Re: Ich höre gerade … klassische Musik!

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gypsy tail windWeissenberg also wieder – mit Chopin. Seine Konzerte überzeugen mich (noch?) nicht vollends, aber ich habe leider noch keine Vergleichsmöglichkeiten (abgesehen von Lipattis Live-Aufnahme des ersten, die ich noch nicht angehört habe).

katharsisBei Chopin ist der von Dir genannte Verdacht nie von der Hand zu weisen und nicht selten weniger den Pianisten, sondern eher dem Komponisten anzulasten.
Chopin war ein Virtuose, aber auch ein kleiner Blender, der es verstand, Klavierstücke aufzublähen, um damit die durchaus vorhandene Leere zu kaschieren.

So scharf wie katharsis mag ich es nicht formulieren, jedenfalls nicht für den übrigen Chopin, der bei mir aber auch nur mit einigen Werken eine Rolle spielt, auch z. B. mit den Préludes und Nocturnes, den Ballades. Bei den Klavierkonzerten würde ich aber auch eine Art blendende Virtuosität ausmachen wollen, oder vielmehr: die blendenden, blenderischen Ideen. Ich kann also mit den Werken selbst nicht allzu viel anfangen, sie sind mir etwas schlicht, auch in den Passagen, wo aufgetrumpft wird, weshalb mir beinahe jeder Pianist dabei recht ist. Aber Lipatti, dessen Einspielung ich nicht kenne, könnte das durchaus ändern. Jedenfalls, die Brillanz Weissenbergs ist sicher auch in den Kompositionen begründet, aber im Nachhören fand ich die Hervorhebungen zu Beginn des Larghettos im zweiten Konzert auch etwas zu isoliert, zu ekstatisch, ein wenig zu wedelnd. Im Unterschied zumindest dazu könntest Du, wenn Du mal drauf stößt, es mit Clara Haskil versuchen, ich glaube, mit Markevich, bin aber nicht mehr sicher und habe die Platte nicht zur Hand. Oder mit Samson Francois (mit Cédille natürlich) und Louis Frémaux, beide Konzerte gibt es komplett hier und hier. Allerdings könnte dort das Orchester zu energisch erscheinen … mag aber bei diesen Konzerten passen.

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