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redbeansandriceMike Zwerin schimpft in der Village Voice vom 4. November 1965 über Al Cohn und fragt sich, was gewesen wär, wenn Stan Kosow gelebt hätte…
Stan Kosow? Noch nie gehört den Namen … ein paar andere in der Liste sind aus heutiger Sicht auch eher überraschend: Marty Flax (man kennt ihn als kaum vorhandenen Barisaxer der 1956/57er Dizzy Big Band – er spielte gemäss Wiki in den frühen 60ern bei Herman, gewiss Tenor, daher wirft ihn Zwerin wohl in die Runde?), Johnny Andrews (auch den Namen habe ich noch nie gehört), Jimmie Ford kenne ich auch kaum (eine 1951er Session auf der Fantasy-CD „Red Rodney Quintets“, ob ich ihn bei Ferguson je als Solist gehört habe, weiss ich gar nicht) … Eugene Chadbourne hat eine seiner launischen Biographien für Allmusic geschrieben, darin wird Leonard Feather zu Ford zitiert: „erratic but potentially brilliant“. Ray Turner dann, noch ein unbekannter Name. Ich finde in einem Les Tomkins-Interview von 1965 (gleiches Jahr wie Zwerin!) dieses Zitat von Al Cohn: „And there’s a fellow that was around New York years ago. Nobody’s ever heard of him—his name was Ray Turner. He was a pretty big influence.“ – und Kosow nennt gemäss Zwerin dann ja Turner auch wieder als Einfluss.
Ansonsten finde ich Zwerins Haltung zu Cohn/Sims völlig nachvollziehbar. Ich schätze die beiden ja, allein wie auch zusammen, aber dass sie immer wieder dasselbe machten, daran ist nun wirklich nicht zu rütteln. Dass man das 1965 moniert – man bedenke die rasanten Entwicklungen, die der Jazz in den zwanzig Jahren davor durchgemacht hatte! – überrascht nicht weiter. Wenn ich mir heute Benny Golson oder Curtis Fuller anhören gehe, dann nicht, um Neues zu hören, sondern um bestenfalls ein Scherflein von damals abzubekommen. Die Leute, die sich wirklich zeitlebens weiterentwickelten, sind sehr selten, aber es gibt auch welche, die dennoch überraschend blieben, Lacy, Konitz, Ellington wohl auch, Cecil Taylor …
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