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Machen wir doch einfach mal mit Tom Zé weiter.
Tom Zé – dto. (1970)
Titel und Cover dieses Albums täuschen ein wenig: es ist weder Tom Zés Debut (das erschien bereits 1968) noch ist es die Arbeit eines nachdenklichen Singer-Songwriters der Lieder zur aktustischen Gitarre vorträgt.
Die Musik von Tom Zé scheint immer igendwie um die Ecke gedacht zu sein: Da gibt es eigenartige Brüche mit abrupten Stimmungswechseln mitten im Stück, Wortspielereien – zumindest was den Klang der Worte betrifft, denn inhaltlich verstehe ich das nicht –, Arrangements zwischen akustischer Gitarre, Streichern und Bläsern und ein deutlicher Rock-Einfluss ist auch nicht zu überhören. Voll-eklektizistisch und dabei originell. Manches klingt tieftraurig, anderes ironisch, kabarettistisch oder einfach nur albern. So ganz genau weiß man nie, wie man mit Tom Zé dran ist – was ihn etwas sperrig aber umso interessanter macht. Oder – warum nicht mal geradeaus gesagt: Tom Zé ist subversiv und hat Spaß dabei. Und das hört man auch, ohne den Wortlaut seiner Texte zu verstehen.
Das ist auf diesem Album zwar kein ganz so wilder Mix wie auf der oben beschriebenen Compilation (das sollte nicht wundern – und btw enthält die Compi kein einziges Stück von diesem Album), aber durchgehend amüsant und spannend.
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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)