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Ich setze das Duke Ellington-Geburtstagshören mal in diesem Faden fort:
Duke Ellington & His Orchestra – Such Sweet Thunder (1957)
Habe ich schon seit ewig als Teil eine billigen 3 CD-Box im Regal stehen, die auch And His Mother Called Him Bill und The Far East Suite enthält. Drei Alben also, die jeweils einem Konzept folgen. Such Sweet Thunder hatte ich bislang kaum mal gehört. Ich glaube zum einen schreckte mich das große Thema ab, das Ellington hier angeht. Die Dramen keines geringeren als William Shakespeare dienen hier als Vorlage. Zum anderen weicht Ellington auf Such Sweet Thunder deswegen hier und da (aber nicht immer) von der traditionellen Songform (Thema, Bridge, Solo, Thema …) ab, die Kompositionen sind oft szenisch angelegt, was andere Spannungsbögen erzeugt, etwas ungewohnt ist und anders gehört werden will. Die Solisten schlüpfen in Rollen und verkörpern Shakespeares Figuren. Großes Drama, große Gefühle. Das ist mal mehr, mal weniger ausgeprägt, geht nicht immer leicht ins Ohr, ist dann aber sehr schön.
Hier Paul Gonzalves (Tenor) und Johnny Hodges (Alt) in den Rollen von Romeo und Julia. Wurde damals offenbar sogar als Single veröffentlicht und geht in diesen Falle sehr leicht ins Ohr :
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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)