Re: Nine Inch Nails

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sunspot

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Sonic JuiceMongolom, wie gefällt Dir denn die Year Zero mittlerweile im Vergleich zu den Vorgängern?

Ich muss gestehen, nach mehreren Durchgängen bin ich entmutigt; für mich ist YZ das bislang verzichtbarste reguläre NIN-Album. Mir sträubt sich schon alles gegen dieses überambitionierte Konzept, das mich nicht im mindesten interessiert und man eigentlich nur einer Teenager-New-Metal-Band noch durchgehen lassen würde, nicht aber einem gereiften Musiker mit seriösem Songwriting-Anspruch. Persönliche Berührung durch die Songs scheidet somit schon mal pauschal aus. Was soll das denn eigentlich alles, Operation Mindcrime No. 4?

Anders als bei „With Teeth“, das ich immer noch schätze, fehlen mir auch eingängige Melodien und zwingende Songstrukturen fast zur Gänze, ebenso vermisse ich aus dem NIN-Schema ausbrechende Highlights wie „All The Love In The World“ oder „Right Where It Belongs“, und auch die recht pointierten, meinetwegen auch an und an popnahen Arrangements.
Letztlich klingt das ganze YZ-Paket ziemlich altbacken und überproduziert. Da Trent ja mittlerweile aus der Pubertät raus ist, bleibt mir eigentlich nur „Midlife Crisis“ als Erklärungsmodell übrig.

Na sowas, die neuen Beiträge in diesem Thread wurden mir gar nicht angezeigt – Sauerei! Da hatte bestimmt die Presence ihre vier Finger im Spiel… :lol:

Um auf deine Frage zu antworten: „Year Zero“ ist zwar schwächer als „With Teeth“, aber trotzdem ganz klar ein sehr gutes Album. Die Schwäche sehe ich in einem ziemlich mittelmäßigen Auftakt, da bin ich einfach Besseres gewohnt. Mit „Hyperpower!“, „The Beginning of the End“ und „Survivalism“ will bei mir einfach keine rechte Begeisterung aufkommen, ganz anders als z.B. mit dem göttlichen „All The Love In The World“ von WT. Allerdings ist ab „The Good Soldier“ für mich wieder alles im Lot, und über die restliche Spielzeit gibt es nur nochmal mit dem „Great Destroyer“ einen Hänger. Erfreulicherweise gibt es auf „Y34RZ3R0R3M1X3D“ eine von Alessandro Cortini geradezu fabulös remixte Fassung dieses Stücks, die komplett auf die nervigen Nintendomitkurzschluß-Sounds verzichtet und stattdessen sogar die Akustikklampfe auspackt. Sehr toll, das! Und mit dem finalen Trio „Another Version Of The Truth“, „In This Twilight“ und „Zero-Sum“ hat er sich imho selbst übertroffen. Besonders „Zero-Sum“ möchte ich die Sterne eimerweise hinterher werfen, besser und schöner kann ein Konzeptalbum über das Ende der Menschheit einfach nicht abgeschlossen werden. Und ein möglicher Cliffhanger ist es dazu auch noch, es könnte schließlich weitergehen…

Und nein, ich empfinde es weder als peinlich noch krisenverdächtig, dass Trent statt eines weiteren Albums mit vertonten Tagebucheinträgen ein Konzeptalbum reinsten Wassers abgeliefert hat. Der akribisch ausgetüftelten Story inkl. Alternative Reality Game im Internet (welches übrigens über Monate einen höllischen Spaß gemacht hat) steht ja für seine Verhältnisse extrem „schlank“ produzierte Musik gegenüber, statt alles in mindestens 372 Spuren zu ersäufen. „Vessel“ bratzt herrlich fiese elektronisch los, „Me, I’m Not“ pluckert wie ein Traktor am Hang daher, und mit „Capital G“ und „God Given“ sind auch zwei hochgradig infektiös groovende Popowackler dabei.

Im Gegensatz zu dir finde ich es faszinierend, die Entwicklung des „neuen“ Trent Reznor zu verfolgen, der nicht nur vor Muskeln, sondern auch vor Schaffensdrang aus allen Nähten platzt und mit der Abkehr vom musikalischen Seelenstriptease neues Terrain betritt. Mir gefällt größtenteils, was dabei bisher rausgekommen ist, und auf den nächsten Streich bin ich schon gespannt wie ein Flitzebogen. Trent sitzt bereits im Studio an der Arbeit, wie sich auf nin.com (und meinem Archiv, siehe Signatur) mit fast täglichen Updates verfolgen lässt. Angesichts der beteiligten Mitarbeiter für die Endkontrolle der Mixe mach ich mich schon mal auf Seltsames gefasst… :lol:

Jan_JanIch hoffe natuerlich trotzdem immernoch, dass irgendwann ein rein akustisches zerbrechliches NIN-Album mit ausschliesslich Ubersongs erscheint

Er hat mehrfach bestätigt, dass er so ein Album durchaus als Option für die Zukunft betrachtet. Ich hoffe ja, dass er das umsetzen wird, die „Still“ haut mich schließlich nach wie vor immer wieder um :liebe:

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