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Mercury Rev – See you on the other side (1995)
Es war an einem verregneten Tag im Sommer 1995, ein Freund und ich waren nach München gefahren um ein Konzert von Pavement zu besuchen. Im Vorprogramm spielten Crowsdell und eben Mercury Rev, zwei Bands die ich bis dahin überhaupt nicht kannte, die mich jedoch beide begeisterten, vor allem eben letztere. Manch einem war, wie ich später hören konnte, der Auftritt von Mercury Rev einfach zu viel, ich selbst jedoch war restlos begeistert und konnte kaum fassen, was da eben passiert war. Ein furioser Auftritt, melodieverliebt und doch auch lärmend mit allerlei Instrumentarium hob mich quasi in den siebten Himmel. Und der Sound war sehr gut, man konnte alle Instrumente klar und deutlich erkennen. Pech für Pavement, denn zumindest bei mir hatten sie im Anschluß keine Chance mehr. Zwei Tage später bestellte ich mir die beiden Alben ‚Boces‘ und ‚See you on the other side‘ und letzteres ist für mich bis heute auch ihr bestes.
‚See you on the other side‘ ist ein Übergangswerk. Es beinhaltet Reste der lärmenden Vergangheit, hat aber auch schon die opulenten Ansätze, die spätere Alben auszeichnen und Kritiker in Verzückung versetzten sollten. Am Anfang steht das epische ‚Empire state‘, das eigentlich schon alles beinhaltet, was die Band so auszeichnet: ein Stück mit einer traumhaft schönen Melodie, das sich langsam aufbaut dann ausbricht und unter Trompetengetöse dem Ende entgegenlärmt. Das darauf folgende ‚Young man’s stride‘ dagegen hat fast schon Punk Attitüde, ist aber dennoch die perfekte Überleitung zu ‚A sudden ray of hope‘, bei dem sich im Mittelteil ein Saxophon und Gitarren regelrecht duellieren. ‚Everlasting arm‘ wiederum transportiert Beach Boys Harmonien lange, bevor dies zur Mode werden sollte. Was der Band hier auf das vorzüglichste gelingt, ist die Verschmelzung verschiedenster Stile zu einem einheitlichen, völlig eigenständigen Sound. Alles paßt perfekt zusammen, und so stört es auch nicht im Geringsten, daß das epische ‚Racing the tide‘ in ein dancefloorartiges Instrumentalstück mündet welches wiederum zu dem 60s-Pop-artigen ‚A kiss from an old flame‘ überleitet. Und am Ende entläßt einen die Band mit ‚Peaceful night‘ in die Nacht. Größenwahn galore, aber sehr charmant.
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Wann kommt Horst Lichter mit dem Händlerkärtchen und knallt mich ab?