Startseite › Foren › An die Redaktion: Kritik, Fragen, Korrekturen › Das aktuelle Heft: Lob und Tadel › ROLLING STONE April 2011 › Re: ROLLING STONE April 2011
BgigliDas ist natürlich, wenn man sich die Mühe macht und Nikodemus‘ ganze Replik auf die neue Ausgabe liest, die Reaktion des Ertappten, der gar nicht so viele Finger hat, wie er in alle Wunden legen muss, die Nikodemus hier bloßlegt, sondern nur hilflos das naheliegenste Loch stopfen will, was sich gerade anbietet. Das Schlimme ist ja nicht die Verleugnung des eigentlichen Problems des Stone, sondern dass man entgegen seiner Überzeugung, die man als langjähriger Leser eigentlich kennt und respektiert, hier nach wie vor erstklassig geführte Interviews und geschriebene Artikel über wirklich jeden findet, der gerade ein wenig Popularität angehäuft hat. Super Handwerk eben, aber ohne Inspiration, Seele und Neugier. Wie die letzten Platten von beispielsweise –YES.
Moment bitte. Selbstverständlich finde ich es sehr schade, einen extrem smarten Leser wie Nikodemus zu verlieren (wenn sich sein Eindruck vom Heft weiter bestätigen sollte, was ich natürlich nicht hoffe). Aber es wäre noch viel erbsenzählerischer und beleidigter (fast wie die Unterhaltung eines entfremdeten Paars), wenn ich jetzt einzeln auf seine Kritikpunkte eingehen würde. Dann müsste ich wieder schreiben, dass ich z.B. über den Guttenberg-Beitrag (einen exklusiv für uns verfassten Text der Biografen) oder die Wikileaks-Geschichte ganz besonders froh bin. Dass der so oft beschworene „alte Stone“ noch viel mehr Grönemeyer-, BAP-, Westernhagen- und sogar Stoppok-Riesengeschichten hatte, dazu noch Kid Rock und die Chili Peppers und seitenlange Abhandlungen über LSD-Päpste oder Joe Walsh. Und dass man mal lieber gut aufpassen sollte, wenn man sich den zurückwünscht.
Was ich auch finde: dass wir ein, zwei weitere etwas obskurere Musik-Geschichten durchaus hätten vertragen können. Sowas wie das „Alte Meister“-Porträt über die Incredible String Band oder letztens die Leon-Russell-Story des US-Stone. Aber sowas gibt es bald wieder.
--
"Käpt'n, ich glaube, wir bekommen Besuch!"