Antwort auf: Tenor Giants – Das Tenorsaxophon im Jazz

#12153029  | PERMALINK

friedrich

Registriert seit: 28.06.2008

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Ich will nicht ausschließen, dass ich mich verhöre und ich möchte auch niemanden die Freude an einem lieb gewonnenen Album vergällen. Und auch wenn ich mich damit gegen die amtliche Jazzkritik stelle, ich glaube ich sehe bzw. höre hier einen rosa Elefanten.

Auf Pres & Sweets meine ich, Zeuge des tragischen Verfalls eines großen Musikers zu sein. Tatsächlich hatte Pres wohl kurze Zeit nach den Aufnahmen des Albums einen Nervenzusammenbruch. Für mich hört sich hier vieles so an, als könne Pres den anderen Musikern nur noch mit Mühe folgen. Sweets Edison und Oscar Peterson quicklebendig, Lester Young hingegen klingt so, als könne er sich kaum noch auf den Beinen halten und muss von seinen Begleitern gestützt werden. Man mag das mit „suchend“ beschreiben, ich würde es eher als hilflos bezeichnen, wie er sich da offenbar mühsam durchhangelt.

Habe nochmal nachgehört: Das oben gepostete Beispiel von Red Boy Blues hört sich für mich fast wie Lallen an und auch bei Mean To Me wirkt Pres nicht gerade souverän. Dabei spielt er Mean To Me 1955 doch nicht zum ersten mal!

Mal zum Vergleich:

Mit Nat „King“ Cole (p) und Buddy Rich (dr), 1946.

Und das gleiche Stück knapp 10 Jahre später mit Sweets, Oscar Peterson, Herb Ellis, Ray Brown und Rich:

Bitter! Lester Young fing sich nach einem Sanatoriumaufenthalt wohl noch mal und hat dann das tolle Album mit Teddy Wilson gemacht. Aber am Ende war er doch verloren.

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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)