Antwort auf: Dead & Gone

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ford-prefect
Most of my heroes still don't appear on no stamp

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ford-prefectGestern ereilte uns über Facebook eine schreckliche Nachricht: Oliver „Oli“ Brandt, der Inhaber des Plattenladens Heaven Records, ist unerwartet gestorben. Es war im Dezember 1995, als ich als 15-Jähriger zum ersten Mal den Laden Heaven betrat, an einem dunklen und kalten Herbstabend. Damals befand sich der Plattenladen noch in der Rheinstraße in einem multikulturell geprägten Viertel der Nibelungenstadt. Auf mich wirkte der Heaven, in dem morbide Metal-T-Shirts von der Decke hingen und an einer großen Pinnwand haufenweise Aufnäher von Kreator, Rage Against The Machine und Metallica steckten, wie ein richtiger Hard’n’Heavy-Underground-Laden. Obwohl Heaven-Oli, der amerikanische Wurzeln hatte und sich dem männlichen Geschlecht hingezogen fühlte, immer wieder wortreich und eloquent betonte, im Hinblick auf Rock und Pop von A bis Z breit aufgestellt zu sein. Ich fühlte mich plötzlich wie in einer verwunschenen Parallelwelt. An der Theke klebte ein Aufkleber mit dem Album-Cover der „King for a Day – Fool for a Lifetime“ von Faith No More, eine Lieblingsband von mir. Dennoch fühlte ich mich als Teenager irgendwie eingeschüchtert von dem Laden. Mein erster Gegenstand, den ich im Wormser Heaven erstand, war ein schwarzer Aufnäher (man sagt ja neudeutsch „Patch“ dazu) von Dog Eat Dog mit dem Album-Cover der „All Boro Kings“ darauf, der fortan auf meiner dunklen Denim-Jeans-Jacke prangte und über den ich mit anderen Punk/Hardcore-Fans, die meinen Weg kreuzten, häufig ins Gespräch kam. Stammkunde im Heaven wurde ich allerdings nie. Im Juli 2004 schrieb ich für unsere Tageszeitung ein Portrait über Heaven Records, ein Laden mit Seele und Charakter. Das letzte Mal im Heaven Records, der im Januar 2019 in die Stephansgasse in der Nähe des Marktplatzes in einen größeren und helleren Raum umzog, war ich im Mai 2025 bei der Release-Party von Crematory zu ihrem aktuellen Album „Destination“. Seit seiner Jugend in den 1970er Jahren war Oli großer Fan von Kiss, Motown-Soul von Diana Ross und Glam-Rockbands wie The Sweet gewesen. Mit ihm, dem rheinhessischen Vinyl-Papst, geht ein Wormser Original.
RIP Oliver „Oli“ Brandt, Musiknerd und Besitzer des Plattenladens Heaven Records Worms

Heute Morgen fand übrigens die Beisetzung von Heaven-Records-Oli statt. Warum er auf der anderen Rheinseite im hessischen Biblis-Wattenheim beigesetzt wurde, weiß ich nicht. Auf Empfehlung der Organisatoren erschienen viele Trauergäste in ihrem Lieblings-Band-T-Shirt auf dem Friedhof. Was Oli sicher gefreut hätte.

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Wayne's World, Wayne's World, party time, excellent!