Re: Suicide – Alan Vega + Martin Rev

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friedrich

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COLLISION DRIVE scheint keiner zu kennen oder zu mögen. Dann muss ich selbst wohl ran.

Alan Vega – COLLISION DRIVE
(1981)

Alan Vega – vocals
Mark Kuch – guitar
Sesu Coleman – bass
Larry Chaplan – drums

COLLISION DRIVE knüpft stilistisch direkt an Alan Vegas Solo-Debut an. Im Unterschied dazu ist hier aber eine komplette Band in klassischer Besetzung zu hören. Folglich klingt die Platte weniger minimalistisch und verfremdet, sondern um einiges konventioneller. Die Platte ist einerseits sowohl stilistisch als auch vom Niveau her geschlossener und beständiger als der etwas unausgewogene Vorgänger. Andererseits wirkt sie gerade dadurch auch gleichförmiger und ohne richtige Höhepunkte. Auch die Dynamik und Spannung solcher Stücke wie JUKEBOX BABE vermisst man. Manchmal hört sich das fast zu routiniert runtergespielt an. Die etwas einfallslose Coverversion von Gene Vincents BE-BPO-A-LULA, zwei nur leicht unterschiedliche Versionen des Stückes MAGDALENA und das quasi Selbstcover GHOST RIDER sprechen auch nicht gerade von Inspiration. Nur das 13-minütige VIET VET sticht heraus. Ein monotoner und bedrohlicher musikalischer Albtraum in Fortsetzung von FRANKIE TEARDROP. Vielleicht das beste Stück der Platte, mit seiner Länge und seiner deprimierenden Stimmung aber auch keine leichte Kost.

Diese Beschreibung liest sich wahrscheinlich schlimmer, als COLLISION DRIVE sich anhört. Die Platte ist durchaus anhörbar, aber gefragt, welches Stück – außer das eher untypische VIET VET – besonders herausragend ist und warum, wüsste ich nicht so recht zu antworten. Vielleicht ist Alan Vega auf starke Partner angewiesen, die ihn ins rechte Licht rücken. Die scheinen ihm hier zu fehlen. Deshalb will ich mich auch gar nicht erst lange mit COLLISION DRIVE aufhalten, sondern gehe gleich weiter zum nächsten Album.

Kleine biografische Ergänzung: Auch wenn es manchmal kolportiert wird, ist Alan Vega selbst kein Vietnam Veteran. Die Schattenseiten des American Dream sind jedoch sein Thema und da passt das nicht immer erfreuliche Schicksal mancher Vietnam Veteranen ins Bild.

PS.: Vielen Dank an Keksofen!

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“There are legends of people born with the gift of making music so true it can pierce the veil between life and death. Conjuring spirits from the past and the future. This gift can bring healing—but it can also attract demons.”                                                                                                                                          (From the movie Sinners by Ryan Coogler)