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1. Märchen aus 1001 Nacht / Alf Laylah wa-Laylah (Eurobooks, 1998)
2. PATTI SMITH: Im Jahr des Affen / Year of the monkey (2019)
Mehrere Monate dran gelesen und nun beendet. Mit gut 650 Seiten und drei Dutzend Geschichten zwar nur ein ziemlich kleiner Teil dieses sehr viel umfassenderen Monuments – aber es war schön, einmal so tief in diese Welt einzutauchen.
Ich liebe so ziemlich alles daran: Die schiere Unendlichkeit an Symbolik, an Ideen und purer Phantasie, die Verbindung der Geschichten miteinander, die Querverweise über ganze Geschichtenfolgen hinweg, das Pathos, die Tiefe, den Humor, die Sprachästhetik.
Ich finde, es ist auch generell gut zu lesen. Die im Artikel erwähnte Islamisierung des Werkes muss man mögen, im Grunde wirft sich schon alle zwei bis drei Seiten irgendjemand zu Boden, weint und preist Allah (den es gibt keinen anderen Allah, außer Allah). Als historisches Zeitdokument (Stichwort: Sklaventum, Geschlechterrollen, Schönheitsideale, Religion, Antisemitismus usw.) sind die „Märchen aus 1001 Nacht“ aber ohnehin spannend.
Auch, wenn ich so ziemlich alle Geschichten gerne gelesen habe, ist es nicht ganz makellos: Die endlosen Aufzählungen von Prunk und Schönheit sind manchmal arg redundant, das Gottesfürchtige mitunter am Rande zum Schwulst und Jahrtausende alte Lyrik aus völlig anderen Sprachräumen ins Deutsche zu übersetzen, funktioniert in der Mehrheit nur bedingt.
Ansonsten natürlich: Muss man haben.
Radnotizen:
Disney hat, wenn ich das recht erinnere, bei ihrer Verfilmung munter diverse Inhalte von verschiedenen Geschichten zu einer zusammengezurrt. Ich müsste „Aladdin und die Wunderlampe“ nach gefühlt 30 Jahren aber auch mal wieder anschauen.
Da ich es letztes Jahr erst gelesen habe: In Preußlers „Krabat“ findet sich eine Sequenz, die, fast identisch, auch in einer der Märchen auftaucht. Ein schönes kleines Bonbon und eine nette Verneigung vor diesem Werk.
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Hold on Magnolia to that great highway moon