Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

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skraggy

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Originally posted by DR.Nihil@1 Mar 2004, 02:08
Du magst sogar recht haben, nur wirst du sicherlich auch einsehen, dass man nicht zu jedem Thema eine wirklich ausführliche und differenzierte Abhandlung präsentieren kann. Ich gebe mir zumindest meistens Mühe es nicht nur bei einem „Blöd“ oder „Scheiße“ stehen zu lassen (in positiven Fällen wird sowas ja komischerweise nie hinterfragt) und wenigstens ansatzweise eine Begründung mit anzubringen. Und mich stört halt (mir kommt es vor, als ob sich dies hier in letzter mehrt), dass oft immer weiter Begründungen eingefordert werden. Finde es besser, wenn auf das, was schon mal da ist, erstmal eingegangen wird. So sammeln sich dann schon in Form einer Diskussion (ich diskutiere gerne und das Forum bietet für sowas eine wunderbare Fläche) die Begründungen und Aspekte und Argumente von selbst.
Du hättest z.B. auf meinen Beitrag, auf den du dich beziehst auch gleich sagen können: „aber ist es nicht möglich, dass der Film sich diesen vielleicht oberflächlichen Darstellungen durchaus differenziert widmet?“
Darauf hätte ich dann geantwortet: „Nö!“ und die Diskussion wäre beendet gewesen. Nein, das war Spaß!

Ja, da hast du recht. Ich hätte durchaus gleich auf deinen Beitrag eingehen können. Aber du hättest auch ein wenig mehr erklären können. :P ;) Ist jetzt auch egal, wer was hätte tun können. Über kleine Umwege kam es ja doch noch zu einem vernünftigen Meinungsaustausch.

Aber ich finde, das ist es doch gerade. Er redet monatelang kein Wort mit dem Typen, ist sowas von überzeugt von seinen Ansichten, doch dann auf einmal kommt der gedankliche Umschwung ganz schnell. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, aber dann wurde das Ganze inszenatorisch schwach umgesetzt, weil es sollte mir nicht so vorkommen, wenn es denn nicht so ist.
Norton war wütend, er wurde Nazi. Okay, von mir aus. Warum ist er denn jetzt nicht mehr wütend (so kommt er mir vor)? Oder geht er nur jetzt anders mit seiner Wut um? Wie denn? Das hätte ich mich interessiert.

So abgedroschen es klingen mag, aber das ist wohl eine Sache der subjektiven Wahrnehmung. Du empfindest es auf die eine Art und ich auf die andere. Da kann man ewig weiter diskutieren und kommt trotzdem zu keinem Ergebnis.
Bezüglich der Darstellung des geläuterten Norton muss ich dir bei näherem Nachdenken recht geben. Es wird tatsächlich kein Wort darüber verloren, was aus seiner Wut geworden ist. Das ist schade und stellt eine Lücke dar, die ich bisher noch nicht in dem Maße wahrgenommen habe. Mich hätte weiter interessiert, wie sich für Norton zukünftig der Alltag in einer Gegend gestaltet, in der er als militanter Nazi bekannt ist. Gegen Ende des Films tritt die Polizei ja mit der Bitte an ihn heran, den Versuch zu unternehmen, auf seine ehemaligen Kameraden einzuwirken. Es wäre sicherlich sehr interessant gewesen, zu beobachten, mit welchen Argumenten ein geläuterter Nazi versucht, bekennenden Nazis die Falschheit ihrer Überzeugung vor Augen zu führen. Leider bricht der Film an dieser Stelle ab.

Gut, hier sagst du es ja selbst. Der Film ist nicht angemessen inszeniert worden. Dass diese „Erklärungsmuster“ eben teilweise nur angeschnitten wurden (bestes Beispiel: die Vaterbegründung – vielleicht ja das furchtbarste an dem Film), lässt sie ja so klischeehaft und den Film wie eine hastige Aneinanderreihung solcher Klischees erscheinen.

Das muss ich ein klein wenig relativieren. Ich halte lediglich Teile des Films für nicht angemessen inszeniert. Zur „Vaterbegründung“: Generell halte ich diese nicht für unplausibel. Mir hat sie im Film sogar als Information ausgereicht. Ich für meinen Teil kann mir gut vorstellen, welche Parolen und „Argumente“ solch ein Mann nebenbei beim Abendessen, Fernsehen, Zeitung lesen etc. ablässt und wie ein noch unbedarfter Junge, der seinen Vater als Idol betrachtet, bestimmte Aussagen erst in seinen alltäglichen Sprachgebrauch und später auch in sein Weltbild übernimmt.

Aber das ist ja nicht mal alles, was mir an „American History X“ missliegt. Es ist auch diese Ästhetik. Ich verstehe die Stilisierungen an einigen Stellen schlichtweg nicht. Die Verwendung der Zeitlupe wirkt auf mich z.B. unglaublich willkürlich.

Ich muss gestehen, dass ich auf den Einsatz von Zeitlupe nicht bewusst geachtet habe. Wenn ich dran denke, werde ich den Film beim nächsten Mal mal mit einem
analytischen Auge betrachten.

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