Re: Objektivität vs. Subjektivität bei der Bewertung von Musik

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gruenschnabel

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Ja, das mit der Objektivität funktioniert natürlich nicht mit Blick auf die Künste, die sich jener m.E. sogar mit Nachdruck entziehen. Auch die Versuche, ihnen mit Kategorisierungen und ästhetischen Konzepten beizukommen, scheitern ja stets in dem Sinne, dass jegliche verallgemeinernde Systematik von fortschrittlichen Künstlern in dem Moment ihres Erscheinens bereits wieder ausgehebelt / konterkariert ist. So lassen sich ästhetische Kriterien – wenn überhaupt – wohl immer nur sinnvoll innerhalb eines passend abgegrenzten Kontextes anlegen.
Kants und Schillers ästhetische Konzepte – und dies sollen sie meiner Einschätzung nach wohl sein – z.B. gehen von einem (keineswegs über einen Kamm zu scherenden) Schönheitsbegriff aus, der sich spätestens in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, meiner Einschätzung nach in der Musik jedoch bereits schon nach der Epoche der Klassik endgültig erledigt hatte. Und inwieweit sich ihre Überlegungen überhaupt auf Musik beziehen lassen, ist mir gar nicht mal klar. An Schiller hat mich schon immer gestört, dass er die artifizielle, autonome Welt des „schönen Scheins“ dem Wirklichkeitsbegriff so diametral gegenübergestellt hat. Gadamer hat in „Wahrheit und Methode“ später verdeutlicht, dass dies eben wirklich im Wesentlichen mit dem direkten Einfluss Kants auf Schiller zu tun hatte.

Ich bin aber weit entfernt davon, nun alles auf der subjektivistischen und wortlos-sinnlichen Empfindungsebene zu belassen. Ich schließe mich hier den Stimmen an, die die Kommunikation und den Austausch über Musik als eigenen Wert ansehen. Ob wir wollen oder nicht: Wir sind auch hier im Forum Teil eines (deutschsprachig-mitteleuropäischen) Kulturlebens, wir bestimmen die Ausrichtung dieser Kultur und damit also uns als deren Teilhaber durch unser sprachliches Handeln und dann eben auch unser Kaufverhalten usw. mit.
Und vor diesem Hintergrund muss ich sagen: Gottseidank geht es bei künstlerischen Wertungsfragen nicht um objektivierbare Entscheidungen. Es geht um Dialog, um ein gegenseitiges Zuhören, um Horizonterweiterung, um Identitätsbildung. Und in diesem Sinne ist z.B. der „Stardust“-Thread in meinen Augen ein ganz großer Schandfleck.

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