Antwort auf: Don Byas (1912-1972)

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friedrich

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Auf Don Byas bin ich durch James Carter gekommen, von dem ich hier was erzählt hatte. Der nennt Don Byas immer wieder mal gerne als Vorbild – und wenn man das weiß, hört man das auch. Beide haben einen vollen und warmen Ton auf dem Tenorsax, sehr geschmeidig und auch keine Scheu vor Sentimentalität und etwas Show.

Jazz In Paris : Don Byas – Laura (Aufnahmen 1950-52, Compilation 2000)

Diese Compilation ist meine Erstbegegnung mit Don Byas. Enthält die Aufnahmen dreier Sessions von 1950-52, die ursprünglich auf zwei 25 cm-Alben veröffentlicht wurden. Eine runde Sache also. Fast ausschließlich Standards, vor allem, aber nicht nur Balladen, darunter solch alte Schlachtrösser wie Summertime, Georgia On My Mind und Over The Rainbow, aber auch seltener gespieltes wie Laura, die Titelmelodie aus dem gleichnamigen Film aus den 40ern.

Aber egal, was Don Byas spielt, wichtig ist, dass Don Byas es spielt und wie er es spielt. Das ist so schmusig, so charmant und verführerisch, dass man gar nicht widerstehen kann. Seine meist französischen Begleiter machen ihre Sache sehr gut, sind aber eigentlich nicht viel mehr als Statisten, vielleicht mit Ausnahme von Pianist Art Simmons. Aber das ist hier auch völlig okay, denn Don Byas hat hier eine so lässige und selbstverständlich wirkende Autorität, dass man sich gar nichts anderes wünscht.

Die ersten paar Töne von Don Byas reichen schon, damit hat er mich:

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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)