, wurde viel über Politik diskutiert, Mißstände angesprochen etc. War damals einfach „in“. In der Oberstufe nahm das rapide ab. In dem Klima haben BAP sicherlich – neben ihrer guten Musik, ihrer Liveauftritte und der NDW – auch ihre teils kritischen Texte geholfen, so schnell erfolgreich zu werden. Ich fand als Jugendlicher ihre Musik sehr gut. Dass sie auch kritisch waren, brachte ihnen zusätzlich einen Pluspunkt.

    Im Gegensatz zu den meisten anderen Alben, die ich höre, lese ich bei BAP seit meinem ersten Album immer die Liedtexte (liegen ja immer schön dabei). Daher kann es möglich sein, dass ich bei BAP automatisch auch die Texte zu einem gewissen Prozentsatz (vielleicht so 20-30%) bei Bewertung ihrer Lieder miteinbeziehe. Tu ich sonst kaum, da mit hauptsächlich die Musik wichtig ist.

    Ein Album, auf dem vom ersten bis zu letzten Song nur kritisiert, Mißstände thematisiert oder düstere Bilder gezeichnet werden, möchte ich von BAP aber auch auf keinen Fall.

    .. und wirklich berühren können mich BAP meist nur wenn sie nicht nur nach vorn rocken, sondern differenzierter spielen wie auf der neuen unplugged z.B.

    OK, da sind wir verschiedener Ansicht. Für mich ist BAP als (härtere) Rockband attraktiver. Aber da sich über Geschmack nicht streiten läßt… ;-)

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    #4024597  | PERMALINK

    j-w
    Moderator
    maximum rhythm & blues

    Registriert seit: 09.07.2002

    Beiträge: 38,705

    @ Minos:
    Ich kann gut nachvollziehen was Du meinst, ich habe BAP zur gleichen Zeit kennen und lieben gelernt und klar: Dass da gesellschaftsrelevante und politische Themen im Großen und auch gerade immer wieder im kleinen (Köln!) angesprochen wurden, fand ich auch meist spannend und oft war ich Wolfgang für seine Wortwahl auch sehr dankbar, dachte: Endlich bringt es einer auf den Punkt!
    Aber ich hasse einfach das Label „kritisch“, vielleicht reibe ich mich auch einfach nur an diesem Begriff. „Kritisch“ zu sein ist genau so gut wie „unkritisch“. Wer sich auf die Fahnen schreibt „kritisch“ zu sein oder nur „kritische“ Musik (bzw. eigentlich ja Texte) zu hören, bekommt von mir nur Spott und Hohn. Und ich habe Wolfgang da sehr differenziert, auch oftmals offen ambivalent wahrgenommen, nicht eine linientreue Standardhaltung, sondern eine, die sich sehr mit der Thematik auseinander setzt und vor allem auch hat mir immer imponiert, dass er auch immer gezeigt hat, dass sich seine Haltung im Laufe der Zeit, unter unterschiedlichen Einflüssen auch durchaus ändern konnte. Deshalb ist er für mich über die Jahrzehnte glaubwürdig geblieben.

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    Staring at a grey sky, try to paint it blue - Teenage Blue
    #4024599  | PERMALINK

    minos

    Registriert seit: 02.06.2008

    Beiträge: 10,526

    @j.w.: ich verstehe, was Du meinst und ich sehe es im Grunde ganz ähnlich. :-) „Kritisch“ meinte ich, ja auch nicht dahingehend, dass BAP sich vorgenommen hatte, Sprachrohr irgendeiner Bewegung, Organisation oder Partei zu sein; oder in erster Linie Systemkritiker, die ihre Meinung durch Musik vermitteln wollen. In erster Linie sind es natürlich Musiker, die auch schon mal das ein oder andere Problem thematisieren oder deren Texte manchmal nachdenklich stimmen.

    Vielleicht kann man „kritisch“ durch ein anderes Wort ersetzen (war gestern ohne lange zu überlegen – und auch nur in Klammern – hingeschrieben), dass das alles besser trifft. Mir fällt auf die Schnelle nur kein gut passendes ein.

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