Re: "Rock" – Begriff ohne Grenzen?

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jan-lustiger

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Blitzkrieg BettinaAber warum wehrst du dich dann so dagegen den Punk als Subgenre des Rock zu bezeichnen wenn du schon siehst dass der Begriff sehr weit gefasst werden kann?

Wenn ich sage, dass der Begriff weit gefasst werden kann, meine ich damit nicht „Jeder hat Recht, weil es so viel Spielraum gibt“, sondern „Viel Spielraum = viele Auslegungen“ und da habe ich meine Auslegung wie andere ihre haben.

Die Sache ist die, dass Rock und Pop Begriffe sind, die sich nicht auf harte Fakten runterbrechen lassen. Im Gegensatz zu bspw. Begriffen wie Reggae oder Hip Hop, deren musikalischen Merkmale klar definiert sind, haben Rock- und Pop-Definitionen i.d.R. einen kulturphilosophischen Gehalt. Es gibt nicht DAS Musterbeispiel Rock oder Pop, es sind Begriffe, die in persönliche Hörerfahrungen und Reflexionen eingebettet und dementsprechend interpretiert werden.

Soll heißen: Was Hip Hop ist und was ihn dazu macht, kannst du leicht und schnell nachlesen. Wenn es um Rock und Pop geht, braucht es einiges mehr an Eigenleistung. Es sind keine einfachen Genre-Begriffe. Es sind die Grundbegriffe der populären Musikkultur und wie du diese definierst, darauf wird dein Musikverständnis aufbauen, dementsprechend kommt es bei unterschiedlichen Musikrezeptionen zu unterschiedlichen Definitionen dieser Begriffe. Über diese zu diskutieren, ist deswegen so hitzig, weil es in etwa der Diskussion von Grundfragen der Weltbilder in der Philosophie gleichkommt (oder zumindest gleichkommen kann).

Blitzkrieg BettinaHabe jetzt keine Ahnung ob du auch zu denjenigen gehörst die Hendrix, die Stones, Springsteen oder Motörhead ausschließen, aber die Ramones sind m.E. näher an den Wurzeln des Rock als Deep Purple.

Motörhead ist eine Rockband, die ich mag. Ja, es ist Testosteron-Rock, aber welcher, der die peinliche Falle der Selbstüberschätzung und der Inszenierung der eigenen Stärke/dem eigenen Können umgeht. Ich habe ja nie gesagt, dass ich „Rock“ bzw. das, was ich darunter sehe, per Definition schlecht finde.

Auch z.B. die Stooges sind eine Rock-Band für mich, und zwar eine verdammt gute, auf ähnliche Weise, wie mir auch die Stones zusagen. Hendrix ist die Rockgewordene Blues-Gitarre und mit dem Boss habe ich mich wenig beschäftigt, sein Stadion-Pathos ist aber tatsächlich etwas, das mich bei der Art Rock-Band, die mir negativ aufstößt, auch stört.

Warum die Ramones näher an purem Rock sein sollen als es Deep Purple sind, musst du mir mal noch erklären. Punk ist der Gegenentwurf zum Rock der 70er, der sich von seinen Popbezügen in den 60ern emanzipiert hatte. Aber das habe ich ja schon im alten Thread ausgeführt. Natürlich hat eine Band wie die Ramones (Garagen-)Rock-Elemente übernommen (siehe Stooges), aber das macht sie nicht gleich zu einer klassischen Rockband, denn…

Blitzkrieg BettinaRock=Laute Gitarren

…genau das ist eine Definition, die viel zu kurz greift. Wie oben geschrieben, funktioniert die „Genre-Elemente = Genre“-Formel hier einfach nicht. Und nach deiner Definition wären ja sogar My Bloody Valentine eine Rock-Band. Come on…

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