Antwort auf: Swing

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friedrich

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Charlie Shavers – The Last Session / Definitive Black & Blue Sessions (1970 / 2002)

Diese Platte erwähnte ich hier bereits – jedoch ohne sie zu kennen – und @gypsy-tail-wind sagte im „Ich höre gerade …“-Thread auch schon ein paar Worte dazu, glaube ich. Inzwischen habe ich es mal gewagt, dieses Album zu erwerben.

Ich könnte sagen: The Last Sessions hält das, was ich mir von dem oben erwähnten A Famous Jazz Party-Album versprochen hatte. Sehr schön entspannte Aufnahmen von Charlie Shavers mit dem Tenor- und Sopransaxofonisten Budd Johnson und einer gemischt französisch und us-amerikanischen rhythm section. Klingt fast live, zum einen durch den sound, der so klingt als hätte jemand in einem kleinen Club einfach ein paar Mikros auf die Bühne gestellt, zum anderen durch die spontan und lebhaft wirkenden Musiker. Eine paar Swing-Standards (Moten Swing, In A Melow Tone, Georgia Brown), eine schöne Ballade (Nature Boy), ein paar Originale und auf zwei Tracks singt Charlie Shavers einen augenzwinkernden Blues mit Zeilen wie „Ooh Baby Won’t You Please Come Home“. Die beiden Swing-Veteranen und lassen es sich hier einfach mal gut gehen. Alte Bekannte unter sich. Und Charlie Shavers ist mit seinem funkelnden sound wirklich unverkennbar.

Klingt gleichzeitig charmant altmodisch, klassisch, lässig und frisch. Sicher kein amtliches Meisterwerk – hier gehen Spontanität und Gelassenheit vor Perfektion. Gerade das ist der Reiz daran. Ich habe damit inzwischen schon bei mehrmaligen Hören viel Spaß gehabt.

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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)