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Originally posted by DR.Nihil@1 Mar 2004, 00:48
Mir fehlt in Deinem Beitrag die Begründung, warum Du meine „Vorgehensweise“ als klischeehaft empfindest.Das Klischeehafte wollte ich verdeutlichen um zu begründen, warum mir der Film u.a. nicht gefällt. Dies war also schon eine Begründung. Okay, du verlangst die Begründung der Begründung.
Das fällt mir schon schwerer. Machs mir einfach und gehe auf meinen Beitrag mir widersprechend ein. Eine Diskussion ist oft besser als mühseliges Begründungen einfordern, meistens.
Gut, ich sehe, ein bisschen tatest du das bereits:
ja, es wirkt so, als ob Furlongs Figur nie wirklich daran glaubte. Aber die Art wie diese Glaubenswandel in dem Film geschehen, ist für mich unglaublich oberflächlich. Es geht so schnell. Nicht nur im Falle von Furlong. Norton war so überzeugt von der Sache, dass er sich ein Hakenkreuz auf die Brust tätowieren ließ, so überzeugt, dass er sogar einen Menschen tötete und da braucht er nur mal auf einen Schwarzen treffen, der eins, zwei gute Witze macht und schon ist er bekehrt. Natürlich muss er noch mal kurz heulen, aber dann ist er auch schon der intelligente, vorbildliche junge Mann, der er eigentlich immer hätte sein können.
Ja ja, die eigenen Ansprüche. :D
Begründung: Man kennt das doch, viele Personen (natürlich auch ich) fällen ein Urteil – in Deinem Fall, dass der Film oberflächlich sei – und hauen einem dann Szenen oder Darstellungen um die Ohren, die verdeutlichen sollen, warum man zu dem entsprechenden Urteil gekommen ist. Dabei passiert es leider häufig, dass die zur Begründung herangezogenen Szenen nicht in einer Art und Weise kommentiert werden, die erklärt, warum sie zur Urteilsfindung beitragen. Mir kommen halt immer wieder solche „Begründungen“ unter, deswegen empfinde ich sie inzwischen als klischeehaft. Die von Dir angeführten „Begründungen“ für Dein Urteil sind – zumindest für mich – nicht selbsterklärend. Nur weil sich der Film bestimmter – möglichweise klischeehafter – Darstellungen wie „ich war halt wütend und deshalb wurde ich zum Nazi“ und „Danke, dass du es mir erklärt hast, jetzt können wir das ganze Nazi-Zeug in meinem Zimmer abhängen“ oder „im Knast habe ich einen Schwarzen kennengelernt und verdammt, der war echt nett“ sowie „alles fing schon viel früher an, schließlich war der Vater im Grunde schon so drauf“ bedient, heißt das noch lange nicht, dass er aus diesem Grund oberflächlich ist. Er mag durchaus unoriginell sein, jedoch besteht doch die Möglichkeit, dass sich der Film diesen Darstellungen äußerst differenziert widmet.
Ob dies im Falle von AHX nun wirklich so ist, ist eine andere Geschichte.
Nochmal zum Film selbst:
Wir stimmen durchaus darin überein, dass der Film manches zu schnell abhandelt. Für mich beschränkt sich dies aber auf die letzten 20-25 Minuten.
Deine Kritik an am Zusammentreffen von Norton und seinem schwarzen Knastkumpel kann ich in der von dir angeführten Weise nicht nachvollziehen. Es kommt im Film schon raus, dass es viele Monate dauert, bis das Eis zwischen den beiden zumindest ansatzweise gebrochen ist.
Die von Dir angeführte Oberflächlichkeit ist sicherlich vorhanden, jedoch für mich nicht in dem von Dir empfundenen Maße. Außerdem resultiert sie für mich nicht aus den Erklärungsmustern die der Film anführt sondern eher aus dem inszenatorischen Defizit, dass eben diese Erklärungsmuster zwar dargestellt, aber nicht immer expliziert werden.
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