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Keiner hat irgendwas zu befriedigen und jeder soll die Platte machen, die ihn als Künstler befriedigt. Ich habe nur versucht zu verdeutlichen, warum mich das Album nicht annähernd so berührt wie der Vorgänger. Und das auch nur, weil man hier im Thread das Gefühl bekommen hat, jeder müsse dieses Album einfach als das Jahrhundertwerk begreifen, als das es vielerorts dargestellt wird. Mir sagt To Pimp A Butterfly nicht so zu, überhaupt kein Problem. Ich glaube wir haben alle genug Musik im Orbit um uns dauerhaft genussvoll zu beschäftigen.
Oder ist „Jeder hört das Album, das er verdient“ das neue „Du hast die Platte halt nicht verstanden“. Das wäre mir dann wiederum auch zu billig.
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"Man kann nicht verhindern, dass man verletzt wird, aber man kann mitbestimmen von wem. Was berührt, das bleibt!Highlights von Rolling-Stone.de11 coole Zitate aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“
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WerbungTheMagneticField.. warum mich das Album nicht annähernd so berührt wie der Vorgänger
das geht mir übrigens auch so
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out of the blueTheMagneticFieldweil man hier im Thread das Gefühl bekommen hat, jeder müsse dieses Album einfach als das Jahrhundertwerk begreifen, als das es vielerorts dargestellt wird.
Friede! Niemand muss irgendwas. Ich schätze alle mit Begründung versehenen Beiträge zur Platte, auch die kritischen Einwendungen.
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Vinyl ist angekündigt für den 24. April.
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When shit hit the fan, is you still a fan?bullschuetzNur ein Beispiel: die auffällig zurückgenommene Schlagzeugspur in „Mortal Man“. Der Umgang vor allem mit der Snare ist oft auffällig unplakativ und damit sehr untypisch für viele Hiphop-Produktionen, […].
Wobei die Drums hier verfremdet wurden, so als wären sie unter Wasser aufgenommen worden. Bei Houston Persons I No Get Eye For Back, woraus das Sample stammt, klingen die Drums nicht so. Leider ist der Track im Netz nicht zu finden, aber wer z.B. Spotify hat, kann ihn dort hören. Bei Felas Original klingen die Drums auch nicht so, allerdings gibt es von Fela aus den 70ern tatsächlich Aufnhamen, bei denen die Drums ähnlich verschwommen klingen wie bei Mortal Man.
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AnonymInaktivRegistriert seit: 01.01.1970
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Das subtile an der Platte ist, dass sie typische Hip Hop Strukturen oftmals auflöst. Oftmals wird der Beat plötzlich weggenommen oder er ist kaum wahrnehmbar (z.B. bei „For Sale“), dann vermengen sich Harmonien, Samples, Chöre, nur um sich kurz darauf wieder aufzulösen. Dazu ist das ganze vom Soundbild her eher zurückhaltend, es gibt kaum einen Bass, der alles durchdringt (Ausnahmen gibt es schon, z.B. „Alright“, doch auch hier gibt es wieder Zwischenteile aus anderen musikalischen Stimmen, werden Strukturen aufgebrochen & wieder neu zusammen gewebt).
Wenn man den einzelnen musikalischen Formen folgt, die in der Musik vorhanden sind, findet man eine sehr vielfältige und wohldurchdachte Platte. Sicher nicht seicht, sondern sehr subtil.
Wird die Musik jedoch als Hintergrund Musik laufen lassen, könnte man den Eindruck erhalten, dass es sich um „Easy Listening“ handelt. Doch das ist eher dem unaufdringlichen Klangbild geschuldet. Musikalische Substanz ist in großem Maß vorhanden.
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sparchWobei die Drums hier verfremdet wurden, so als wären sie unter Wasser aufgenommen worden.
Richtig, beim ersten Hören erwartete ich, dass sich das bald auflöst, das wäre ja ein klassischer Produktionstrick, um einer Aufnahme Struktur und Dynamik zu geben: am Anfang gefilterte Drums, dann voller Wums. Aber Lamar zieht das durch, er lässt das Schlagzeug unter Wasser. Von Flow und Atmosphäre her ergibt das etwas, das mich eher an What’s Goin On erinnert als an typische HipHop-Produktionen.
@Badlands: Genau!
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Neues Video zu “King Kunta“.
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Hold on Magnolia to that great highway moonWas mich an den überschwänglichen Lobeshymnen manchmal stört ist, dass sie oft mit indirekter Kritik an anderen Rappern einhergehen. Die Kendrick-LP wird für ihre musikalische Subtilität und inhaltliche Komplexität gelobt, was impliziert, dass die anderen lediglich dumme Partymucke abliefern. Das nervt ziemlich und ist nicht weit entfernt von Joe Satriani-Vergötterung.
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AnonymInaktivRegistriert seit: 01.01.1970
Beiträge: 0
juan… Die Kendrick-LP wird für ihre musikalische Subtilität und inhaltliche Komplexität gelobt, was impliziert, dass die anderen lediglich dumme Partymucke abliefern. Das nervt ziemlich und ist nicht weit entfernt von Joe Satriani-Vergötterung.
