Re: Die besten Hard Bop Alben

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gypsy-tail-wind
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Mit den Mainstream Alben muss ich mal wieder einen Versuch machen. Die sind mir meist dann doch vom Sound und der Produktion her etwas zu „smooth“ (nicht ganz CTI aber auf dem Weg dahin).

Jetzt läuft grad Junior Cooks „Junior’s Cookin'“ – gefällt mir sehr, sehr gut!

Cook klingt robust und stark, irgendwo zwischen Coltrane und Rollins, trockener als letzter, mehr Volumen im Sound als ersterer. Das Album ist auch zwei Sessions zusammengestellt, die erste fand im April 1961 in Kalifornien statt und wurde von Russell Jacquet (dem trompetespielenden Bruder von Illinois) produziert – sie klingt übrigens anders, der Bass „boomt“ ziemlich heftig – überhaupt, Gene Taylor! Der spielt auf all den Blue Notes von Mitchell und auch auf „The Cup Bearers“ und sein Sound ist – wie Horace Silver treffend gesagt hat – so gross wie ein Wolkenkratzer! Geht so in die Richtung Sam Jones, aber weniger virtuos, noch etwas erdiger, und noch mehr gefühlt statt gehört – also enorm präsent aber ohne, dass man ihn besonders gut hören würde, kein satter Ton, der schön nachklingt, sondern ein tiefes Rumpeln, das der Musik unglaublich gut tut!
Nun ja… die Session aus Kalifornien entstand mit Dolo Coker am Piano – neben Carl Perkins (und natürlich dem um diese Zeit grad angekommenen Engländer Victor Feldman) wohl der erdigste der West Coast Pianisten (wunderbar zu hören auf Art Peppers „Intensity“). Auf der zweiten Session (die auf dem Album als erstes zu hören ist), aufgenommen in New York im Dezember 1961, spielt dann Ronnie Mathews.
Da ist auch schon die nächste Connection… Roland Alexander hat zwei Stücke beigesteuert, eins kommt von Charles Davis. Mitchell hat eins seiner eigenen Stücke zuvor schon auf dem Jazzland-Album von Charlie Rouse gespielt… das ergibt eine ganze Gallerie von Leuten, die in der zweiten Linie standen…

Blue Mitchell, Bill Hardman, Louis Smith
Charlie Rouse, Junior Cook, Roland Alexander, Charles Davis
Ronnie Mathews

@redbeans: vielleicht war ich beim Bewerten von „A Sure Thing“ doch etwas zu konservativ (oder bei einer Reihe anderer Alben aus der Riverside Zeit zu grosszügig). Muss es mir nochmal anhören, ebenso die beiden letzten Blue Notes aus dem Mosaic.

Es gab danach ja noch zwei weitere Blue Notes, von denen ich glaub ich eins vor Jahren mal gehört habe. Im Mosaic hat man die weggelassen, weil sie die Musik in eine kommerziellere Richtung getrieben haben (wie die Mainstream-Alben dann auch?), was ja auch dazu passt, das Mitchell mit Ray Charles und John Mayall gespielt hat in den Jahren danach. Er war ein Pro im guten wie im schlechten Sinne. Also Konsistenz, hohes Niveau… aber eben auch diese Abwesenheit des gewissen Etwas, das den Funken überspringen lässt.

Und ja, für jemand wie Art Farmer wären diese geplanten Produktionen sicher ein Fest gewesen! Er hatte ja auch allerlei Möglichkeiten, vom Quartett übers Quintett (Am besten gefällt mir das mit Gryce! Das Album auf United Artists mit Golson und Bill Evans ist aber auch wunderbar) und Septett, dann das Jazztet, dazwischen Alben mit Big Bands… ihm lag das, das ist klar!
Farmer ist ja auch (wie Mitchell) ein eher flächiger, deckender, satter Spieler -im Gegensatz zu den „brüchigen“, wo ich mal Kenny Dorham als Beispiel nennen würde, vielleicht dann auch Bill Hardman oder Ray Copeland – diese Blechigkeit bei gleichzeitigem Lyrizismus, das spricht mich gemeiniglich eher an. Aber Farmer ist einfach so unglaublich gut, dem hör ich immer gerne zu!

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