Re: ROLLING STONE März 2012

#8313359  | PERMALINK

Anonym
Inaktiv

Registriert seit: 01.01.1970

Beiträge: 0

Das Problem ist, dass Menschen wie der früh vergreiste Gottschalk Seger und noch so einige andere, die sich Mitte der siebziger nach jahrelangem Tingeln und vergeblichen Anläufen im Mainstream etablieren konnten, für sich vereinnahmt haben und ihre Umgebung mit dem Jahrhundertunsinn vollquatschen, dass das noch richtige handgemachte Musik sei. Dabei haben Seger und auch Springsteen zwar nicht ihr ursprüngliches Publikum verloren, aber eins hinzugewonnen, was man eigentlich nicht zum Feind braucht, wenn man künstlerisch überleben und sich behaupten will. Bekanntlich hat Springsteen künstlerisch überlebt, weil er den kleinsten gemeinsamen Nenner schnell verscheuchen konnte. Seger hingegen hat eigentlich nach der schlechten (!) Nine Tonight sowohl quantitativ und besonders qualitativ nichts mehr unternommen. Alle Platten danach laufen unter müdes Alterswerk einer ehemaligen Größe. Ich schätze Jörg Feyer sehr, aber seine Bewertungen der Seger-Platten ohne Kennzeichnung dieses abrupten Bruches ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. Was die beiliegende CD angeht, ist deutlich der qualitative Unterschied zwischen den beiden Live-Platten hörbar. Live Bullet ist auch in diesen Ausschnitten als außergewöhnliches Live-Dokument identifizierbar, weil unheimlich energetisch, unmittelbar, bar jeder Berechnung, musikalisch. Der Rest berechenbar, massenkompatibel, leblos, gebremst, durcharrangiert und schlechter als die Studioversionen von so großartigen Songs wie Against the Wind und Night Moves, wo das rhythmische, aber völlig unangemessene und in den Vordergrund gemischte Publikumsgeklatsche diesen Song eigentlich qualitativ regelrecht unkenntlich macht und einen Vorgeschmack darauf liefert, was der Begriff Rockballade uns mit den Scorpions und derem manifestiertem Wind of Change dann offenbarte.

--