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bullschuetzSuper. Sofern das jetzt geklärt ist, bin ich gespannt auf Deine These zu Dylan als Traditionalist oder Innovator in musikalischer, textlicher oder sonstiger Sicht. Oder war dies hier schon deine Kernthese?:
canzione
Ich würde meinen, dass jeder Musiker, ganz gleich, welche Art Musiker er sein mag, schreibt (komponiert), um die Zukunft zu erschaffen. Jede Musik von Wert hat etwas Neues an sich. Jedenfalls ist die Funktion des wirklichen Erneuerers, die Musik lebendig zu halten und ständig so aufmerksam wie möglich die Grenzen unserer menschlichen Sympathie auszutesten und ständig bloße oberflächliche Tradition zu zerstören.
Da könnte ich Wort für Wort aus tiefstem Herzen zustimmen!
Ja, schon, aber die Frage verschiebt sich dann einfach: was ist „etwas Neues“?
Ich komme als Hörer ja v.a. vom Jazz her, da gab’s bis in die späten 60er oder so alle paar Jahre etwas klar greifbar neues (so ganz grob: New Orleans, Chicago, Swing, Bop, Cool, Hardbop, Free, Jazzrock…). Seither ist es schwierig, auch wenn ich nicht den Tod des Jazz ausrufen würde.
Meine Frage: wie wollt Ihr sowas festmachen? Ich kann es nicht, bin irgendwie über die Jahre (das klingt jetzt so altklug, bin 31, höre seit 20 Jahren Dylan und seit über 15 Jahren 80-90% Jazz) toleranter geworden und höre auch Leute, die nicht „innovativ“ waren (oder nicht so, dass ich das erkennen und/oder formulieren könnte), deren persönlicher Stil (sei das der Sound, die Art zu Improvisieren, was weiss ich) mir gefällt.
Im Rock oder der amerikanischen Musik sonst kenne ich mich bisher erst mangelhaft aus, höre Euch aber gerne zu, wenn Ihr eine Diskussion zu diesem Thema wagen solltet!
Meine These bei Dylan wäre irgendwie sowas in der Art: er hat auf geniale Weise die amerikanische Musik (Blues, Folk, was weiss ich) geplündert, sie sich angeeignet, sie weiterentwickelt (1965/66), hat sich über die Jahre mit Beharrlichkeit in diese Musik selbst eingeschrieben soweit, dass er heute (Modern Times) plagiieren oder zitieren kann und das irgendwie funktioniert (ok, einige haben aufgeschrieen). Was er reingebracht hat, wo ich eine zusätzliche innovative Seite erkennen könnte, sind sicher seine Texte, die absurden, die Stories, die ganze Lyrik halt… aber damit habe ich mich nie genau genug auseinandergesetzt, man findet da wohl auch von Whitman bis Ginsberg Vorbilder und Parallelgestalten…
Hoffe, das ist jetzt nicht ein allzu peinlicher Kommentar für die Dylanologen unter Euch… ich bin bloss ein Fan, zwar seit langer, langer Zeit, aber eben: Fan, nicht Dylanologe.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba