Startseite › Foren › Kulturgut › Das musikalische Philosophicum › Objektivität vs. Subjektivität bei der Bewertung von Musik › Re: Objektivität vs. Subjektivität bei der Bewertung von Musik
bullschuetzEin Beispiel: Literaturwissenschaft funktioniert ja nicht so, dass jeder bloß seine Privatmeinung verkündet und die Forschungs-Community dazu sagt: „Die Geschmäcker sind halt verschieden.“ Sondern im Diskurs ergibt sich mit der Zeit sowas wie eine Mehrheitsmeinung – und wer die nicht vertritt, muss eben einen etwas görßeren Argumentationsaufwand betreiben, um ernst genommen zu werden. Hat er supergute Argumente und einen langen Atem, wird er irgendwann Leute finden, die seinen Standpunkt einleuchtend finden, und so kann sich mit der Zeit die Mehrheitsmeinung (also wer bedeutend ist und wer nicht so wichtig) auch wieder ändern.
Eine sehr idealistische Auffassung. Eine Freundin, die sich seit Jahrzehnten am akademischen Betrieb abrackert, nennt Professoren „Kaninchenzüchter“. Die bauen sich ihre Kaninchenställe, in denen sie ihre Kaninchen (Studenten) halten, und konstituieren auf diese Weise eine Art Hausmacht – wie in der Politik. Argumente sind denen völlig schnurz; wer eine Mehrheitsmeinung erschüttern will, braucht selber einen imponierenden Kaninchenstall.
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"Edle, freie Unbefangenheit bei Allem. ... Alle übrigen Vollkommenheiten sind der Schmuck unsrer Natur; sie aber ist der der Vollkommenheiten selbst. ... Sie ist mehr als Leichtigkeit, sie geht bis zur Kühnheit: sie setzt Ungezwungenheit voraus und fügt Vollkommenheit hinzu. Ohne sie ist alle Schönheit todt, alle Grazie ungeschickt: sie ist überschwenglich, geht über Tapferkeit, über Klugheit, über Vorsicht, ja über Majestät." (Baltasar Gracián) =>mehr<=