Verstehe den Zusammenhang mit Satriani nicht…und eine Pauschal-Kritik an „anderen“ kann ich bisher nicht rauslesen.
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Ihr beschreibt das Soundbild recht gut – nur in den Schlussfolgerungen sind wir halt unterschiedlicher Meinung. Subtil stimmt schon oftmals, aber seicht eben auch. Alright, Momma und Complexion ist seichtes Gedudel, das leider auch Kendrick mit seinen in der Tat fantastischen Raps nicht retten kann. Ich habe bei vielen Tracks das Gefühl, ein Erykah-Badu-Album zu hören. Und das wollte ich eigentlich nie, weil das genau dieser weichgespülte Sound ist, der zwar viele schwarze Musiktraditionen umfasst, aber eben auch so unfassbar langweilt, weil ich da kein Feuer höre, sondern nur bloße Fingerübungen. Da fehlt mir immer dieInspiration. Und wenn dann King Kunta (als einer der besten Tracks) dann auch noch genau wie der zugrundeliegende Track des Hauptsamples klingt, macht man sich halt auch so seine Gedanken.
Und völlig richtig, wie ihr beschreibt, dass etwa die Snare oftmals unhiphopig klingt… aber verdammt, sie klingt dadurch eben auch scheiße. Innovation ist eben nie per se gut. Es muss auch gekonnt sein. Und das ist es meiner Meinung nach hier nicht. Vor allem auch, weil sie keine wirklichen Innovationen sind, sondern nur in Bezug auf eine Rapplatte. Betrachtet man ohne diesen Background den Sound ist er nicht wirklich außergewöhnlich. Klingt halt ein wenig funky und oft nach Neo-Soul der 90er. Hab ich momentan aber keinen Bock drauf. Und textlich ist eine Schmetterlingsmetapher natürlich auch mehr als ausgelutscht und fast schon „Der kleine Prinz“-Niveau. Immerhin umschifft er dieses selbstgefällige Esoterik etwas durch diesen Wikipedia-Geschichtsunterricht. Aber wenn Kendrick dann sagt, er sieht sich als „Gefäß Gottes“… Puh, also das ist schon hart.
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Do you believe in Rock n Roll?juanWas mich an den überschwänglichen Lobeshymnen manchmal stört ist, dass sie oft mit indirekter Kritik an anderen Rappern einhergehen. Die Kendrick-LP wird für ihre musikalische Subtilität und inhaltliche Komplexität gelobt, was impliziert, dass die anderen lediglich dumme Partymucke abliefern.
Weiß nicht, ob sich das an mich richtet, aber nein: diesen Hintergedanken hat mein Lob nicht.
@Mr. Badlands: Schöne Beschreibung oben, ich empfinde das sehr ähnlich.
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Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
AnonymInaktivRegistriert seit: 01.01.1970
Beiträge: 0
nail75…
@Mr. Badlands: Schöne Beschreibung oben, ich empfinde das sehr ähnlich.Danke 😊!
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Mr. BadlandsVerstehe den Zusammenhang mit Satriani nicht…und eine Pauschal-Kritik an „anderen“ kann ich bisher nicht rauslesen.
Das war auch überspitzt formuliert. Aber ich finde schon, dass man an den Reaktionen sehen kann wie Rapmusik hier oftmals wahrgenommen wird. Diese starke Fixierung auf die Lyrics (inkl. Genius-Querlesen, sodass man auch jede Referenz versteht) ist für mich eine ziemlich verkopfte Herangehensweise, bei der Aspekte wie Beats oder Produktion ziemlich außen vor bleiben. Rap ist für mich keine Literaturanalyse und mich stört, dass ein Rapper „etwas zu sagen“ haben muss um gut besprochen zu werden. Dazu passt, dass die Kendrick-LP musikalisch völlig konservativ ist und somit auch niemanden überfordert, der sich sonst nicht für Hip-Hop interessiert.
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juanRap ist für mich keine Literaturanalyse und mich stört, dass ein Rapper „etwas zu sagen“ haben muss um gut besprochen zu werden. Dazu passt, dass die Kendrick-LP musikalisch völlig konservativ ist und somit auch niemanden überfordert, der sich sonst nicht für Hip-Hop interessiert.
Das sehe ich anders. Rapper müssen nicht „etwas zu sagen“ haben, aber ich lege es Künstlern auch nicht negativ aus, wenn sie es tun. Das ist doch das schöne an großartigem HipHop: Er funktioniert in seiner Ganzheit. Er reißt einen bereits durch den Beat mit und er wird mit jeder Zeile intensiver, die man liest. Nicht erst dann, sondern, dann noch viel mehr. „Völlig konservativ“ kann ich „To pimp a butterfly“ nicht finden, mir fällt jedenfalls kein Release der letzten Jahre ein, der mich stilistisch auf eine ähnliche Reise geschickt hätte. Davon ab finde ich das Album viel fordernder als alles, was Kendrick bisher gemacht hat (einschließlich aller Mixtapes).
Hier wird derzeit so getan, als wäre das HipHop Fastfood, den man auf jedem djbooth Zusammenschnitt wiederfindet – dem ist nicht so.
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Hold on Magnolia to that great highway moon -
Schlagwörter: Kendrick Lamar
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