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Kommendes Wochenende findet in Brasilien die Stichwahl um das Präsidentenamt statt. Favorit ist mit Jair Bolsonaro ein Politiker, gegen den Donald Trump „als Verkörperung von Weisheit, Ausgeglichenheit und Zurückhaltung“ erscheint. Bolsonaro glorifiziert u.a. die von 1964-85 in Brasilien herrschende Militärdiktatur. Ein guter Anlass, diese Compilation zu hören:
TROPICÁLIA – A BRAZILIAN REVOLUTION IN SOUND (2005)
Eine hervorragende Zusammenstellung aus dem Hause SOUL JAZZ mit 20 Stücken der Tropicália-Bewegung der späten 60er aus dem „Brasilien in der Ära zwischen Entwicklungsland und Industrieenation mit der neuen modernistischen Hauptstadt Brasilia mitten im Dschungel und Favelas in Rio de Janeiro, Konflikten zwischen oben und unten, links und rechts, Nord und Süd, zwischen Folklore und Fernsehen – und das alles unter den Bedingungen der Militärdiktatur, die 1964 die Macht übernahm. Tropicália ist der Soundtrack dazu.“ (Wie ich weiter oben schrieb.)
Gilbert Gil, Os Mutantes, Cal Costa, Caetano Veloso, Tom Zé u.a. sind mit dabei, außerdem ein 50-seitiges, sehr schön gestaltetes Booklet, das ich sogar mal komplett durchgelesen habe. Lohnt sich. Ein Stück Zeitgeschichte. Gute Musik für schlechte Zeiten.
Was heißt „must have“ auf Portugiesisch?
Bilder aus dem Booklet:
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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)